Fachkonferenz
Englische oder deutsche Orgel?

Gronau -

In den vergangenen Wochen ist sehr viel Bewegung in das Orgelprojekt der Evangelischen Stadtkirche in Gronau gekommen.

Dienstag, 01.07.2014, 11:07 Uhr

Neben dem Verkauf und Abbau der alten Kleucker-Orgel und den Aktionen für die Bereitstellung weiterer finanzieller Mittel hat die inhaltliche und konzeptionelle Arbeit eine ebenso hohe Dringlichkeit. Viele Interessierte, Spender und Förderer sind zu Recht neugierig, welche Orgel nun die Stadtkirche in Zukunft schmücken wird. Um diese Überlegungen voranzutreiben, hat Kantor Dr. Tamás Szőcs zu einer Fachtagung eingeladen und langfristig mit seinen Mitstreitern aus dem Vorstand des Orgelbauvereins eine Orgelkonferenz in Gronau vorbereitet, die am Samstag in der Stadtkirche und im Walter-Thiemann-Haus stattfand.

Der Einladung sind einige auswärtige Fachleute gefolgt, so unter anderem der für die Region zuständige Orgelsachverständige und Kantor Michael Goede (Bochum), Landeskirchenmusikdirektor und ehemaliger Gronauer Kantor Ulrich Hirtzbruch (Herford/Bielefeld), der katholische Kirchenmusiker Bernhard Dieter (Leverkusen-Hitdorf), der Kirchenmusiker und Bildungsreferent der Landesmusikakademie NRW in Heek, Bernhard van Almsick, der Kirchenmusiker und Orgelprofessor Tomasz Nowak (Lamberti-Kirche Münster/Hochschule Detmold), Kantor Manfred Schwendner (Dülmen), Kantorin Simone Schnaars (Steinfurt), Kirchenmusikdirektor Klaus Vetter (Apostelkirche Münster), der Musik- und Orgelwissenschaftler Dr. Thomas Lipski (Cloppenburg), der Jugendreferent des Kirchenkreises, Thomas Flachsland (Ahaus) und der Kirchenmusiker und frisch geprüfte Orgelsachverständige Dmitri Grigoriev (Lüdenscheid).

Die Gronauer Kirchengemeinde war vertreten durch Mitglieder des Pfarrkollegiums und des Presbyteriums, durch die nebenamtlichen Organisten, den Vorstand des Orgelbauvereins, Förderer des Orgelprojektes und durch Kantor und Gastgeber Dr. Tamás Szőcs.

Zunächst verschafften sich die Teilnehmer einen Eindruck über die Evangelische Stadtkirche, über die akustischen, baulichen und gestalterischen Gegebenheiten, die später in der Beratung eine wichtige Rolle spielten. In der Begrüßung auf der nun orgellosen Empore der Evangelischen Stadtkirche hob der Orgelsachverständige Michael Goede hervor, dass so eine Begegnung von Fachleuten wie diese in Gronau seit über 400 Jahren nicht mehr stattgefunden hat: Zuletzt hatte Herzog Heinrich Julius im Jahr 1596 zu der Einweihung und Prüfung seiner legendären (aber bereits fertigen!) „Gröninger Orgel“ die 53 berühmtesten Organisten seiner Zeit eingeladen. Später wurde die Orgel in Teilen in Halberstadt aufgestellt, ein Beispiel, das zeigt, dass die Umsetzung von Instrumenten zu keiner Zeit ungewöhnlich war. Genau diesen Weg verfolgt auch der Orgelbauverein der Evangelischen Stadtkirche Gronau, um auf dem Markt der gebrauchten, aber zum Teil wertvollen Instrumente eine geeignete Orgel zu finden.

Obwohl für viele Menschen das Wort „gebraucht“ eine gewisse Minderwertigkeit vermittelt, muss man bei historisch hochwertigen, in ihrem Urzustand erhaltenen und bis heute voll funktionsfähigen Instrumenten das Wort „gebraucht“ nicht als abwertend verstehen. „Eine Stradivari-Geige würden Sie auch nicht als gebraucht bezeichnen“, hob Dmitri Grigoriev in den Beratungen hervor und zerstreute damit jedes Misstrauen gegenüber dem Vorhaben, ein älteres Instrument anzuschaffen.

Im Mittelpunkt der Beratungen standen dann zwei besondere Instrumente, die von der Größe, von den klanglichen und baulichen Eigenschaften her für die Evangelische Stadtkirche in Frage kommen: eine englische Orgel aus dem Jahr 1843 und eine spätromantische deutsche Orgel aus dem Jahr 1904. Die Berater waren sich einig, dass beide Instrumente in sich stimmig sind, die Kirche füllen und bereichern würden.

Besprochen wurden Aspekte wie das Zusammenspiel des neuen Instrumentes mit anderen musikalischen Gruppen, das spielbare Repertoire, Fragen zur Statik der Empore und des Denkmalschutzes, das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Rolle des neuen Instrumentes in der Ev. Stadtkirche als Kulturkirche, in der Musikstadt Gronau und in der Orgellandschaft Nordrhein-Westfalens. Für die Aufwertung der Orgellandschaft durch ein wertvolles Instrument sprach sich auch Landeskirchenmusikdirektor Ulrich Hirtzbruch aus und sicherte für das Orgelprojekt die Unterstützung der landeskirchlichen Behörden zu.

„Ein Projekt mit Vision auch für Jugendliche“ – beschrieb Jugendreferent Thomas Flachsland das Vorhaben. In Projekten mit dem Kantor und Videoübertragungen des Orgelspiels von der Empore hat er die Erfahrung gemacht, dass die „analoge Tonerzeugung“ einer Orgel auch Jugendliche in ihren Bann zieht.

Gegen Ende der Konferenz wurde die Tendenz für die eine Orgel deutlicher. Demnächst werden Beratungen mit der anbietenden Gemeinde und dem Orgelbauer aufgenommen. Eine Entscheidung wird für den Sommer vorbereitet.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2572365?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F2577582%2F4848781%2F
Gronauerin wird weiter vermisst: Aktenzeichen XY berichtet
5000 Euro Belohnung für Hinweise: Gronauerin wird weiter vermisst: Aktenzeichen XY berichtet
Nachrichten-Ticker