Fr., 29.05.2015

Hype im Internet, aber den Behörden und Tierärzten sind keine Fälle bekannt Giftköder und Hundehasser?

In Metelen wurden Warnhinweise angebracht, nachdem zwei Vergiftungsfälle von Vierbeinern im Gemeindegebiet gemeldet worden waren. In Gronau und Epe sind allerdings keine derartigen Vorfälle bekannt.

In Metelen wurden Warnhinweise angebracht, nachdem zwei Vergiftungsfälle von Vierbeinern im Gemeindegebiet gemeldet worden waren. In Gronau und Epe sind allerdings keine derartigen Vorfälle bekannt. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Gronau/Epe - 

„Passt auf eure Hunde auf! Es wurden schon wieder Giftköder entdeckt!“ Fast täglich sind derartige Meldungen in den sozialen Medien zu finden. Die Warnungen pflanzen sich mittlerweile auch in der realen Welt fort und erzeugen Unruhe bei Hundehaltern. Doch was ist wirklich dran an den Meldungen? Wird tatsächlich mit Gift präpariertes Fleisch ausgelegt mit dem Ziel, Hunde zu schädigen oder gar zu töten?

Von Martin Borck

Nachfrage bei der Kreispolizei in Borken: „Ich wüsste nicht, dass das Problem in Gronau aktuell aufgetreten ist“, sagt Pressesprecher Markus Hüls. Er verspricht, sich bei den Kollegen vor Ort kundig zu machen. Das Ergebnis seiner Recherche: Der Polizei ist aus der jüngeren Vergangenheit ein einziger Fall bekannt, bei dem der Verdacht geäußert wurde, dass ein Giftköder für den Tod eines Hunds verantwortlich ist. Eine Frau, deren Hund am 20. April verendet war, hatte Anzeige erstattet. Laut Tierarzt sei er an einer Vergiftung gestorben. Die Besitzerin vermutet, dass das Tier am 19. April einen vergifteten Köder im Rüenberger Wald gefressen hat. Wohlgemerkt: Es handelt sich um eine Vermutung.

Nächste Fragerunde: bei den Tierärzten in Gronau und Epe. „Der letzte mir bekannte Fall liegt 15 Jahre zurück“, sagt Rob van de Louw. „Es ist wohl vorgekommen, dass Hunde Gift gefressen haben – das waren dann aber keine Giftköder, sondern zum Beispiel Rattengift, das die Hundehalter selbst in Besitz hatten.“ Auch seinem Kollegen Dr. Heinrich Koddebusch aus Epe ist noch kein Fall untergekommen, bei dem eine Vergiftung durch einen Giftköder bestätigt wurde.

Vor über fünf Jahren berichteten die WN über einen Fall: Damals war der Hund einer Familie aus Gronau einer Vergiftung zum Opfer gefallen. Das Tier hatte in der Ochtruper Bauerschaft Wester etwas gefressen. Eine Obduktion des Vierbeiners bestätigte damals den Verdacht: Der Berner-Sennen-Rüde hatte eine hohe Dosis des Insektizids Temik in sich, das seit 2007 in der EU verboten ist. Wer das Gift ausgelegt hatte? Das wurde nicht geklärt.

Sind Hundehasser am Werk, wie die Meldungen in den sozialen Medien suggerieren? Besteht tatsächlich Gefahr, möglicherweise auch für Kleinkinder, die ausgelegte Köder finden? Angeblich wurde noch am Donnerstag Brotteig zwar ohne Gift, aber mit einer Rasierklinge gefunden.

Doch es stellen sich Fragen: Warum hat keiner der Finder die Behörden benachrichtigt? Leiden Tiere, die angeblich an Gift erkrankt sind, vielleicht an ganz anderen Krankheiten?

Falls tatsächlich Gift ausgelegt wurde – ist es gegen Hunde gerichtet, oder dient es vielleicht der Schädlingsbekämpfung? Was schlimm genug wäre, denn das Auslegen von Gift ist ja wohl kaum erlaubt, oder? „Keinesfalls“, bestätigt der Pressesprecher des Kreises Borken, Karl-Heinz Gördes. Die einzigen, die Gift gegen Ungeziefer – zum Beispiel Ratten – einsetzen dürfen, seien Experten von Fachfirmen. Und denen ist es auch nur unter strengen Auflagen genehmigt.

Im Übrigen, sagt Gördes, seien weder dem Veterinäramt noch der Unteren Jagdbehörde im Kreis Borken Fälle bekannt, in denen Hunde durch Giftköder zu Schaden gekommen seien.

Im Nachbarkreis Steinfurt dagegen hat es in den vergangenen Monaten ganz vereinzelt Fälle gegeben, bei denen Hunde eingegangen sind, nachdem sie offensichtlich Gift gefressen hatten. Doch auch hier ist keinesfalls gesichert, dass vorsätzlich Köder ausgelegt wurden. Besorgten Hundehaltern wurde geraten, ihre Tiere an die Leine zu nehmen oder ihnen einen Maulkorb anzulegen.

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