Blickpunkt der Woche: Das Image der Feuerwehr
Engagement ist aller Ehren wert

Als vor fast zwei Jahren der Verdacht aufkam, jemand aus ihren Reihen könnte gezündelt haben, sank bei den Mitgliedern der Gronauer Feuerwehr die Stimmung auf den Tiefpunkt. Sie fürchteten, dass das Image der gesamten Wehr Schaden nehmen könnte. Sie fürchteten hämische Kommentare. Und dass die Wehr unter Generalverdacht geraten könnte, nach dem Motto „Feuerwehrleute sind doch allesamt kleine Pyromanen“.

Samstag, 24.08.2013, 08:08 Uhr

Offenbar können die meisten Menschen in Gronau und Epe aber differenzieren. Auch jetzt, da der Prozess gegen fünf tatverdächtige junge Männer (von denen vier bei der Feuerwehr aktiv waren) vorm Landgericht begonnen hat, lassen sich glücklicherweise zumindest in der Öffentlichkeit keine Seitenhiebe gegenüber der Feuerwehr feststellen.

Sie wären auch völlig unangebracht. Denn Feuerwehrleute – ob freiwillig oder hauptamtlich – leisten Arbeit, die oft genug gefährlich ist und psychisch belastend sein kann. Wer schon einmal mitbekommen hat, mit welcher Umsicht und mit welchem Engagement die Einsatzkräfte auch unter hohem Druck zu Werke gehen, kann eigentlich nur den Hut vor ihnen ziehen. Ob bei Bränden, bei Verkehrsunfällen oder sonstigen Unglücken – sie müssen immer wieder aufs Neue ihr Wissen und ihre Erfahrung einbringen und oft improvisieren. Oder wüssten Sie auf die Schnelle, wie Sie einen bewusstlosen Menschen aus einem Tankbehälter retten, der mit einem giftigen Gas gefüllt ist?

Nicht dass alles immer reibungslos verliefe: Fehler passieren, und die werden von umstehenden Besserwissern gerne mal mit unqualifizierten Äußerungen kommentiert. Dass die Feuerwehrleute das klaglos hinnehmen, ist ihnen hoch anzurechnen.

Kann man mit verbalen Entgleisungen noch leben, so sind Behinderungen der Rettungskräfte oder gar tätliche Angriffe, wie erst am vergangenen Wochenende nach einem Unfall in Dülmen geschehen, völlig inakzeptabel. Leider kommen derartige Zwischenfälle immer wieder mal vor.

Die Situationen, in denen Feuerwehrleute geraten, mögen den ein oder anderen jungen Heißsporn dazu verleiten, sich als Held aufzuspielen. Doch bei der Feuerwehr ist zwar Mut gefragt – nicht aber Wagemut. Denn der ist der erste Schritt zum Risiko. Falsch verstandenes Heldentum ist bei der Feuerwehr fehl am Platz. Genauso wie unangebrachte Profilierungssucht, die ein Grund dafür sein kann, dass Feuerwehrleute zu Pyromanen werden.

Der Prozess vorm Landgericht hat gerade erst begonnen. Ob die Angeklagten tatsächlich die ihnen zur Last gelegten Brandstiftungen begangen haben, steht noch längst nicht fest. Doch ganz unabhängig vom konkreten Fall hat die Tatsache, dass Feuerwehrleute zu Brandstiftern wurden, Konsequenzen, die die Arbeit der Wehren betreffen. Müssen Anwärter künftig besonders durchleuchtet werden? Müssen die Vorgesetzten geschult werden, bei ihren neuen Kollegen auf Anzeichen zu achten, die auf eine Neigung zur Brandstiftung hindeuten?

Ein Trost bleibt: Untersuchungen haben laut Fachmann Prof. Dieter Seifert ergeben, dass die tatsächliche Zahl von Brandstiftern bei der Feuerwehr etwa eins zu tausend beträgt. Der übergroße Teil der Feuerwehrleute macht hervorragende Arbeit, die aller Ehren Wert ist.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1864098?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F1779513%2F1948407%2F
Tierschützerin muss Steuer für „Pflegehund″ zahlen
Muss auch jemand Hundesteuer zahlen, der ein Tier zur Pflege aufgenommen hat? Ja, sagt das Oberverwaltungsgericht Münster.
Nachrichten-Ticker