Sa., 24.12.2011

Herren über Berg und Tal Josef Fischer und Klaus Kalkhoff haben eine gemeinsame Leidenschaft: Modelleisenbahnen

Auch bei fertigen Teilen der Anlage finden Klaus Kalkhoff (l.) und Josef Fischer immer noch Details, die sie verbessern könnten. Hier nehmen sie den Gebirgsbach ins Visier, der den See speist.Fotos: (Frank Zimmermann)

Auch bei fertigen Teilen der Anlage finden Klaus Kalkhoff (l.) und Josef Fischer immer noch Details, die sie verbessern könnten. Hier nehmen sie den Gebirgsbach ins Visier, der den See speist. Foto: Frank Zimmermann

Ahaus-Alstätte - 

Josef Fischer werkelt an der Anlage. „Jetzt kommt Bewegung in den See“, sagt der 53-Jährige. Tatsächlich legt das kleine weiße Segelboot vom Ufer ab. „Und der da wartet darauf, dass die Lachse den Bach hoch schwimmen“, sagt Klaus Kalkhoff lachend und deutet dabei auf einen „Mann“. Der steht auf einer Brücke über dem Bach, sein Fahrrad hat er ans Brückengeländer gelehnt.

Auf einem ehemaligen Heuboden frönen der Alstätter Josef Fischer und der gebürtige Schalker Klaus Kalkhoff ihrem gemeinsamen Hobby, dem Modelleisenbahn-Bau. Kennengelernt haben sie sich durch einen Zufall: Tischler Fischer arbeitet im Fensterbau. Meistens im Betrieb, aber in seltenen Fällen fährt er auch zu Kunden. Einer davon war Klaus Kalkhoff, der 1982 nach Alstätte gezogen war. Fischer reparierte ein Fenster bei Kalkhoff, die beiden kamen ins Gespräch über Modelleisenbahnen, der Grundstein für ihre Freundschaft war gelegt.

Der See habe schon einige Jahre auf dem Buckel, erzählt Kalkhoff. „Aber da ist noch nie ein Tropfen Wasser ausgelaufen.“ Der Grund des Miniaturgewässers sei nämlich mit einem Mittel behandelt, mit dem normalerweise Keller abgedichtet werden. Diese Idee hat der 68-Jährige aus seiner Berufserfahrung ins Hobby einfließen lassen: Der heutige Rentner ist gelernter Maurer.

Stattliche 30 Quadratmeter ist die Anlage auf Fischers altem Heuboden groß. „Früher waren es sogar 32, aber wir haben ein Stück für unsere Sitzplätze rausgesägt“, erzählt Kalkhoff schmunzelnd. Derweil steht Fischer am Computer, von dem aus er die digitale Märklin-H0-Metallgleis-Anlage steuert. Rund 20 Loks sind hier auf geschätzten 1,8 Kilometer Schienen unterwegs. 59 Weichen regeln, wo die Züge langfahren.

Die erste Anlage, die Fischer und Kalkhoff hier zwischen 1990 und 1997 aufgebaut hatten, bestand aus einer einzigen großen Platte. „Man kam an nix mehr dran“, erklärt Kalkhoff, warum die beiden dann noch mal umdisponiert haben. Durch die jetzige Anlage ziehen sich Gänge. Wie Riesen können die Männer so durch die winzigen Landschaften wandern. Die sind sehr vielfältig und abwechslungsreich: Wälder und Gebirge, kleine Dörfchen – sogar ein Weinberg ist dabei. „Daran haben wir zwölf Wochen gebaut“, erinnert sich Fischer. Auch er hat ein tolles Material, das er von der Arbeit kennt, in den Modellbau eingebracht: Fliegengitter. Für die Landschaften kleben die Männer zunächst kleine Vierkanthölzer zu einem Gerüst zusammen. Darauf wird das Fliegengitter montiert. „Das Material ist sehr flexibel und deshalb sehr gut zu gebrauchen“, erklärt Fischer. Schließlich kommen noch Gips, Farbe und dann der entsprechende Landschaftsuntergrund darauf, zum Beispiel Steinchen oder Sand. Für die Gestaltung des Weinbergs haben die Modellbauer extra einen Weinhändler befragt. Und die Reben haben sie auf einer Börse ergattert.

Nicht nur Züge fahren zwischen Berg und Tal: Parallel zu den Schienen verlaufen Straßen, auf denen Autos unterwegs sind. Das Car-System von Faller macht’s möglich. Ähnlich wie bei einer Carrera-Bahn fahren die Autos über einen Leitdraht. Die entsprechenden Straßen haben Fischer und Kalkhoff natürlich auch selbst gebaut. Dafür haben sie Rillen in Holzplatten gefräst, den Draht eingelegt, beigespachtelt und schließlich bemalt. Ganz selbstverständlich erzählen sie das, an die unzähligen Arbeitsstunden verschwenden sie offenbar gar keinen Gedanken.

Noch in Arbeit ist eine größere Stadt. Die erinnert mit ihren Bergmannshäuschen an Kalkhoffs Kindheit im Ruhrgebiet. „Ich bin in einer solchen Bergmannssiedlung aufgewachsen“, erzählt Kalkhoff. Seine allererste Modelleisenbahn hat er als Kind zu Weihnachten bekommen. „Die musste man noch aufziehen“, erinnert er sich. Seine Leidenschaft war trotzdem geweckt. Mit kleinen Arbeiten – zum Beispiel Kohlen für die Nachbarn tragen – hat er als Jugendlicher ein bisschen Geld verdient, um sich weitere Schienen und anderes Zubehör zu kaufen.

Auch zeitlich haben die beiden Männer sich an ihrer Kindheit orientiert. Die Modellbauten sind im Stil der 50er- und 60er-Jahre gehalten. Im Kino läuft „Sissi“ und am Rande der Stadt sind gerade die ersten Hochhäuser entstanden. An Ideen für die Gestaltung mangelt es nicht. Hier und da schauen sie zwar mal in entsprechende Magazine – aber das Gros „kommt alles hierher“, deutet Kalkhoff mit einem Finger auf seinen Kopf.

Dass ein Ende ihrer Arbeit nicht in Sicht ist, stört die Männer nicht im geringsten. „Es macht ja beim Modellbau einen Teil des Reizes aus, dass man nie fertig wird“, erklärt Kalkhoff. Schließlich kann auch Gutes immer noch besser werden. So wie der Gebirgsbach, aus dem echtes Wasser in den See fließt. „Vielleicht sollte ich in das Bachbett mal einen Stein kleben, damit das Wasser richtig sprudelt. So sieht man ja kaum was“, überlegt Josef Fischer.

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