Ratzfatz Rasen ab
So., 29.01.2012
Improtheater aus Münster begeisterte im Walter-Thiemann-Haus
Glücklich im Spiel – das Ensemble von „RatzFatz“ im Walter-Thiemann-Haus (v. li.): Ulrich Bunk, Christoph Elling, Jan Reckfort, Dorthe Roggemann und Carsten Rust.
Gronau -
Keine PEKiP-Gruppe in der Familienbildungsstätte (FBS) wird je so sein wie zuvor. Zumindest nicht in diesem Halbjahr. Zur gemeinsamen Semester-Eröffnung von FBS und Volkshochschule zeigte das Improvisationstheater „RatzFatz“ seine ganz eigene Version der Gruppenarbeit mit Mutter und Kleinkind: Da wälzte sich Jan Reckfort als drei Monate alte Dörte brabbelnd am Boden, während Mama Jacqueline (Dorthe Roggemann), kaum 18, wieder schwanger ist und mit dem Mutterdasein hadert.
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Dass kein Auge trocken bleibt, wenn ein etwa 1,90 Meter langer, schlaksiger Schauspieler das brabbelnde Baby, einen geifernden Greis oder die Vorfahren von Homo sapiens sapiens mimt, bedarf keiner Erklärung. Und das Geheimnis, wie eine Truppe aus fünf Schauspielern aus spontan auf Zuruf oder aus wahllos auf den Boden gestreuten Sätzen die wunderbarsten Sketche auf die Bühne bringt – wer wollte es lüften?
Der Spaß am Spiel, die Lust an der Verstellung, Überzeichnung und mitunter Entlarvung menschlicher Tiefen und Untiefen war es, die am Donnerstagabend Darsteller und Publikum verband. Erstaunlich kreativ waren die Ideen, mit denen die Gäste im leider nicht voll besetzten Auditorium die „RatzFatz“-Truppe versorgten. Nicht minder kreativ deren mimische und musikalische Umsetzung.
Eine Nacktschneckenfärbemaschine mit Gelächterantrieb etwa wünschte sich ein Zuschauer vom Erfinder (Ulrich Bunk), und „Helga“ lieferte freimütig die Geschichte ihres ersten Kusses als Vorlage für eine augenzwinkernde Liebesszene.
Apropos Liebe: Die viel zitierte Balkonszene aus Romeo und Julia wurde um einige Spielvarianten reicher: Uli Bunk etwa steigerte sich in rasende Eifersucht zu seiner Julia, während gleichzeitig Dorthe Roggemann als Jung-Verliebte ihren Ralf euphorisch anschmachtete und Jan Reckfort als 80-Jähriger Alten-WG-Bewohner seiner jungen Pflegerin Ludmilla nachstieg.
„Das klingt nach einem Lied“, warf mitunter Carsten Rust ein, der die spontan entstehenden Songs an Keyboard, Gitarre und Percussion-Instrumenten begleitete. So entstand etwa eine Musical-Version der abendlichen Pizza-Mahlzeit einer ganz normalen Familie, in der es eben noch um Mord und Totschlag an der Thunfisch-Pizza gegangen war.
Ach die Familie! Eins, zwei, drei tauschte der Gatte (Christoph Elling) seine Maria bei deren Geliebten gegen einen Aufsitzrasenmäher ein. „Da ist der Rasen ratzfatz ab!“, freute sich der vom Neujahrshörnchen-Backen Emanzipierte. Rangeleien um Mett und die Gunst der Metzgersgesellin in einer Schlachterei-Soap endeten bei Edeka. Und auf der Burg Bentheim wurde es soapig mit Burgherr, Ritter Konrad von Osten und Burgfräulein Ludmilla. Dabei gab es hier als Vorgabe aus dem Publikum nur Haarband, Schal, Pillendose und Schuhcreme für die Handtasche, Marke „Erdal Ratzfatz“.
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