Di., 12.09.2017

Mord an Flüchtlingshelferin Bruder der getöteten Studentin sagt als Zeuge aus

Auch am vierten Tag hat der Angeklagte geschwiegen.

Auch am vierten Tag hat der Angeklagte geschwiegen. Foto: klm

Ahaus/Münster - 

Zum letzten Mal habe er seine Schwester gesehen, als er einen Film im Fernsehen schaute. Im Prozess um den Mord an einer Flüchtlingshelferin aus Ahaus sagte am Dienstag ihr 19-jähriger Bruder als Zeuge vor dem Landgericht Münster aus. Der Angeklagte selbst schweigt weiterhin.

Von Klaus Möllers

„Sie hat gefragt, warum ich sie nicht zum Mitgucken gerufen habe“, erinnerte sich der Bruder des Mordopfers am Dienstag. Kurz darauf, um Viertel vor zwölf in der Nacht vom 10. auf den 11. Februar, habe die Schwester noch einmal das Haus verlassen. Etwa um drei Uhr sei er wieder wach geworden: Der Familie wurde mitgeteilt, dass seiner Schwester etwas passiert ist. Er habe versucht, sie auf ihrem Handy zu erreichen, was aber ausgestellt war.

Mutter zum ersten Mal beim Prozess dabei

Während der Bruder am Zeugentisch aussagte, fing die Mutter auf der Nebenklagebank laut an zu weinen und wurde von ihren Angehörigen aus dem Saal gebracht. Die Mutter war, im Gegensatz zum Vater und dem Bruder des Opfers, zum ersten Mal beim Prozess anwesend. Schließlich schleuderte der junge Mann eine Flasche zu Boden und fluchte in Richtung des Angeklagten, bevor den Saal verließ.

Angeklagter schweigt

Auch am vierten Verhandlungstag blieb der mutmaßliche Täter, ein 28 Jahre alter abgelehnter Asylbewerber aus Nigeria, dabei, nichts zur Tat sagen zu wollen, wie sein Anwalt erklärte. Mehr Aufschluss über die Vorgeschichte gab allerdings sein ehemaliger Mitbewohner (20) in der Flüchtlingsunterkunft Am Kalkbruch. Die 22-Jährige sei für ihn selbst „eine Freundin“ gewesen. Mit dem Angeklagten hingegen habe sie ein „sexuelles Verhältnis“ gehabt. Dass wisse er, weil er „es gesehen“ habe, als sie in dem Doppelzimmer der beiden Männer „mal die Tür nicht zugemacht haben“.

Studentin war Praktikantin im Wohnheim

Offenbar sah die Studentin, die ein Praktikum in der Einrichtung absolvierte, in dem Angeklagten letztlich „nur einen Freund“, wie der 20-Jährige darlegte. Die Frau habe dann ein sexuelles Verhältnis mit einem Bekannten des Zeugen angefangen, den er ihr auf einer Zugfahrt vorgestellt habe.

Der Mann (32) wiederum erklärte im Zeugenstand, dass er zu der Zeit von seiner Frau und seinen Kindern getrennt gelebt habe. Eine feste Beziehung hätten weder die Studentin noch er selbst im Sinn gehabt. Von dem Verhältnis der 22-Jährigen zum Angeklagten habe er erst nach ihrem Tod erfahren. „Ich wusste nichts von ihm. So wie er wohl nichts von mir.“ Sie habe lediglich einmal erzählt, dass ein Bewohner der Unterkunft „handgreiflich“ geworden sei. Er habe ihr geraten, die Polizei einzuschalten. Was sie aber wohl nicht getan habe.

Studentin der Sozialen Arbeit in Enschede

Die junge Frau war Studentin der Sozialen Arbeit in Enschede und lebte mit ihrer Familie seit sieben Jahren in Ahaus. Am Tag des Verbrechens arbeitete sie morgens für ihr Praktikum und am frühen Abend erstmalig in einem neuen Nebenjob in einer Pizzeria, wo sie Anrufe für Bestellungen entgegennahm.

Angeklagter flüchtete in die Schweiz

Eine Mitarbeiterin des Flüchtlingswohnheims hatte der Polizei nach der Tat den Hinweis gegeben, dass sich Blutspuren in dem Haus befänden, vor allem vor der Tür des Nigerianers, erklärte der Leiter der Mordkommission in dem Fall am Dienstag bei Gericht. Der Angeklagte hatte sich bereits in Richtung Schweiz abgesetzt. „Er hat auf dem Vorplatz des Baseler Hauptbahnhofes Polizisten angesprochen, weil er einen neuen Asylantrag stellen wollte“, sagte der Kriminalist. Dabei nannte er seine richtige Identität und wurde er wegen eines bereits existierenden internationalen Haftbefehls für den Schengen-Raum festgenommen.

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