Mi., 25.06.2014

Almoustapha Alhacen zu über Uranabbau in Niger: Sand im Getriebe

Almoustapha Alhacen blickt durch die Gitterstäbe des Tors auf das Urenco-Gelände. Das prägt auch seinen ersten Eindruck: Wer einen kritischen Blick auf Anlagen werfen möchte, die etwas mit Uran zu tun haben, endet an Absperrungen.

Almoustapha Alhacen blickt durch die Gitterstäbe des Tors auf das Urenco-Gelände. Das prägt auch seinen ersten Eindruck: Wer einen kritischen Blick auf Anlagen werfen möchte, die etwas mit Uran zu tun haben, endet an Absperrungen. Foto: Frank Zimmermann

Gronau - 

Almoustapha Alhacen lebt im Wüstenstaat Niger. In seiner Heimatstadt Arlit wird seit 1968 Uran abgebaut. Wegen seines Umwelt-Engagements haben Umweltschützer den Mann aus der Wüste nach Europa eingeladen – auch nach Gronau.

Von Frank Zimmermann

Almoustapha Alhacen lebt im Wüstenstaat Niger . In seiner Heimatstadt Arlit wird seit 1968 Uran abgebaut. Der Konzern Areva betreibt diesen Bergbau. Auch Alhacen hat 1978 bei Areva angeheuert. Doch inzwischen ist das Verhältnis zu seinem Arbeitgeber „konfliktreich“. Um etwas gegen die Missstände rund um den Uranabbau zu unternehmen, war Alhacen 1999 Mitbegründer der lokalen Organisation „Aghirin Man“.

Wegen seines Engagements haben Umweltschützer den Mann aus der Wüste nach Europa eingeladen – auch nach Gronau . Am Dienstag steht er mit einer kleinen Gruppe deutscher Atomkraftgegner an der Feuerwehrzufahrt zum Urenco-Gelände und schaut durch die Gitterstäbe. Sein erster Eindruck: Überall auf der Welt werden Anlagen, in denen es um Uran geht, kaschiert, versteckt, eingezäunt, vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen.

Beim Pressegespräch, zu dem das „Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen“ und der „ Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz “ (BBU) eingeladen haben, erzählt Almoustapha Alhacen vom Uranabbau im Niger. Das Bild, das er zeichnet, widerspricht allen Darstellungen vom „sauberen Atomstrom“: Neben dem Natururan habe Areva auch über 50 Millionen Tonnen radioaktiven Abraums zu Tage gefördert. Bei den Bergleuten gebe es viele „ungeklärte“ Todesfälle. Mehrfach habe Areva versucht, das Trinkwasser für die Menschen zu rationieren, um mehr Wasser für den Bergbau zu haben. Die Bezahlung sei schlecht, die Gesundheitsfürsorge miserabel, soziale Absicherungen quasi nicht vorhanden.

Von Gronau aus sind Alhacens Schilderungen nicht auf die Schnelle zu prüfen. Ein erster Blick ins Internet wirft Widersprüche auf. Auf der Areva-Homepage heißt es zum Beispiel: „Wir erkunden Uranvorkommen in aller Welt, bauen diese ab und verarbeiten das gewonnene Erz weiter. Stillgelegte Minenstandorte rekultivieren wir.“ Fest steht aber: Die Menschen im Niger profitieren nicht von den Bodenschätzen unter dem Wüstensand. Das Land ist eins der ärmsten der Welt. Einen Appell hat Almoustapha Alhacen deshalb an die Bürger der „Fairtrade-Stadt“ Gronau im Gepäck: „Unterstützen Sie uns bei unserem Streben für eine nachhaltige Entwicklung Nigers.“ Die könne durch die Produktion von Sonnen- und Windenergie sowie durch Landwirtschaft erreicht werden – aber nicht durch den Uranabbau. Denn einen „fairen Handel“ mit Uran gebe es aus seiner Sicht nicht. Und das einzige, was am Uranabbau nachhaltig sei, sei die Umweltverschmutzung.

Dass es auch in Europa Atomkraftgegner gebe, sei auch eine Quelle seiner Hoffnung darauf, dass es irgendwann einen weltweiten Ausstieg aus der Atomenergie geben wird. „Manchmal reicht ein Sandkorn, um eine Maschine zum Stillstand zu bringen“, umschreibt er seine Hoffnung poetisch.

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