Einbürgerung
Von Nervosität keine Spur

Ahaus -

Nach gerade einmal 15 Minuten packt Gnatiuk Luidmyla ihren Stift ein, legt den Test aufs Pult und verlässt mit einem Lächeln den Raum. Ihr Mann Mansurjon Holmatov folgt ihr nur wenige Augenblicke später. Bis zu einer Stunde hätten beide Zeit gehabt für die 33 Fragen des Einbürgerungstests. Doch das Ehepaar aus Vreden ist sich schon nach einer Viertelstunde sicher, die meisten Fragen richtig beantwortet zu haben. „Ich tippe auf 32 richtige Antworten“, sagt der Mann aus Usbekistan und grinst.

Freitag, 09.02.2018, 15:02 Uhr

Der Einbürgerungstest ist 2008 eingeführt worden, seitdem müssen ihn Menschen bestehen, die deutscher Staatsbürger werden wollen. Im Internet gibt es zahlreiche Testfragebögen, mit denen sie für den Test üben können.
Der Einbürgerungstest ist 2008 eingeführt worden, seitdem müssen ihn Menschen bestehen, die deutscher Staatsbürger werden wollen. Im Internet gibt es zahlreiche Testfragebögen, mit denen sie für den Test üben können. Foto: dpa

Mansurjon Holmatov und Gnatiuk Liudmyla haben sich bei ihrem Studium in Bayern kennengelernt, mittlerweile wohnen beide in Vreden und haben einen Job in der Gegend. Vor Kurzem haben sie geheiratet, nun wollen sie gemeinsam die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen. Gnatiuk Liudmyla ist in der Ukraine geboren, Mansurjon Holmatov in Usbekistan. Die erforderlichen Deutschkenntnisse auf dem B1-Niveau können sie mit ihrem Studium in Deutschland längst nachweisen, bis auf einen Akzent sprechen beide die Sprache fließend.

Ansonsten wäre ihnen wohl auch der Test schwerer gefallen. „Man muss die Fragen verstehen“, sagt Gnatiuk Liudmyla. Der Rest sei dann eigentlich kein Problem mehr. Ihr Mann ging an den Test noch lockerer heran. „Jeden Tag Nachrichten im Radio hören, reicht“, meint Mansurjon Holmatov ganz entspannt. Von seiner Frau hat er sich dann aber doch überzeugen lassen, den Test online zuvor noch einige Male durchzugehen.

Denn im Internet oder als Anwendung auf dem Smartphone können Nutzer den Multiple-Choice-Text mit all seinen 310 möglichen Fragen so oft üben, wie sie wollen, bevor ihnen dann am Testtag eine Auswahl präsentiert wird – ähnlich wie bei einer Führerscheinprüfung. „Nach dem Üben ist der Test dann eigentlich kein Thema mehr“, sagt die 26-jährige Gnatiuk Liudmyla.

Dem stimmt auch Adelheid Boer vom VHS-Fachbereich für Integrationskurse und Einbürgerungsteste zu. „Ich habe die Aufregung um den Test damals nie ganz verstanden“, sagt sie. Im September 2008 ist der Test eingeführt worden, Ziel war es, damit Kenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung und der Lebensverhältnisse in Deutschland abzufragen. Das schlug zu der Zeit durchaus hohe Wellen. Die einen hielten ihn für unnötig, andere für zu kompliziert, wieder andere forderten persönliche Gespräche statt eines Ankreuz-Tests. „Eine Gesinnung lässt sich nicht abfragen“, meint dazu auch Adelheid Boer. Da seien etwa die Orientierungskurse als Teil der Integrationskurse für Flüchtlinge spannender, findet sie: „Da werden Themen wie Homosexualität auch detailliert besprochen und bearbeitet.“ Vorbereitungsseminare für den Test gibt es bei der VHS in Ahaus nicht, die Nachfrage war schlicht nicht da, wie Boer sagt.

Die Gründe, warum sich Menschen einbürgern lassen, sind ganz unterschiedlich, wie Boer sagt, ebenso die Herkunft von ihnen. Genaue Zahlen kennt sie nicht. Doch eines ist der VHS-Mitarbeiterin vergangenes Jahr aufgefallen: „Es gab besonders viele Engländer unter den Testteilnehmern“, sagt sie. Vermutlich die Folgen der Brexit-Abstimmung.

Nach und nach verlassen an diesem Abend die anderen Teilnehmer den Raum. Nervös wirkt keiner, weder vor noch nach dem Test. „Ich habe hier studiert, ich arbeite hier, ich habe meine Kinder hier, ich zahle hier Steuern“, sagt ein Mann, der gebürtig aus Gabun stammt und sein Namen nicht nennen möchte. Da sei es für ihn schlicht der nächste Schritt gewesen, sich nun auch um die deutsche Staatsbürgerschaft zu bemühen. Und er zweifelt nicht daran, dass er dafür auch den Test bestehen wird.

Nach einer halben Stunde verlässt der letzte der fünf Teilnehmer den Raum, mit den Unterlagen in der Hand schließt VHS-Mitarbeiterin Ruth Elpers die Tür hinter sich. Nicht immer geht es so schnell wie an diesem Mittwoch, doch die Resultate sind fast immer ähnlich. „Die Ergebnisse gehen zwar nicht an uns, sondern direkt an die Teilnehmer. Aber die Erfolgsquoten sind sehr gut“, weiß Adelheid Boer. Das wird wohl auch an diesem Abend nicht anders sein.

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