Mi., 19.03.2014

Schlagerikone Bibi Johns und Sängerin Petra Pascal eröffneten neue Ausstellung im Rock’n’Popmuseum 100 Jahre deutscher Schlager

Bürgermeisterin Sonja Jürgens durchschnitt ein Band. Damit war die Ausstellung eröffnet. Neben ihr Bibi Johns und Petra Pascal.

Bürgermeisterin Sonja Jürgens durchschnitt ein Band. Damit war die Ausstellung eröffnet. Neben ihr Bibi Johns und Petra Pascal. Foto: Jürgen Peperhowe

Gronau - 

Bis zum letzten Moment wurde gewerkelt, noch am Morgen war ein Exponat – und zwar eines von Heino persönlich – aus Bad Münstereifel abgeholt worden. Doch pünktlich zum Eröffnungstermin am Mittwochnachmittag stand die neue Ausstellung. Im Rock‘n‘Popmuseum lag erwartungsvolle Spannung in der Luft. Schließlich sind „100 Jahre deutscher Schlager“ ein weites Feld. Ein Feld, auf dem man auch so ausgefallene Früchte ernten kann wie eine deutsche Fassung des Black-Sabbath-Rockklassikers „Paranoid“. Sie trägt den Titel „Der Hund von Baskerville“ und wurde interpretiert von – Cindy und Bert. „Nicht gerade ihr größter Hit“, wie Kulturbüro-Chef Thomas Albers anmerkte.

Von Martin Borck

Bibi Johns feierte in den 50er- und 60er-Jahren Erfolge und ist dankbar dafür. Auch wenn die Schlager-Ikone zugab, ihre frühen Hits nur noch als Medley auf der Bühne präsentieren zu wollen. Die Begründung der 85-Jährigen: „Ich bin nicht mehr ,Bella Bimba’.“

Johns plauderte in einer Gesprächsrunde mit Götz Alsmann, der Sängerin Petra Pascal , dem Kurator Thomas Mania und dem Kulturhistoriker und Kurator Ingo Grabowsky über das Thema. „Eigentlich ist Schlager kein Gattungsbegriff“, fand Alsmann. Das einzige, das einen Schlager zum Schlager mache, sei die Verwendung der deutschen Sprache. Deren Bedeutung rückte er im Vergleich zu anderssprachigen Texten zurecht: „Auch die amerikanischen Songs taugen ja nicht gerade zum Literatur-Nobelpreis“. Und die musikalische Seite? „Gerade in den 50er-Jahren hat es musikalisch sehr gute Schlager gegeben“, meinte Johns.

Eine andere Facette des Genres personifiziert Petra Pascal: „Als ich in den 60ern meine Lieder bei Plattenfirmen vorstellte, hieß es, die seien zu anspruchsvoll. Da müsse man ja zuhören!“ Doch sie setzte sich durch und hatte Anfang der 70er-Jahre einige Erfolg mit ihren chansonartigen Liedern.

Für das schlechte Image des Schlagers seit den 60ern machte Grabowsky den einflussreichen Philosophen und Musiktheoretiker Theodor W. Adorno mitverantwortlich: „Der hat Schlager als Opium fürs Volk verunglimpft“, sagte er. Mittlerweile gebe es aber in der Bevölkerung immer weniger ideologische Bedenken gegenüber Schlagern – „geschmackliche jedoch wohl“.

NRW-Kulturstaatssekretär Bernd Neuendorf stellte in seinem Grußwort gar die These auf, dass der Schlager zur Emanzipation der Gesellschaft beigetragen hat. Wie dem auch sei: Der Besuch der Ausstellung lohnt sich: Bunt schillernde musikalische Welten öffnen sich und werden kenntnisreich in die historischen Gegebenheiten eingebettet. Und: Anhören braucht man ja nur, was einem auch gefällt.

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Die Ausstellung läuft zunächst bis zum 27. April und dann vom 16. Mai bis zum 7. September.

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