Tag des offenen Rathauses zeigt
Sa., 18.02.2012
„Ein Fass ohne Boden“
Thomas Brink vom Fachdienst Gebäudemanagement der Stadt (links) zeigte beim Rundgang ein ungeschminktes Bild des Rathauses, Knapp 100 Bürger interessierte der Blick hinter die Kulissen.
Gronau -
Zum Ende des Rundgangs sagt Thomas Brink vom Fachdienst Gebäudemanagement der Stadt drei Worte, die den Zustand des Rathauses treffend beschreiben: „Fass ohne Boden“. Knapp 45 Minuten führt Brink am Freitag Bürger und Medienvertreter durch den Verwaltungsbau, der seit Jahren für Diskussionen über Sanierung oder Abbruch und Neubau sorgt.
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Sichtbar wird dabei ein „Baukörper, der sich in der Praxis nicht bewähren kann“ (Brink): 15 Zentimeter starke Betonelemente ohne Dämmung. Verbunden durch elastische Fugen, deren Elastizität nicht mehr reicht, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Wasser, das im Innern an den Wänden und Fenstern herunterläuft und inzwischen in innenliegenden Rinnen gesammelt wird, wie Brink an einer Stelle im Großraumbüro zeigt.
Dazu riesig dimensionierte technische Anlagen (Heizung, Klimaanlage, Elektroinstallation) auf dem Stand der 70er-Jahre und entweder gar nicht oder nur sehr aufwendig zu sanieren. Brink: „Egal, wo wir anfangen, wir greifen immer in den Dreck!“ Ein Beispiel: Im Keller brummen zwei Heizungskessel (Gesamtleistung: 1,2 Megawatt), groß genug, um 80 Einfamilienhäuser zu versorgen. Der Gasverbrauch des Rathauses würde für 30 Einfamilienhäuser reichen, der Stromverbrauch (600 000 Kilowattstunden/Jahr) für die Versorgung einer ganzen Siedlung – trotz aller Einsparungsbemühungen. „Hier ist grundsätzlich alles eine Nummer größer als anderswo“, sagt Brink. Die Regelpumpen, die Wasser durch das Haus schieben, zeigen ihre Leistung noch in PS an, gesteuert werden sie über Druckluft; „Eine exotische Anlage, für die es nur noch entsprechend wenig Wartungsfirmen gibt.“
Die Beleuchtung im Sitzungssaal funktioniert über 300-Watt-Birnen – die Stadt hat Restbestände aufgekauft. Aber, so Brink: „Über kurz oder lang gehen uns schlichtweg die Leuchtmittel aus.“ Oder: 1800 Leuchtstoff-Röhren gibt es im Rathaus, viele sind abgeschaltet, weil die Lampen sonst so viel Wärme erzeugen würden, „dass wir mit der Kühlung nicht mehr klarkommen“.
Nächste „Baustelle“: die Stromversorgung. Sogenannte FI-Schutzschalter wurden beim Bau des Hauses nicht installiert, stattdessen eine „Nullung“, die weniger Schutz vor Stromschlägen bietet und seit Mitte der 1970er-Jahre verboten ist. Sanierung möglich? „Nicht ohne Weiteres“, sagt Brink. Denn: Nachgerüstete FI-Sicherungen würden in Verbindung mit der Elektroinstallation deutlich häufiger auslösen und Stromausfälle produzieren.
Dass das Rathaus in einem „Loch“ neben der Umflut gebaut wurde, dass Regen- und Schmutzwasser nur über Pumpen wegbefördert werden können und das Haus beim Hochwasser 2010 kurz vorm Absaufen stand, davon erfahren die Besucher ebenso wie von Datenschutzproblemen im Großraum, vom fehlenden Platz für Mitarbeiter und Akten.
„Ein 40 Jahre altes Gebäude hat seinen Zenit noch lange nicht überschritten“, sagt Brink eingangs. Und fügt hinzu: „Beim Rathaus ist das leider anders.“
Klemens Ellerkamp, Bürger aus Epe, ist am Ende des Rundgangs „überrascht, wie schlecht das hier gebaut und isoliert worden ist. Das hat man doch damals auch schon gewusst.“ Eine vernünftige Sanierung ist aus seiner Sicht nicht zu machen: „Wenn man das gesehen hat, ist das sinnlos“, sagt Ellerkamp.
„Von der Technik her kann das hier nur noch platt gemacht werden“, hält auch Georg Frieler nach dem Rundgang mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Und er weiß, wovon er spricht, weil er aus seinem Berufsleben in der Industrie Erfahrung mit Bauten und ihrer Technik hat.
Platt gemacht sehen würden auch viele Mitarbeiter des Hauses am liebsten ihren derzeitigen Arbeitsplatz. Im Rathaus. Jedenfalls werden die Stimmen wieder lauter, die von krankmachenden Arbeitsbedingungen sprechen. Gerade nach den neuen aktuellen Asbestfunden vom Freitag, auch wenn es zwischen Erkrankungen von Mitarbeitern und Infrastruktur des Rathauses offiziell keine Zusammenhänge gibt. „Viele Kollegen haben Angst. Die einen mehr, die anderen weniger“, sagt Peter Thegelkamp, Vorsitzender des Personalrates.
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