Do., 11.01.2018

1500 Ausnahmen Kompost statt Biotonne

Der Komposthaufen ist für einige Grundstückseigentümer eine Alternative zur Biotonne. Dafür müssen sie keine Bioabfall-Gebühren bezahlen. Das gefällt nicht allen.

Der Komposthaufen ist für einige Grundstückseigentümer eine Alternative zur Biotonne. Dafür müssen sie keine Bioabfall-Gebühren bezahlen. Das gefällt nicht allen. Foto: dpa

Ahaus - 

Über 10.000 Biotonnen werden in Ahaus zur Müllabfuhr an die Straße gestellt. Doch längst nicht alle Haushalte müssen sich das Abfallgefäß zulegen.

Von Christian Bödding

Bananenschalen, vergammelte Mandarinen, Essensreste – ab in den Hausmüll damit, genauer gesagt in die Biotonne. In insgesamt 10 120 dieser Gefäße entsorgten die Ahauser Haushalte im vergangenen Jahr ihren Biomüll. Für das laufende Jahr kalkuliert die Verwaltung mit einer Gesamtmenge an Bioabfall von 31,1 Millionen Litern. Mit dieser Menge ließen sich zehn olympische Schwimmbecken füllen.

Doch längst nicht alle Haushalte müssen eine Biotonne nutzen und dafür Gebühren zahlen. Wer die Möglichkeit hat, seine Küchen- oder Gartenabfälle selbst zu entsorgen, kann sich von der Biotonnenpflicht auf Antrag befreien lassen. Dafür muss der Grundstückseigentümer allerdings einige Voraussetzungen erfüllen.

Anna Reehuis, Pressesprecherin der Stadt Ahaus, fasste die dazu vorhandenen, sperrigen Gesetzestexte aus dem Kreislaufwirtschaftsgesetz und dem Landesabfallgesetz NRW mit einfachen Worten zusammen: „Der Grundstückseigentümer muss mindestens einen Biokomposter vorhalten, den Biomüll ordnungsgemäß dort behandeln und den Kompost später auf seinem Grundstück einbringen, zum Beispiel im Garten.“ Dabei dürfe es bei der Kompostierung nicht zu Geruchsbelästigungen für die Nachbarn oder Beeinträchtigungen des Allgemeinwohls durch Ratten kommen.

Aktuell sind in Ahaus rund 1500 Haushalte (von insgesamt über 14 000) vom Anschluss an die Biomüllabfuhr befreit. Der Großteil davon befindet sich im Außenbereich. Doch auch innerstädtisch gibt es – bei entsprechender Grundstücksgröße mitsamt Garten – Befreiungen. Dabei werden die Angaben der Hauseigentümer stichprobenartig überprüft, erklärte Anna Reehuis.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Ratsfrau Petra Kreuziger (CDU) bezweifelte in der jüngsten Ratssitzung, dass diejenigen, die sich die Biomüllgebühren sparen, tatsächlich alles an Biomüll auf den Komposter werfen. „Manches landet auch woanders.“ In der freien Natur zum Beispiel. Die Christdemokratin fragte, ob nicht auch Haushalte, die ihren Bioabfall kompostieren, zur Zahlung der Gebühren herangezogen werden könnten. Eine Debatte darüber kam in der Sitzung nicht zustande.

Vom Bund der Steuerzahler NRW wies Gebührenreferent Harald Schledorn ebenfalls auf die bestehenden – und eindeutigen – Gesetze hin. „Wer ordnungsgemäß selbst kompostiert, ist von den Gebühren der Biotonne zu befreien.“ Der Gesetzgeber habe diese Ausnahme gewollt. Schledorn betont: „Bioabfall ist kein Abfall zur Beseitigung, sondern zur Verwertung.“ Dabei sei es Sache des Grundstückseigentümers, was er mit dem Kompost mache. Eine Ungleichbehandlung etwa zwischen Mietern in einem Hochhaus und Besitzern eines freistehenden Einfamilienhauses samt Garten sieht der Steuerzahlerbund nicht.

„Hausbesitzer sind natürlich im Vorteil und zahlen keine Gebühren, aber eine Eigenkompostierung ist auch mit viel Arbeit verbunden, zudem müssen Vorgaben eingehalten werden. Das sind Dinge, mit denen sich ein Mieter nicht befassen muss“, so Schledorn. Der Steuerzahlerbund rät allen Mietern, ihre Mietverträge mit Blick auf die Müllgebühren zu prüfen. „Das sind Nebenkosten, die vom Vermieter auf den Mieter abgewälzt werden – es muss aber vertraglich vereinbart worden sein.“

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