Die Last der Verantwortung
Do., 09.02.2012
Landwirte zwischen Lebensmittelsicherung und Leistungen für die Umwelt
Der neue Vorstand des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Gronau und Epe um Heinz Wilkes (7. v. li.). Theo Eveld (3. v. re.) war nach 12 Jahren an der Spitze der örtlichen Bauern nicht mehr zur Wahl angetreten.
Gronau-Epe -
Könnten die Landwirte ihre eigene Wahl zum Unwort des Jahres abhalten, würde dies vermutlich „ökologische Vorrangfläche“ heißen. Oder vielleicht „Greening“. Unter diesem Stichwort nämlich läuft eine mit der Neuordnung der EU-Agrarpolitik ab 2014 auf die Landwirte zukommende Pflicht zur Ausweisung von ökologischen Vorrangflächen. Sieben Prozent der Betriebsfläche sollen das werden, geht es nach den Vorschlägen der EU-Kommission, will man nicht entsprechende Prämienkürzungen hinnehmen.
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„Ist das nicht Eingriff ins Eigentum“, fragte ein Teilnehmer der Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Gronau und Epe. Rund 50 von 172 im Verband organisierten Landwirten aus den beiden Ortsteilen der Dinkelstadt waren nach Epe ins Alte Gasthaus Meyer gekommen, um einen neuen Vorstand zu wählen (s. Infokasten) und sich von Verbandsvertretern über aktuelle Entwicklungen in der Verbands- und der EU-Agrarpolitik zu informieren. Jörg Sümpelmann, Geschäftsführer der Borkener Geschäftsstelle des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes leitete nicht nur die Wahl, sondern erklärte auch detailliert die geplanten Änderungen seitens der EU, die damit verbundenen Neuregelungen der Direktzahlungen sowie deren Konsequenzen für die Landwirte vor Ort. „Wer sich dieser Frage erst ab Herbst 2013 stellt, schafft das nicht mehr“, warnte er. Es gelte, die Pachtverträge zu überprüfen, denn „die heutigen Zahlungsansprüche erfassen auf keinen Fall die neuen.“ In Sachen Greening sei das letzte Wort noch nicht gesprochen, da Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner inzwischen eingelenkt habe. „Es kann nicht sein, dass die FHO (Weltgesundheitsorganisation, die Red.) erzählt, bis zu 900 Millionen Menschen leiden Hunger, und wir fangen an, beste Ackerflächen stillzulegen!“, sagte er. „Das werden wir nicht akzeptieren.“ Er gehe davon aus, „dass wir uns Ende 2013 auf einer Fahrt nach Brüssel wieder treffen.“ Ein Verzicht auf die entsprechenden Prämien komme ebenfalls nicht in Betracht, sagte Sümpelmann auf die entsprechende Frage eines Landwirts, ob sich der Aufwand zur Beantragung dieser Prämien überhaupt noch lohne. „Davor will ich warnen. Die, die uns nicht wohlgesonnen sind, folgern daraus: Die wollen keinen Umweltschutz machen.“ Außerdem gebe es im Kreis Borken einen nicht unwesentlichen Anteil an Einkommen eines durchschnittlichen landwirtschaftlichen Betriebes, „das aus genau diesen Zahlungen stammt.“ Sümpelmann rief die Versammelten auch dazu auf, sich an der Ausgestaltung der Branchenvereinbarung in ihrer Kommune zu beteiligen. „Wir wollen zu kompakten Hoflagen kommen“, erklärte er. „Die Gegebenheiten werden wir nicht ändern können, aber wir können es über diese Regelungen erträglicher machen.“
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