Gescher

Di., 24.01.2012

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"Haben uns nie allein gefühlt"

Mit großen blauen Augen blickt Helena Lüdiger nach überstandener Herz-OP in die Welt. Ihre Eltern Julia und Reinhold Lüdiger und Schwester Maja freuen sich, dass es der Kleinen heute gut geht. Foto: Jürgen Schroer
Von Von Jürgen Schroer

Gescher. Zufrieden liegt Helena im Arm von Mutter Julia, nuckelt am Fläschchen und blickt mit blauen Kulleraugen neugierig in die Welt. Helena ist sieben Monate alt und nicht ganz so groß und kräftig wie gleichaltrige Kinder. Das hat seinen Grund: "Unsere Tochter hat einen Herzfehler und ist im Dezember in Oeynhausen acht Stunden lang operiert worden. Es ging um Leben und Tod", berichtet Vater Reinhold (47). Schwere Wochen zwischen Hoffen und Bangen um das kleine Leben liegen hinter den Eltern und ihren weiteren Kindern Hannah (11), Marvin (9) und Maja (6). Mit dem heutigen Zustand von Helena sind die Ärzte zufrieden. "Sie ist gut drauf", sagt Julia Lüdiger, weiß aber, dass ihrer Tochter noch zwei weitere Herz-Operationen bevorstehen. Froh sind die Eltern über die Unterstützung, die sie von Ärzten und Kliniken, aber auch von ihrem Umfeld bekommen haben: "Wir haben uns nie allein gefühlt."

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Schon Tochter Maja war mit einem Herzfehler zur Welt gekommen und wurde als Baby erfolgreich operiert. "Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Herzfehler in einer Familie nochmals auftritt, ist extrem gering", weiß Reinhold Lüdiger. Und dennoch: Als seine Frau schwanger wurde und in der 18. Woche zur Ultraschalluntersuchung ging, lautete der niederschmetternde Befund: "Herzfehler, das Kind ist nicht lebensfähig." "Das zieht einem den Boden unter den Füßen weg", berichten die Eltern. Abtreibung kam für sie nicht in Frage - und bei den Folgeuntersuchungen besserten sich die Werte deutlich. Am 15. Juni 2011 kam Helena planmäßig per Kaiserschnitt zur Welt - 2870 Gramm schwer, mit Herzfehler, ansonsten gesund. Nach zwei Wochen konnten Lüdigers ihr Baby mit nach Hause nehmen.

Die erste von drei Herz-OPs war für Oktober geplant, musste aber aufgrund eines Infekts mehrfach verschoben werden. Dramatisch wurde es am 12. Dezember abends. Julia Lüdiger hatte Helena auf dem Arm, als das Kind nach einem Hustenanfall aufhörte zu atmen und blau anlief. Notarzt rufen, reanimieren, Minuten voller Panik, der Transport nach Coesfeld und der nächtliche Weitertransport mit dem Hubschrauber zum Herzzentrum in Bad Oeynhausen - an diese Nacht haben die Eltern nur noch albtraumhafte Erinnerungen. Helena musste noch zwei Mal reanimiert werden und wurde dann in ein künstliches Koma gelegt. Bange Tage des Wartens begannen, bis das Kind am 20. Dezember operiert werden konnte - nach acht Stunden kam der erlösende Anruf aus dem Klinikum: Alles war gut verlaufen. "In diesem Moment war man innerlich einfach leer, die Freude kam später", sagt Vater Reinhold.

In der Folgezeit waren die Eltern und über Weihnachten auch die Kinder im Ronald Mc.Donald Haus untergebracht, ganz nah bei Tochter und Geschwisterchen. Helena überstand die OP-Folgen, wurde Anfang Januar zur Nachsorge nach Coesfeld verlegt und ist seit letzter Woche zu Hause.

Dankbar sind Reinhold und Julia Lüdiger für die große Unterstützung und Anteilnahme, die sie von allen Seiten erfahren haben. Ärzte, Schwestern und Personal in Bad Oeynhausen und in den Christophorus-Kliniken Coesfeld - hier besonders Dr. Ulrich Kleideiter - hätten ihr Bestes gegeben und sich viel Zeit genommen, um alles zu erklären. "Auch die Anteilnahme hier in Gescher ist riesengroß", freuen sich die Eltern. Von allen Seiten kämen Nachfragen und Hilfeangebote.

Noch zucken Lüdigers bei jedem Husten oder ungewohnten Atemgeräusch ihrer Tochter zusammen. Doch Helena geht es gut, hat zugenommen und kann sich nun entwickeln. Risiken bleiben: Helena darf sich keinen Infekt holen, muss in vier bis fünf Monaten und in einigen Jahren zwei weitere Male am Herzen operiert werden. Geht alles gut, wird Helena ein ganz normales Leben führen können.

0 Für Eltern in vergleichbaren Situationen stehen Reinhold und Julia Lüdiger gerne als Ansprechpartner zur Verfügung, Tel. 2099519.


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