So., 03.05.2015

Stefanie Heinzmann und Flo Mega Urschrei – und dann 100 Prozent

Volles Haus am Samstagabend in der Bürgerhalle bei den Konzerten von Flo Mega und Stefanie Heinzmann.

Volles Haus am Samstagabend in der Bürgerhalle bei den Konzerten von Flo Mega und Stefanie Heinzmann. Foto: Springer

Gronau - 

Im Backstagebereich der Bürgerhalle ertönt plötzlich eine Art Urschrei aus acht Kehlen: Stefanie Heinzmann und ihre Fonky Fonks stimmen sich mit diesem Beschwörungsritual auf den Auftritt ein. Die Energie soll zwischen ihnen fließen und das Publikum betören.

Von Martin Borck

Ob‘s an diesem Ritual liegt oder nicht – die Heinzmann wickelt ihre Zuhörer wie schon vor vier Jahren um den kleinen Finger. Ihre kraftvolle, soulige Stimme in Verbindung mit dem fetten Sound der Fonky Fonks versetzt das Publikum vom ersten Ton an in Begeisterung. Sie präsentiert viele Stücke ihrer neuen CD, die etwas poppiger geraten sind (zum Beispiel „Glad to be alive“) als die Vorgänger, aber immer noch so kräftig grooven, dass sie die Sängerin in einen fortwährenden Tanztaumel verfallen lassen. Das steckt große Teile des Publikums an.

Die Sängerin zaubert durch ihre natürliche Art eine anheimelnde, fast familiäre Atmosphäre in die Halle. Ein paar eher banale Geschichtchen (über ihr vergessenes Stofftier, den Esel Emil), ein paar philosophische Gedanken, die zu Songtexten gerannen („Close to the Sun “) – und eine charmante Retourkutsche: Vor vier Jahren hatte Jazzfest-Organisator Otto Lohle ein junges Mädchen im Backstagebereich entdeckt und sie gefragt, was sie denn dort mache. „Och“, hatte sie geantwortet, „wenn alles klappt, singe ich hier heute Abend.“ Es handelte sich um Stefanie Heinzmann selbst, die Lohle einfach nicht erkannt hatte. „Macht nichts“, konterte die Sängerin am Samstag. „Ich habe ihn heute auch nicht gleich erkannt.“

Ruhige Momente gibt es, als sie mit ihrem Gitarristen „Thank you“ interpretiert. Mit dem Titel dankt sie ihrem Bruder für die jahrelange Unterstützung.

26 Jahre alt ist die Schweizerin, seit etlichen Jahren schon tourt sie, und hat offensichtlich immer noch unbändigen Spaß daran, ihr Publikum zu unterhalten. So sehr, dass sie ein junger Mann irritiert. Der steht in der ersten Reihe im Publikum, ist aber offensichtlich nicht aus Spaß an der Musik da, sondern nur mitgekommen, um seine Freundin zu begleiten. Auch um seine Gunst wirbt die Sängerin. Sie will schließlich 100 Prozent Power geben – dafür aber auch 100 Prozent Zustimmung vom Publikum em­pfangen. Das klappt also nur beinahe.

Das Publikum erlebt ein paar kurze, fetzige Soli der Instrumentalisten, darunter sogar eines von Schlagzeuger Pat Fa – und das, obwohl er sonst nie Soli spielt, wie die Sängerin verblüfft versichert.

Überraschungsmomente, die den Zuhörern das Gefühl geben, über ein fantastisches Konzert hinaus etwas Einzigartiges und Besonderes zu erleben. Das ist live.

Flo Mega und seine Ruffcats sind „Zurück von dort, wo der Pfeffer wächst“. Sie eröffneten den Konzertabend mit einer gehörigen Portion Funk und Soul. Wobei der schön-schnoddrige Ton des nasal-norddeutschen Sängers in einem reizvollen Kontrast zur Hitze der Musik steht.

Flo Mega setzt seine Stimme nicht nur ein, um seine Songs zu singen, er funktioniert sie zum Instrument um, stottert Silben mit maschinengewehrtauglicher Geschwindigkeit ab. Dabei tigert und springt er über die Bühne.

Aber auch dieses Konzert hat ein paar ruhige Momente. „Komm und spiel mit mir“ – einen Chanson von Manfred Krug – interpretiert er mit hohem Einfühlungsvermögen. Dann ist aber auch genug gecovert. Die Band spielt wieder eigenes Material. Wobei sich Flo als mega-guter Mundharmonikaspieler erweist. Großes Kino!

Leserkommentare

Google-Anzeigen
Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3231835?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F