So., 23.02.2014

Karnevalsumzug in Ottmarsbocholt Stilsicherer Spott und Sticheleien

Die Macht liegt bei den Narren: Sie erobern sich die Straßenhoheit beim Umzug. Und Prinz Raphael I. heimst mit Funkenmariechen Miriam I. auch noch die Schlüsselgewalt ein.

Die Macht liegt bei den Narren: Sie erobern sich die Straßenhoheit beim Umzug. Und Prinz Raphael I. heimst mit Funkenmariechen Miriam I. auch noch die Schlüsselgewalt ein. Foto: di

Ottmarsbocholt - 

Kaiserwetter für die Herrschaft von König Karneval: Der Umzug durch Otti-Botti wurde am Sonntag von vielen närrischen Zuschauern gesäumt. Die Polizei schätzte auf Anfrage das Besucheraufkommen höher als in den vorigen Jahren ein. Zu Vorfällen während des Lindwurms der Freude kam es nicht.

Von Dietrich Harhues

Die gelben Engel wurden zu Bengeln, und dem ADAC sagten die Narren ade. Der Skandalbischof aus Limburg erntete Spott, der sich kübelweise auf Steuerhinterzieher wie Uli Hoeneß und Alice Schwarzer ergoss. Die Narren in und aus Ottmarsbocholt machten ihren Job gut: Sie hielten den Mächtigen den Spiegel vor und knöpften sich die Top-Ereignisse als Motto vor.

Das ist das Grundrezept, das den großen Umzug in dem kleinen Dorf ausmacht. Das Aroma gelangt aber für viele Besucher durch die Prise Lokalkolorit den bunten Eintopf des Bürgerkarnevals. Auch diese Würze kam nicht zu kurz. Denn die Ecke Dillenbaum und die Jungschützen zum Beispiel fachten das Thema Windkraft an. „Kommt Energie aus Wind irgendwann – bei uns macht Strom der Jallermann“, reimten die Dillenbäumer. Sie sehen es mit gemischten Gefühlen, sollten sich die mächtigen Rotorblätter in Otti-Botti drehen. „Der Kirchturm von St. Urban sollte der Blickfang bleiben“, bringt Andreas Gerber die mäßige Begeisterung auf den Punkt.

Ein heißes Eisen piksten auch die Ehepaare Beisenkötter, Lindfeld und Rave als „Jallermann-Quartett“ auf – die Frage der Stadtwerdung beantworteten sie unter der Devise: „Otti-Botti statt Senden“ oder auch Karnevalsstadt Otti-Botti“. Stimmzettel gab´s für die Jecken noch dazu.

Den Brand der Holzkuppel der Ottmarsbocholter Mühlen griff eine weitere Gruppe auf: „Nicht nur die Mühle hat einen Dachschaden“ übte sie sich in Selbstironie.

Ob flinke Fußtruppe oder mobiler Narren-Koloss: Viel Arbeit haben die Ecken, Clubs und Cliquen investiert, bis am Sonntag vor Rosenmontag der Umzug durch Otti-Botti ziehen kann. Die Beteiligung klappt noch, und auch die junge Generation schließt sich ohne Sollbruchstelle ab, ziehen Thomas Lordiek und Theo Trahe von der Holte Straße ein Resümee. Ihr T 1-Hippie-Bullie gerät zum Blickfang. Zum Zersägen viel zu schade. „Ja, das tut weh“, bedauern die Wagenbauer.

Immerhin: Ihre Mühen wurden von mehreren tausend Zuschauern gefeiert. Der Andrang, so die Polizei , fiel angesichts des Wetters deutlich höher aus. Und der Lindwurm der Freude schlängelte sich ohne Verletzte oder Ärger unter Narren über seine Route , bilanziert die Polizei am Abend.

"

Der Umzug verläuft für uns immer sehr problemlos.

Fazit der Polizei vom frühen Sonntagabend

"

Leserkommentare

Google-Anzeigen

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2254018?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F1408245%2F