Di., 08.09.2015

„Dietutnix“ in der Bürgerhalle Zeitlos komisch

Van Goghs Kartoffelesser: Susanne Anders, Heike Kniep, Ingrid Helmer, Sabine Hollefeld, Steffi Windhoff (v. l.) alias „Dietutnix“. Helmer brillierte als Piroschka (Foto rechts).

Van Goghs Kartoffelesser: Susanne Anders, Heike Kniep, Ingrid Helmer, Sabine Hollefeld, Steffi Windhoff (v. l.) alias „Dietutnix“. Helmer brillierte als Piroschka (Foto rechts). Foto: Christiane Nitsche

Gronau - 

Da kann man schon mal aus dem Rahmen fallen, wenn man so wild durch die Jahrhunderte galoppiert wie diese Damen: „As Time Goes vorbei“ titelte das Programm von „Dietutnix“, mit dem die fünf Frauen rund 350 Zuschauer in der Bürgerhalle begeisterten.

Von Christiane Nitsche

Kabarett? Comedy? Egal – Hauptsache, es macht Spaß. So in etwa lautet das Motto von „Dietutnix“ nun schon seit ihren Anfängen vor acht Jahren. Und Spaß macht es: angefangen beim Rückblick in die letzten Minuten backstage vorm Auftritt über die diversen Zähne der Zeit, die an den Akteurinnen selbst nagen, bis hin zur Zugabe nach zweieinhalb Stunden Zwerchfelltraining mit der für eingeweihte Fans schon bekannten Wechseljahres-Hymne „Ich hab‘ Sommer“ – frei nach Peter Maffay .

Zunächst aber gibt es einen Rückgriff in die Anfänge des Tanzes, die eindeutig darauf zurückgehen, dass Frauen in der Steinzeithöhle nicht nur die Aufgabe hatten, das Feuer zu hüten, sondern es auch auszutreten. Vom „Feueraustrittschritt“ zum eng getanzten Wiener Walzer als „Ersatz für die Rückbank im Käfer, der noch gar nicht erfunden war“ ist es da natürlich nicht mehr weit.

Mit ihrem Charleston-Solo schoss Ingrid Helmer dabei den Vogel ab. „Ich sollte mich vielleicht lieber auf den Sitzboogie im Altenheim vorbereiten“, keuchte sie.

Die beiden Alten, die sich frisch tätowiert mit ihren frisierten E-Bikes treffen, haben dagegen den Blick noch fest nach vorn gerichtet. Sie überlegen, ob man nicht in der Sakristei eine Zweigstelle des Tattoo-Ladens einrichten könnte, damit alle sich das Vereins-Logo tätowieren lassen können.

Auch die Modenschau zur WM 2020 hat die Zukunft im Blick. Im Stil Gaultiers oder Yves Saint Laurents präsentieren die Damen Burka-Mode. Besonders praktisch: die Klavierburka, unter der sogar der Flügel Platz findet. Oder die Wanderburka mit eingearbeiteten Nordic Walking Sticks. Über die Farbgebung denken die Frauen indes noch nach. „Rosa für Schwule und Lesben wäre schön.“

Überhaupt haben „Dietutnix“ ein Herz für Minderheiten. Hilde Heil etwa, die früher als Großcousine des kleinen Monsters auf den Knaben Hitler aufpassen musste und sich heute als Farb- und Stilberaterin empfiehlt. „Er konnte ja nichts bei sich halten“, erklärt sie. „Darum mus ste er zeitlebens braune Hosen tragen.“

Nicht jeder Gag zündet gleichmäßig. Die Hitler-Parodie lässt manchen das Lachen im Halse stecken bleiben, die Szene aus dem „ Social Freezing “-Labor, wo es mal um Ei- und mal um Samenzellen geht, gibt manches medizinische Rätsel auf, und Nicht-Kunstkennern entgehen zwangsläufig einige Gags, als die Damen bei Van Goghs „Kartoffelessern“ aus dem Bilderrahmen fallen. Aber unterm Strich blieb kein Zwerchfell ungerührt.

Brillant: Sabine Hollefeld, die sich für kein noch so unvorteilhaftes Kostüm zu schade ist, Heike Kniep als vom „HF“-Virus befallene Pianistin, die selbst drei Wochen Therapie nicht von „Atemlos“ kurieren können, Ingrid Helmers ältliche Piroschka mit Details aus des Kaisers Liebesleben, Steffi Windhoff am riesigen Balalaika-Bass und Susanne Anders als Platt kürende E-Bikerin mit Hang zum Tattoo. Achja, und die Zeit: Die ging bei dem Spaß tatsächlich im Nu vorbei.

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