Gronau

Fr., 03.09.2010

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Knieprothese nach Maß

Zum ersten Mal setzte jetzt ein Ärzteteam unter der Leitung von Dr. Ulrich Rebers einem Patienten eine individuell angefertigte Knieprothese ein.
Von Markus Kampmann

Gronau - Mit den Kniegelenk-Prothesen, die Dr. Ulrich Rebers seinen Patienten bisher „verpasst“ hat, war der Chefarzt der Orthopädischen Chirurgie am St.-Antonius-Hospital zwar auch schon sehr zufrieden. Aber manche passten nicht 100-prozentig exakt - aufgrund der vielfältigen anatomischen Variationen der Patienten. Obwohl es sie schon in unterschiedlichen Größen gab, waren sie doch immer noch standardisiert - quasi „von der Stange“. Das ist am „Antonius“ nun auch anders möglich: Jetzt stattete Rebers Team den ersten Patienten mit einer individuell angepassten Knieprothese aus. Damit gehört das Antonius-Hospital zu einer der wenigen Kliniken in Deutschland, die dieses Verfahren bisher anbieten.

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Für den Chefarzt ein großer Schritt in Richtung Zukunft. „Darauf haben wir lange gewartet“, sagt er. Bereits seit 2007 setzt Rebers beim Hüftgelenk auf individuell angepasste Prothesen - seit er am Antonius-Hospital die 3-D-Hüftplanung eingeführt hat. Die Erfahrungen damit seien sehr positiv: Denn bei Standard-Prothesen sei der Tragekomfort für die Patienten teils eingeschränkt, die Mobilität insgesamt nicht vollkommen wiederhergestellt und die Patienten klagten teils über anhaltende Schmerzen nach der OP. Nur: Das Hüftgelenk sei weniger komplex aufgebaut als das Knie. „Die Hüfte ist als Kugelgelenk deutlich einfacher zu kopieren als das Knie“, erklärt Rebers.

Dass die individuelle Prothetik nun auch beim deutlich komplizierter strukturierten Knie möglich ist, liege einerseits am technischen Fortschritt bei den diagnostischen, bildgebenden Verfahren, andererseits an neuartigen Werkstoffen für die Prothesen. „Bis vor einigen Jahren hatten wir keine klare Vorstellung von der dritten Dimension“, erklärt Rebers. Denn Röntgenbilder liefern nur zweidimensionale Abbildungen. Das habe sich bereits mit der Computertomografie geändert, die für den Patienten allerdings immer noch mit einer Strahlenbelastung einhergeht. Inzwischen nutzt Rebers daher für die dreidimensionale Bildgebung am Kniegelenk die Magnetresonanztomografie (MRT). Damit wird das Kniegelenk des Patienten im Vorfeld der eigentlichen OP genau unter die Lupe genommen.

Im weiteren Verlauf arbeitet das Gronauer Hospital mit Ärzten aus den Vereinigten Staaten zusammen. Via Internet kann das immense Datenpaket mühelos und in wenigen Augenblicken über den „großen Teich“ verschickt werden und wird dort von vier unabhängigen Radiologen ausgewertet. „Sie geben dann das ,No´ oder ,Go´“, erklärt der Chefarzt der Orthopädischen Chirurgie. Denn noch sei es nicht bei allen Patienten möglich, das neue Verfahren anzuwenden.

Beim gestrigen allerdings kam ein „Go“. Anhand der MRT-Daten und entsprechender Computerprogramme konnten die Experten die Operation schon vorab durchspielen, „wie beim Küchenbau in einem Fachgeschäft“, erklärt Rebers. Und die Daten und Befunde dienten auch als Grundlage, um die Anatomie des Patienten exakt zu kopieren. Die individuell angepasste Prothese wurde dann - ebenfalls in den USA - aus Chrom-Kobalt gefertigt. „Sie ist relativ dünn, dafür wäre Titan zu weich“, erklärt Rebers den Vorteil dieses Werkstoffes.

Steril verpackt, traf die Knieprothese im St.-Antonius-Hospital ein, übrigens inklusive der Einbauwerkzeuge. Denn die werden vom Hersteller zur einmaligen Verwendung gleich mitproduziert, beispielsweise eine Kunststoffschablone, damit der Operateur am Knochen exakt arbeiten kann.

Diese Präzision biete für den Patienten mehrere Vorteile, erläutert Ulrich Rebers. Durch die Passgenauigkeit weise die Prothese beispielsweise eine deutlich längere Haltbarkeit - die sogenannte Standzeit - auf. Auch sei die Erholungszeit nach der OP wesentlich kürzer. „Die Patienten laufen in der Regel am Tag nach der OP schon wieder.“

Noch sei das aufwendigere und daher auch deutlich teurere Verfahren übrigens ohne Zuzahlung auch für Kassenpatienten möglich, so der Chefarzt. Denn die Krankenkassenpauschale decke die Kosten - noch. Denn das Verfahren sei relativ neu. Wie die gesetzlichen Krankenkassen sich dazu positionieren werden, bleibt abzuwarten.


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