Fr., 03.04.2015

Ostermarsch-Auftakt in Gronau: Demonstranten warnen vor Verkauf der Urenco „Die Technik rückt keiner mehr raus“

Gronau - 

Umweltschützer, Friedensaktivisten und Atomgegner haben zum Auftakt der Ostermärsche in Nordrhein-Westfalen in Gronau ein Ende der Uran-Anreicherung gefordert. Vor dem Haupttor der Anlage des Betreibers Urenco forderten über 300 Teilnehmer am Freitag um „drei vor zwölf“ die sofortige Stilllegung der Gronauer Uranfabrik. Dabei warnten sie zugleich vor einer unkontrollierten Weiterverbreitung der Atomwaffentechnologie.

Von Martin Borck

Die schwierigen und langwierigen Verhandlungen im Atomstreit mit dem Iran – sie wären ohne die Urenco möglicherweise gar nicht notwendig gewesen. Schließlich – daran erinnerte am Karfreitag Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen – sei die Technologie erst durch den pakistanischen Wissenschaftler Abdalkadir Khan in die Hände des Iran gelangt. Khan hatte in den 70er-Jahren Blaupausen für die Zentrifugentechnik in der Anlage in Almelo gestohlen und das Wissen an andere Länder weiterverkauft.

Die aktuelle Auseinandersetzung um die Urananreicherung im Iran nahm denn auch breiten Raum ein beim Auftakt der Ostermärsche vor dem Tor der Urananreicherungsanlage in Gronau. Der damalige Diebstahl, so Eickhoff, werde durch das Verhandlungsergebnis von Lausanne sanktioniert. „Eines wird dadurch klar: Wer die Anreicherungstechnik einmal hat, der rückt sie nicht wieder raus.“

Fassungslos mache ihn, dass das Auswärtige Amt bei den Verhandlungen mit dem Iran Experten der Urenco konsultierte. „Da wird der Bock zum Gärtner gemacht“, sagte Eickhoff. „Welche Experten werden wohl die Bundesregierung bei den Verkaufsgesprächen der Urenco beraten?“

Sprecherinnen und Sprecher mehrerer Organisationen warnten vor dem geplanten Verkauf der Urenco. Dadurch werde die unkontrollierte Weiterverbreitung der Atomwaffentechnologie in Kauf genommen.

Kerstin Ciesla (BUND) zitierte aus dem Koalitionsvertrag der rot-grünen Landesregierung. „Da heißt es: ,Wir werden darauf drängen, dass die Bundesregierung den ... Bundesratsbeschluss ... zur Stilllegung aller Anlagen des Kernbrennstoffkreislaufs umsetzt. Wir wollen die Urananreicherung in Gronau rechtssicher beenden.‘ Stattdessen redet man nun von Börsengang und Verkauf.“ Die Forderung könne daher nur lauten: „Stilllegung sofort!“ Was viele der Anwesenden sofort in Sprechchören aufgriffen.

Olga Podosenova aus Jekaterinburg prangerte an, dass der als Wertstoff deklarierte Abfall aus der Urananreicherung nach Russland transportiert wurde, wo er in der Nähe von Wohngebäuden unter freiem Himmel gelagert werde. „Die Herren hier machen den Profit – wir erhalten die Gesundheitsrisiken“, sagt die Russin. Dennoch zeigte sie sich angesichts der großen Solidarität der Atomkraftgegner zuversichtlich: „Wir sind viele. Wir werden gewinnen.“

Gertrud Roth vom Dekanatsverband der kfd warnte vor den unkalkulierbaren Risiken der Atomenergie – die sich in Tschernobyl und Fukushima deutlich manifestiert hätten.

Robert Brandt als stellvertretender DGB-Kreissprecher sprach das Dilemma an, in dem er sich als Gewerkschafter befindet. Einerseits lehne er die Atomtechnik ab, andererseits verstehe er die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Urenco, die um ihre Arbeitsplätze bangten. „Diesen Arbeitnehmern müssen wir Perspektiven und alternative Produktionsmöglichkeiten bieten“, sagte er.

Der Demonstrationszug mit gut 300 Teilnehmern verlief vom Tor der Anlage bis zur Marienkapelle an der Kaiserstiege.

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