Do., 26.02.2009

Gronau Tod und Sterben in der Rockmusik

Von Martin Borck

Gronau - Vor 50 Jahren kam Rockmusiker Buddy Holly bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Ein Schock für viele Fans, doch zu einer musikalischen Aufarbeitung dieses Unglücks kam es erst Jahre später. Don McLean besang 1972 in „Bye, bye Miss American Pie“ den Tag, als für viele die Musik starb. Tod und Sterben wurden in der Rock- und Popmusik erst ab Mitte der 60er-Jahre thematisiert. Dann aber in immer mehr Facetten, teils bis ins Abstruse hinein. Das rocknpopmuseum zeigt ab Sonntag in einer neuen Sonderausstellung markante Stationen dieses Teils der Musikgeschichte.

Dr. Josef Spiegel , Leiter des Künstlerdorfs Schöppingen , hatte die Idee zu dem Projekt. Aus seinem riesigen Fundus an Platten und CDs stammen die meisten Exponate, Plattencover, Tafeln mit (übersetzten) Songtexten. Zudem gibt es Dutzende Songs über Audioguide sowie Videoclips. „Wenn Musik das flüchtigste Medium ist und der Tod der größte Gleichmacher, liegt die Verbindung von Tod, Sterben und Musik auf der Hand“, sagte der Mitherausgeber des Ausstellungskataloges, Dr. Roland Seim. Dennoch: „In der Rockmusik war das Thema Tod und Sterben bis Mitte der 60er-Jahre tabu“, sagte Spiegel am Donnerstag während einer Pressekonferenz. Das änderte sich mit der Aufbruchsstimmung unter den Jugendlichen, mit neuen Lebensweisen. Eine gewisse neue Körperlichkeit, ein neues Bewusstsein der Vergänglichkeit, aber auch der Vietnam-Krieg, der Tausende das Leben kostete, brachten den kulturellen Umbruch, der sich in der populären Musik widerspiegelte. „Dazu kamen die Abgrenzungstendenzen der Jugend gegenüber der Erwachsenenwelt“, sagt Spiegel. „Titel wie ,My Generation von The Who oder ,Paint it Black von den Rolling Stones lassen diese Tendenzen schon erkennen.“

In psychedelischer Musik, nicht zuletzt in Stücken, die unter Drogeneinfluss entstanden, wurde das Thema vertieft. „Gefühle, Ängste und Sehnsüchte wurden über die Musik transportiert“, so Spiegel. Die Wahrnehmung änderte sich mit dem Tod von Musikern wie Jim Morrison, Brian Jones, Janis Joplin und Jimi Hendrix. Mit der Zeit bildeten sich viele verschiedene Stränge beim Umgang der Rockmusik mit dem Thema Tod und Sterben. Es zeigte sich, dass auch existenzielle Fragen in der Rockmusik adäquat verarbeitet werden konnten, und das auf oft überraschend tiefgründige Weise. Parallel änderte sich auch die künstlerische Aufmachung von LP-Covern.

Als sich der Punk des Themas Tod annahm, bildeten sich neue Darstellungen heraus: Die teils brutalen (aber realistischen) Bilder von Kriegsereignissen bargen Schockpotenzial. „Überhaupt wurden immer wieder Grenzen ausgelotet“, so Spiegel. Wie später beim Gothic Rock, in dem Gräber, Kirchen und Friedhöfe eine Rolle spielen. Oder beim Death-Metalrock, wo oft bizarre Horroreffekte im Vordergrund stehen. Diese Art von Provokation stellt eine ganz andere Seite des Umgangs mit Tod und Sterben dar.

Die Ausstellung, die am Sonntag eröffnet wird, gliedert den Themenbereich in einen zeitgeschichtlichen Überblick und in die exkursartige Beleuchtung von wichtigen Schwerpunkten.

Parallel zu diesen Exponaten zeigt das Museum „Dead Rock Heads“ des Künstlers Andreas Ole Ohlendorff. Mit Öl auf Acryl, Kohle und Tusche und anderen Materialien malte er Porträts verstorbener Musiker. Zu den Porträts - von Chet Baker über Falco und Herman Brood bis hin zu Kurt Cobain - sind über Audioguide Songs der jeweilgen Musiker zu hören.

Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem Künstlerdorf Schöppingen konzipiert. Gleichzeitig erscheint ein Katalog, der das Thema vertieft. Darin enthalten sind Aufsätze von Studenten des Soziologischen Instituts der Universiät Münster, die sich im Vorfeld der Ausstellung wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigt haben.

Leserkommentare

Google-Anzeigen
Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/380610?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F696959%2F696971%2F