Do., 09.08.2012

Wieder Kapitalverbrechen in Gronau 46-Jähriger erstochen

Gronau - 

Nur sechs Tage nach einer Schießerei mit zwei Verletzten in der Gronauer Innenstadt hat es dort erneut ein Kapitalverbrechen gegeben. Dabei wurde ein 46 Jahre alter Mann aus Gronau getötet.

Von Klaus Wiedau, Martin Borck, Klaus Wiedau, Martin Borck

Das Opfer wurde am Donnerstag gegen 5.30 Uhr von einem Passanten entdeckt, so Staatsanwaltschaft und Polizei aus Münster und dem Kreis Borken. Polizeibeamte und Rettungskräfte waren wenig später zur Stelle. Das Opfer wies mehrere Stichverletzungen auf und war nicht mehr ansprechbar. Der Notarzt versuchte vergeblich, den 46-Jährigen wiederzubeleben. Von dem oder den Tätern fehlt bislang offenbar jede Spur.

Eine 15-köpfige Mordkommission hat die Arbeit aufgenommen. Am Nachmittag tappten die Ermittler noch im Dunkeln. Der 46-Jährige soll sich in der Nacht zu Donnerstag bis etwa 4, 4.30 Uhr in einem Restaurant auf der Bahnhofstraße in Gronau aufgehalten haben, informierte Oberstaatsanwalt Heribert Beck in einer ersten Mitteilung. „Zu dem, was sich dann und wo auf dem Weg bis zum Auffinden auf dem Parkplatz ereignet hat, wissen wir bisher nichts.“ Der Eigentümer des in der Mitteilung genannten Restaurants widersprach gegenüber unserer Zeitung der Darstellung der Staatsanwaltschaft. Sein Restaurant sei bereits kurz vor 23 Uhr geschlossen gewesen. Die Staatsanwaltschaft wiederum blieb auf Nachfrage bei ihrer Darstellung.

Weitere Aufschlüsse zur Todesursache erhoffen sich die Ermittler durch die Obduktion des Leichnams, die am Donnerstagabend in der Gerichtsmedizin der Universität Münster erfolgen sollte. Die Ergebnisse sollen heute bekannt gegeben werden.

Ob es zwischen den beiden Verbrechen – der Schießerei in der Nacht zum Freitag vergangener Woche und dem aktuellen Delikt – Zusammenhänge gibt, ist derzeit nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft wollte sich dazu ebenso wenig äußern wie zu der Herkunft des Opfers. Die Schießerei vor einer Woche fand vor dem Hintergrund von Streitereien im Rotlichtmilieu statt. Auch in der Poststraße ist ein Etablissement angesiedelt, in dessen Nähe der Übergriff auf den 46-Jährigen stattgefunden haben muss.

Von einem auf dem Parkplatz abgestellten Auto – das aber offenbar nicht dem Opfer gehörte – führen Blutspuren zu der Stelle, wo der Mann gefunden wurde.

Der Tatort wurde am Morgen weiträumig abgeriegelt. Kriminaltechniker sicherten Spuren. Der mit einer schwarzen Plane bedeckte Leichnam des Opfers lag noch bis zum Nachmittag auf der Straße, bevor er zur Obduktion abtransportiert wurde.

Zahlreiche Polizeibeamte waren vor Ort, darunter ein Tatortvermessungsteam des Landeskriminalamtes. Ein solches werde immer bei großräumigen Tatorten eingesetzt, hieß es. Seine Arbeit ermöglicht es, den Tatort später am Computern dreidimensional darzustellen. Von einem Polizeihubschrauber wurden für diese Tatort-Rekonstruktion Luftaufnahmen gemacht.

Zuvor hatte bereits die Suche nach der Tatwaffe begonnen: Teile einer Einsatzhundertschaft durchstreiften dafür das Bahnhofsumfeld. Eine technische Einheit der Polizei Bochum rückte an, um mit Metallsonden nach der Waffe zu suchen. Um den Einsatz von Spürhunden zu ermöglichen, wurde zudem das Gebüsch rund um den Tatort abgemäht – dabei halfen auch Mitarbeiter der Stadtgärtnerei. Die Bochumer Einheit suchte in und auf der Radstation nach der Waffe, zudem wurden alle Gullys kontrolliert. Die Kräfte der Einsatzhundertschaft entleerten derweil die Mülleimer aus der Umgebung, um den Inhalt in einem Container zu untersuchen.

Tragische Szenen spielten sich am späten Nachmittag ab, als weinende Angehörige des Opfers – darunter der Bruder und der Sohn – an die Polizeiabsperrung traten. Sie durften den Tatort allerdings nicht betreten. Der Bruder des Opfers brach daraufhin zusammen.

„Wir versuchen, Personen zu ermitteln, die uns bei der Aufklärung des Geschehens wichtige Hinweise geben können“, so Kriminalhauptkommissar Holger Iltgen, Leiter der Mordkommission. Wer im tatrelevanten Zeitraum verdächtige Beobachtungen gemacht hat, wird gebeten, sich bei der Polizei zu melden (' 92 69).

Leserkommentare

Google-Anzeigen

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1062272?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F696924%2F1178653%2F