Mi., 23.04.2008

Gronau Alles für die Katz

-cn/al- Gronau . Eigentlich sollte Rudi heute morgen einer größeren Operation unterzogen werden. Doch der Hoden , der sich im Bauchraum versteckt hatte, fand schließlich doch von allein den Weg seiner Bestimmung. „Wir werden ihn jetzt einfach nur kastrieren“, erklärt Maren van de Louw. Während die Tierärztin den 10 Monate alten Kater untersucht, ahnt der nichts von seiner lebenslangen Kinderlosigkeit. Rudi ist bereits betäubt.

Kater Rudi ist eine von etwa 30 Katzen, die derzeit im Katzenhaus des Gronauer Tierschutzvereins leben. Ohne diese Einrichtung wäre er womöglich schon tot. Ganz sicher wäre er nicht so gesund und munter, wie er sich vor der Betäubungsspritze präsentiert hat. Rudi wurde von den Tierschützern aufgezogen, ärztlich versorgt und geimpft.

Ginge es nach van de Louw und ihrem Ehemann Rob, mit dem sie gemeinsam die Tierarztpraxis betreibt, würden alle Fundkatzen in Gronau dem Tierschutzverein übergeben. „Mich wundert, dass die Stadt eine Zusammenarbeit mit einem Tierheim in Ochtrup anstrebt, wenn es vor Ort so ein Angebot gibt“, kommentiert sie die aktuelle Diskussion um den Umgang mit Fundtieren in der Dinkelstadt. Das Veterinärs-Ehepaar sieht sich da auf einer Linie mit den Kollegen Koddebusch, die in einem Leserbrief mehr Unterstützung für die Arbeit des Tierschutzvereins seitens der Stadt gefordert hatten (s. WN vom 17. April).

Jutta Ramnitz , Vorstandssprecherin vom Tierschutzverein, erklärt dazu auf Anfrage der WN: „Wir haben ja immer schon Tiere aufgenommen. Wir kriegen es nur nicht bezahlt. Das ist unser Problem.“ Der Verein sei grundsätzlich bereit zu einer Zusammenarbeit mit der Stadt, wenn auch aktuell das Katzenhaus mit etwa 30 Katzen fast voll belegt ist. Schon jetzt nehmen Helfer aus etwa zehn Familien immer wieder Tiere privat auf, um sie bei Bedarf zeitweise intensiver betreuen zu können. Der Verein spekuliert daher auf neue Räumlichkeiten. In einem offenen Brief an den Rat hat Ramnitz am 17. April „Einbindung in alle weiteren Überlegungen“ gefordert. „Wir haben Erfahrungen und den Zugang zum nötigen Wissen für die Installierung eines neuen Tierheims, um die Fundtierproblematik ein für alle Mal zu beenden“, heißt es dort. 2007 habe der Verein allein 110 Katzen verorgt, behandeln lassen und teils „in ein liebevolles neues Zuhause vermitteln können“. Allein die Tierarztkosten beziffert der Verein auf mehr als 15 000 Euro. Bisher werde die gesamte Vereinsarbeit ausschließlich über Spenden finanziert. „Für uns ist es grundsätzlich egal, wo die Tiere herkommen – sie müssen gesund sein“, erklärt Rob van de Louw. Und wo die Veterinäre das gegeben sehen, steht laut seiner Frau eindeutig fest: „Erstmal sind Hunde sicher in Ahaus-Wüllen gut aufgehoben, und die Katzen in Gronau beim Tierschutzverein.“ Generell aber sympathisiere sie mit dem Vorschlag von Erich Schwartze, eine eigene Tierauffangstation einzurichten – unter Einbeziehung des Tierschutzvereins. „Wir arbeiten seit Jahren eng zusammen. Die kommen immer sofort, wenn mit einem Tier etwas nicht stimmt – koste es, was es wolle.“

Das Tierheim Wülker hat derweil noch nicht darüber entschieden, ob es eine Verlängerung seiner Betriebserlaubnis beantragen wird. Das ergab gestern eine Anfrage beim Betreiber Erich Wülker. Sie wird möglicherweise erst in der kommenden Woche fallen. Wülker reagierte auch auf erneute Vorwürfe des Tierschutzvereins Gronau und Umgebung, nach denen das Tierheim die Qualitätsstandards der Tierschützer, aber auch die Anforderungen des Deutschen Tierschutzbundes nicht erülle. „Da ist nichts dran“, sagte Wülker. Es handele sich um eine Neidäußerung, erklärte er.

Leserkommentare

Google-Anzeigen
Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/532724?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F696973%2F696982%2F