Sa., 27.02.2016

Aussegnungshalle kostet 475 000 Euro Ein der Trauer angemessener Ort

 

  Foto: Architekturbüro Hartmann

Ahaus-Alstätte - 

Mit einem Knopfdruck auf dem Laptop startet Frank Woltering den virtuellen Rundflug über die neue Aussegnungshalle. Knapp 100 Gäste im Saal Paus-Franke erhalten einen Blick auf ein mit großen Fenstern und einem Flachdach ausgestattetes Gebäude.

Von Rupert Joemann

Mit einem Knopfdruck auf dem Laptop startet Frank Woltering den virtuellen Rundflug über die neue Aussegnungshalle. Knapp 100 Gäste im Saal Paus-Franke erhalten einen Blick auf ein mit großen Fenstern und einem Flachdach ausgestattetes Gebäude. Rund eineinhalb Stunden später fasst ein Besucher die Stimmung an diesem Donnerstagabend zusammen: „Das ist schon sehr stimmig.“

„Alstätte war in den 60er-Jahren eines der ersten Dörfer mit einer Aussegnungshalle. Jetzt ist es eines der letzten, die sich neu ausrichten müssen“, sagt Pfarrer Matthias Wiemeler. Er erklärt, warum aus Sicht des Kirchenvorstandes eine neue Aussegnungshalle nötig ist. „Die klassische Beerdigung mit Messfeier ist nicht mehr für alle passend“, sagt Wiemeler. Dieser Trend werde sich in den kommenden Jahren fortsetzen.

Auch die Urnenbeisetzung wird zunehmen, ist sich Wiemeler sicher. Noch sind es in Alstätte nur drei bis fünf Urnenbeisetzungen jährlich. In Vreden betrage die Quote aber schon annähernd 50 Prozent, in Gronau und Epe sogar zwei Drittel, so der Pastor.

Wichtig ist dem Geistlichen, dass die Halle „einen hoffnungsvollen Charakter hat und den Glauben an die Auferstehung“ widerspiegele. Deshalb ist der Fensteranteil bewusst groß gehalten. „Es wird eine transparente und helle Halle, mit Fußbodenheizung“, sagt Frank Woltering vom Architekturbüro Hartmann. Unterschiedlich hohe Ziegelstein-Elemente sorgen für Sichtschutz und bieten den Trauerenden so Intimität. Eine behinderten-gerechte Toilette in der alten Halle und zehn neue Parkplätze sind ebenfalls vorgesehen.

Wert haben die Verantwortlichen darauf gelegt, die Achse von der alten Halle zum Friedhof aufzunehmen. Auch der zuerst angedachte Abriss der alten Halle wurde schnell verworfen. „Das Gebäude hat Charme“, sagt Architekt Egbert Hartmann. Die neue Halle ist bewusst niedriger von der Höhe geplant worden, um den Blick auf die alte Halle nicht vollkommen zu verstellen.

Neu gestaltet wird auch der Ehrenmal-Bereich. Neben dem bisherigen Kriegerehrenmal wird auch das alte Ehrenmal aufgestellt. Jedes steht an einer Seite des Durchgangs. „Wenn wir durch das Ehrenmal schreiten, werden wir jedes Mal daran erinnert, dass wir den Frieden halten müssen. Schöner kann man Ostern nicht begehen“, findet Matthias Dornbusch, Küster und 2. Vorsitzender der Bürgerschützen. Die fünf Alstätter Schützenvereine übernehmen zusammen die rund 8000 Euro Kosten der Umgestaltung des Mahnmal-Bereichs.

Bei den 475 000 Euro-Gesamtkosten „hält sich das Bistum vornehm zurück“, sagt Bernhard Terhaar vom Planungsausschuss, der die Finanzierung erläutert. Das Bistum beteiligt sich nicht an den Kosten. Der Grund: Bestattungen sind ein gesetzlicher Auftrag und somit von der Stadt zu organisieren. Das Betreiben eines Friedhofes sei eine „private Angelegenheit der Gemeinde“, so Terhaar.

75 000 Euro aus Spenden haben die Verantwortlichen veranschlagt. „Wir haben 2004 bei der Kirchenrenovierung 300 000 Euro zusammenbekommen“, sagt ein Teilnehmer. Da sollten doch 75 000 Euro zusammenzukriegen sein, so der Mann lächelnd.

Terhaar spricht aber auch offen an, „dass wir über steigende Friedhofsgebühren nachdenken müssen“. Das habe aber nichts mit der Aussegnungshalle zu tun, sondern mit der sich verändernden Art der Beisetzung. Auch Terhaar glaubt, dass der Trend zur Urnenbeisetzung anhalten werde.

„Der Friedhofshaushalt muss selbsttragend sein. Eine Quersubventionierung ist nicht zulässig“, betont Bernhard Terhaar. 50 000 bis 60 000 Euro nimmt die Gemeinde jährlich für den Friedhof ein. 6000 Euro zahlt die Gemeinde allein an die Zentralrendantur für die Friedhofsverwaltung. „Das ist nicht zu viel“, findet Terhaar. Die Hinterbliebenen hätten den Vorteil, „alles aus einer Hand“ zu haben.

Alstätte, so Terhaar, liege mit seinen Friedhofsgebühren im Mittelmaß der kirchlichen Friedhöfe der Region. Und sei teilweise deutlich günstiger als die kommunalen Friedhöfe in Ahaus. Zudem habe es die letzte Anpassung vor acht Jahren gegeben.

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