Fr., 17.04.2015

Fairtrade Die Stadt soll nachlegen

Die Mitglieder der Steuerungsgruppe übergeben den Antrag an Bürgermeisterin Sonja Jürgens.

Die Mitglieder der Steuerungsgruppe übergeben den Antrag an Bürgermeisterin Sonja Jürgens. Foto: Martin Borck

Gronau - 

Sich auf Lorbeeren auszuruhen ist zwar verlockend, beinhaltet aber auch die Gefahr des Stillstands. Und den kann sich eine Gesellschaft, die nach einer gerechteren Welt strebt, wahrlich nicht leisten. Für Gronau bedeutet das: Das Siegel als „Fairtrade-Stadt“, das die Kommune vor einem Jahr erhalten hat, kann und darf nur ein erster Schritt sein.

Die „Steuerungsgruppe Fairtrade-Stadt" möchte den eingeschlagenen Weg weitergehen: Bei der Beschaffung- und der Vergabepraxis der Stadt und der städtischen Gesellschaften soll künftig ein Fairness-Check durchgeführt werden. Dabei sollen neben ökonomischen auch soziale und ökologische Aspekte berücksichtigt werden, heißt es in einem Antrag der Steuerungsgruppe an den Rat.

Produkte wie Textilien (zum Beispiel Arbeitskleidung), Sportartikel wie Fußbälle, aber auch Natursteine, Tee oder Schnittblumen (Rosen) sollen dabei besonders geprüft werden. Ein Aufwand, entsprechende Prüfverfahren zu erarbeiten, ist damit nicht verbunden: „Die Stadt kann auf Erfahrungen anderer Kommunen zurückgreifen“, erklärte Erhardt Bürse-Hanning, der den Antrag jetzt gemeinsam mit Annett Bretall und Birgit Hüsing-Hackfort an die Bürgermeisterin übergab.

Mit dem Siegel „Fairtrade-Stadt“ setzte Gronau ein Zeichen gegen die ausbeuterischen Produktions- und Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern und unterstützt die Verbesserung der Lebensbedingungen von Produzentenfamilien in Entwicklungsländern.

Mit dem Thema Fairtrade befassen sich mittlerweile viele Bürgerinnen und Bürger. Schulen, Kindergärten, kirchliche Gruppen, Vereine engagieren sich auf vielfältige Weise. „Das macht Mut und Hoffnung, in dem Bemühen nicht nachzulassen, sich für eine gerechtere Welt, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, gerechte Löhne sowie Bildungschancen und eine gute Zukunft für Kinder weltweit einzusetzen“, heißt es in dem Antrag.

Studien zeigen, welche enorme Wirkung die öffentliche Hand auf Unternehmerverhalten haben könnte, würden konsequent soziale und ökologische Kriterien angewandt. Die Stadt Gronau kann dadurch auch private Unternehmen, kirchliche und öffentliche Einrichtungen zu einer fairen Beschaffung motivieren.

„Es gibt noch viel zu tun und wir sind noch lange nicht am Ziel“, sind die Mitglieder der Steuerungsgruppe überzeugt. Und nennen dafür auch Beispiele: Von den unter Fairtrade-Bedingungen erzeugten Produkten gehen 13 Prozent Baumwolle, 46 Prozent Kakao und 46 Prozent Zucker in den Fairen Handel. Der Rest geht (zu schlechteren Konditionen für die Kleinbauern) in den konventionellen Handel, da es nicht genug Abnehmer für die fair gehandelten Produkte gibt. Nur 0,2 Prozent der gesamten Kakao-Produktion und zwei Prozent des Kaffees werden unter fairen Bedingungen vermarktet. Die Steuerungsgruppe will daher erreichen, dass in Gronau mehr fair gehandelte Produkte umgesetzt werden. „Die Stadt sollte mit gutem Beispiel vorangehen.“

Die Steuerungsgruppe schließt sich mit dem Antrag der Kampagne „Kommunen in der Pflicht – für einen verantwortlichen Einkauf“ der Christlichen Initiative „Romero“ in Kooperation mit „Terre des Hommes“ an.

Das Thema ist im Übrigen nicht neu: Schon 2007 war ein Antrag angenommen worden. Darin ging es darum, dass die Stadt darauf achtet, nur Produkte einzukaufen, die nach international gültigen Sozialstandards hergestellt werden.

Bürgermeisterin Sonja Jürgens nahm den Antrag von den Mitgliedern der Steuerungsgruppe entgegen.

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