Bürgerbus auch für Gronau?
Do., 09.02.2012
Charme auf vier Rädern
Die Aufschrift macht es deutlich: RVM und Bürgerbusvereine arbeiten Hand in Hand. Noch ist die Einrichtung eines Bürgerbusses in Gronau allerdings Zukunftsmusik.
Gronau -
Die Gronauer Politiker wollen sparen. Auch das Stadtbussystem soll billiger werden. Im Verkehrsausschuss wurde jetzt das Bürgerbus-Modell vorgestellt. Und die Verwaltung soll nun in Zusammenarbeit mit der Freiwilligenzentrale ein Konzept für einen Bürgerbusverein erarbeiten.
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Seit über 25 Jahren rollt ein Bürgerbus erfolgreich zwischen Nienborg, Ahaus und Legden. Er war der erste seiner Art bundesweit. Könnte das Konzept Bürgerbus auch in Gronau umgesetzt werden? Michael Klüppels, Prokurist der Regionalverkehr Münsterland GmbH (RVM), stellte das Modell am Dienstag im Verkehrsausschuss vor.
Hintergrund: Die Politiker wollen die Kosten für das Stadtbussystem senken. Die Linie C3, die vom Bahnhof in Richtung Alter Postweg führt, ist relativ schlecht ausgelastet. Die Politiker überlegen, ob dort ein Taxibus oder eben ein Bürgerbus eingesetzt werden kann.
Den (nicht nur finanziellen) Charme des Bürgerbusses macht aus, dass Ehrenamtliche hinterm Steuer sitzen. Allerdings ist der Betrieb an eine ganze Reihe von Bedingungen geknüpft. Dazu gehört die Gründung eines Bürgerbus-Vereins. In Steinfurt liegt die Geburtsstunde des dortigen Vereins erst einige Monate zurück. Dessen Vorsitzender Ferdinand Brust und der stellvertretende Geschäftsführer Raimar Bage berichteten über ihre Erfahrungen. „Unser Verein hat 93 Mitglieder, von denen 50 Fahrer sind“, erläuterte Bage. Da Neunsitzer als Fahrzeuge eingesetzt werden, reicht der Führerschein Klasse B (früher Klasse 3). Allerdings müssen sich die potenziellen Fahrer einer Gesundheitsprüfung unterziehen, einen Personenbeförderungsschein beantragen und sich schulen lassen. „Der Kreis hat das unbürokratisch geregelt und die Kosten übernommen“, berichtete Brust.
Der Verein ist eine tragende Säule des Bürgerbus-Verkehrs. Als betrieblicher „Pate“ steht die RVM zur Verfügung. Sie sorgt für die Abstimmung des Linienwegs, den Fahrplan und stimmt mit dem Verein und der Stadt die Tarife ab, stattet die Haltestellen aus, beschafft das Fahrzeug, erstellt das Fahrerhandbuch, erledigt Bürokratisches und schult das Personal. Das Land fördert die Anschaffung des Fahrzeugs.
Bevor ein Bürgerbus starten kann, muss auch der jeweilige Rat zustimmen. Die Erfahrungen mit Bürgerbussen im Münsterland sind gut. Bis zu 13 000 Fahrgäste (in Südlohn) machten 2010 von dem Angebot Gebrauch.
Die meisten Politiker im Ausschuss zeigten sich angetan von dem Projekt. Allerdings wollte Rüdiger Bartels (GAL) noch genauere Zahlen und Daten. „Wir stecken 250 000 bis 300 000 Euro ins Stadtbussystem. Vielleicht können wir ja mit dem Geld was besseres machen?“ Klüppels bestätigte, dass die Stadt im Jahr 2010 etwa 186 000 Euro aufgewendet hat. Dazu kommen rund 70 000 Euro durch die Einnahmen. Insgesamt beförderten die Stadtbusse auf den drei Stadt- und zwei Taxibuslinien 2010 rund 107 000 Fahrgäste. Die Linie C3 ist am schlechtesten ausgelastet. Sie würde sich für ein Bürgerbusprojekt am ehesten anbieten, wobei die Linie bis ins Industriegebiet hinein verlängert werden soll.
Josef Krefter (CDU) schlug vor, dass die Verwaltung Kontakt mit der Freiwilligenzentrale aufnimmt, um ein Konzept für einen Bürgerbusverein auszuarbeiten. Dem stimmten alle Ausschussmitglieder zu.
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