Alle trotzen dem Winter

Mi., 08.02.2012

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Stadt sperrt die Eises-Kälte aus

Alle trotzen dem Winter : Stadt sperrt die Eises-Kälte aus

Warm angezogen trotzt er während der Zehn-Stunden-Schicht der Kälte: Thomas Michielewicz sichert als Streckenposten den Bahnübergang Gildehauser Straße, weil dort eine Schranke beschädigt wurde. Foto: Klaus Wiedau

Gronau - 

Im Großraum des Rathauses ist es derzeit an den meisten Stellen „mollig“ warm, im Foyer dafür umso kälter: 14 Grad haben Mitarbeiter der Verwaltung im Eingangsbereich gemessen – und Konsequenzen gezogen


Im Großraum des Rathauses ist es derzeit an den meisten Stellen „mollig“ warm, im Foyer dafür umso kälter: 14 Grad haben Mitarbeiter der Verwaltung im Eingangsbereich gemessen – und Konsequenzen gezogen: „Jeweils eine der beiden Drehtüren, die es auf beiden Seiten des Rathauses gibt, haben wir vorübergehend geschlossen“, sagt Stadt-Pressesprecherin Lena Flucht.

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Von 14 Grad kann der Streckenposten nur träumen, der seit Tagen am Bahnübergang Gildehauser Straße (Strecke nach Münster) Position bezogen hat. Zumindest, wenn er sich im Freien aufhält. „Heute Morgen war es besonders fies“, sagt Thomas Michielewicz: „Da kroch die Kälte richtig an einem hoch.“ Zehn Stunden dauert die Schicht des Mitarbeiters der GSB – Gleisbausicherung und Service GmbH aus Essen, dann kommt die Ablösung. Immer wenn ein Zug ein- oder ausfährt, sichert Michielewicz den Übergang „von Hand“ mit einem Absperrband. Dazwischen wärmt er sich im Auto. Eine der Schranken hat den Dienst eingestellt, nachdem ein Lkw sie touchiert hat. Kein Winterproblem also am Bahnübergang.

Das haben derweil viele Autofahrer: Vor allem Batterien versagen inzwischen reihenweise. „Bei uns gibt es eine kontinuierliche Nachfrage“, sagt Kfz-Meister Manfred Brockhues von der Firma Brockhues & Engelke. Weniger Problemfälle hatte er bisher mit Dieselfahrzeugen. Zwar sei die Gefahr, dass der Diesel bei eisigen Temperaturen ausflocke, gegeben. Aber: „Die deutschen Mineralölkonzerne betonen, dass der Diesel hierzulande bis minus 22 Grad wintertauglich ist“, so Brockhues. Und was ist mit dem Rat aus früheren Jahren, dem Diesel einfach ein paar Liter Benzin zuzumischen? „Auf keinen Fall“, sagt Brockhues. In modernen Motoren arbeiten die Einspritzdüsen mit einem sehr hohen Druck – teilweise bis zu 2000 bar. „Fällt diese Schmierung der Düsen durch den Diesel weg – etwa bei Zusatz von Benzin, werden die Düsen zerstört.“ Die Reparatur kann mehrere Tausend Euro kosten.

Sollte es bei der Feuerwehr zu Frostschäden kommen, würde der Fall sicher ungleich teurer. Denn: Wenn das Wasser in den Tanks der Löschfahrzeuge (2000 Liter, in einem Fahrzeug sogar 5000 Liter) einfriert, besteht die Gefahr, dass die Behälter platzen. Ähnliches gilt für die Pumpen. Stadtbrandinspektor Günter Meyer ist insofern dankbar, dass der Wehr in den letzten Tagen Brandeinsätze erspart blieben. „Im Einsatzfall müssen wir das Wasser dauerhaft fließen lassen, sonst friert es im Tank, in Pumpen und Schläuchen ein.“ Die Gefahr, dass die Wehr Hydranten nicht öffnen kann, sieht Meyer indes nicht: „Gasflaschen mit Brennern gehören zur Standardausrüstung unserer Fahrzeuge. Damit tauen wir im Notfall Hydranten auf.“

Auftauen können die Mitarbeiter des Tierparks die Wasserflächen für ihre Schützlinge nicht – wohl aber Löcher ins Eis schlagen, um den Zugang zu ermöglichen. In Epe wurden die „Pielepatten“ im Park derweil „evakuiert“. Von wegen Südstadt! „Weil der Teich zugefroren ist, wurden die Enten von Mitarbeitern des Bauhofs auf einen offenen Teil der Dinkel umgesiedelt“, so Lena Flucht.

Probleme mit Wasser haben aber nicht nur die Tiere, sondern auch viele Menschen. Geplatzte Wasserzähler und -leitungen in Kellern oder Garagen werden den Stadtwerken seit zwei Tagen häufiger gemeldet, so Sprecher Stefan Busch. Allerdings handle es sich dabei nicht um Leitungen im Netz der Stadtwerke, sondern um Privatleitungen der Bürger. „Unsere Versorgung in den Bereichen Wasser, Strom und Gas steht“, so Busch. Schwierigkeiten seien hier derzeit durch den Wintereinbruch nicht absehbar.

Allerdings räumt Busch mit dem Vorurteil auf, dass sich die Stadtwerke derzeit eine „goldene Nase“ am hohen Gasverbrauch verdienen. „Das ist nicht so.“ Um den Bedarf der Kunden decken zu können, müssen die Stadtwerke – trotz des Rückgriffs auf eigene Speichermöglichkeiten – aktuell täglich am Spotmarkt in Leipzig zukaufen. Busch: „Und hier haben sich die Preise für Erdgas in den letzten 14 Tagen fast verdoppelt.“


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