Di., 22.10.2013

Stadt wird per Laser gescannt Daten aus der Punktwolke

Zwei Scanner und mehrere Kameras liefern Daten für eine zentimetergenaue Vermessung der Infrastruktur in den Straßen. Im Bild v. l.: Peter Serné, Dimitri Beck, Dirk Zimmermann, Peter Csörgits und sein Kollege Roland Kriston.

Zwei Scanner und mehrere Kameras liefern Daten für eine zentimetergenaue Vermessung der Infrastruktur in den Straßen. Im Bild v. l.: Peter Serné, Dimitri Beck, Dirk Zimmermann, Peter Csörgits und sein Kollege Roland Kriston. Foto: Klaus Wiedau

Gronau - 

Eine seltsame technische Apparatur auf dem Dach, dazu eine Lichtleiste am Heck, die im Sekundentakt orange blinkt. Keine Frage: Der schwarze Nissan-Geländewagen erregt Aufmerksamkeit.

Von Klaus Wiedau

Rund 30 000 Kilometer legen die Ungarn Peter Csörgits und sein Kollege Roland Kriston jährlich mit dem Pathfinder zurück. Und sammeln dabei Milliarden von Daten. Das Geheimnis des Autos besteht aus drei Buchstaben: MLS – Mobiles Laser-Scanning. Am Montag haben Csörgits und Kriston in Gronau die Daten von rund 30 Kilometern städtischer Straßen gesammelt.

„Es ist ein Testlauf“, sagen Peter Bakenecker-Serné, Leiter des Fachdienstes Tiefbau, Verkehr, Stadtgrün und sein Kollege Dimitri Beck. Für eine Tagespauschale werden die 30 Testkilometer abgefahren. Auf der Grundlage der Ergebnisse wird die Stadt dann entscheiden, ob das Verfahren künftig stadtweit auch für komplexe Aufgabenstellungen (wie das Grünflächenkataster) Anwendung findet. Nicht zufällig, sondern ganz bewusst, lag am Montag die Ochtruper Straße auf der „Teststrecke“. Hier plant die Stadt im Zeitraum zwischen 2015 und 2020 zwischen Beresa und Landesgartenschaugelände die Verlegung eines großen Rückstaukanals. Die Befahrung lieferte wertvolle Daten, die in die weitere Planung einfließen sollen.

Und Daten liefert MLS reichlich, wie Dirk Zimmermann, Gebietsleiter der Gentium AG, die die Scan-Fahrten durchführt, betont: „Alles, was das menschlich Auge sieht“, wird erfasst: Ampeln, Schilder, Bäume, Laternen, Straßenschäden. 1,1 Millionen Punkte pro Sekunde werden dabei zu „Punktwolken“. Außerdem können bis zu 400 Linien pro Sekunde verarbeitet werden. Die Kombination der „Punktwolken“ mit den Daten von vier bis sechs Kameras ermögliche es, Elemente (teilweise schon während der Befahrung) mit echten Koordinaten im direkten Lage- und Höhenbezug zentimetergenau zu erfassen. Der Kunde kann mit diesen Daten dann Messpläne für seine konkreten Vorhaben erstellen.

„Röntgen können wir noch nicht“, sagt Zimmermann auf die Frage, ob auch unterirdische Strukturen erfasst werden. Aber: Wenn der Kunde Datenmaterial für diese Bereiche habe, lasse es sich in der Projektstruktur darstellen. Aus den ermittelten Punktwolken sind zudem auch später noch einzelne Datensätze für bestimmte Vorhaben herauszulesen.

Die MLS-Datenerfassung auf mobilen Plattformen ist dabei nicht auf die Straße begrenzt: Auch auf der Schiene und auf Wasserwegen kann das System angewendet werden. So lassen sich etwa Daten erfassen, die den Zustand von Brücken (belastet oder unbelastet) widerspiegeln. Oder anhand der ermittelten Daten ausrechnen, wie viel Grundwasser Bäume in einem bestimmten Bereich benötigen.

„Wir sind europaweit im Einsatz“, wirbt Zimmermann für das Unternehmen: So sei beispielsweise die Ferrari-Rennstrecke von Imola in Italien auf ihre Neigung und andere Aspekte hin vermessen worden. Der Pathfinder-Geländewagen kurvte schon durch die Straßen von Istanbul, drehte für ein Baumkataster seine Runden durch Ascheberg und war für ein Straßenkataster in Potsdam auf Tour.

Datensicherheit ist dabei für die Firma Gentium ein wichtiges Thema: „Gesichter und Kennzeichen von Fahrzeugen werden automatisch verpixelt“, sagt Zimmermann: „Gescannt werden nur öffentliche Wege, die Daten nur für den internen Bereich verwendet, Bilder kommen nicht an die Öffentlichkeit.“

Die Kosten für den Testeinsatz in Gronau (nach Angaben von Serné weniger als 4000 Euro) teilen sich – mit Blick auf die Planungen für die Ochtruper Straße – Stadt, Stadtwerke und Abwasserwerk. Die Daten für die Ochtruper Straße sind nach Zimmermanns Worten in diesem Paket enthalten – die Daten für die restlichen Testkilometer müssen separat gekauft werden.

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