40 Jahre Rathaus Gronau
„Gerechten Platz in der Architekturgeschichte geben“

Gronau -

Mit verhaltenem Applaus kommentierten Mitglieder des Bürgervereins Dinkelaue Gronau und Epe am Mittwochabend im Ratssaal die Entscheidung, das Gebäude in die Denkmalliste einzutragen.

Samstag, 23.04.2016, 09:04 Uhr

Der Bürgerverein Dinkelaue
Der Bürgerverein Dinkelaue

Mit verhaltenem Applaus kommentierten Mitglieder des Bürgervereins Dinkelaue Gronau und Epe am Mittwochabend im Ratssaal die Entscheidung, das Gebäude in die Denkmalliste einzutragen. Seit Jahren – übrigens lange bevor von Denkmalschutz die Rede war – setzen sich Vorsitzende Anke Engels und ihre Mitstreiter mit Aktionen, Vorträgen und in der Debatte mit der Politik für Erhalt und Sanierung des Rathauses ein. Insofern war die Entscheidung am Mittwoch ein Etappensieg.

Bereits im Mai 2013 lud der Bürgerverein zum „Runden Tisch“ ein: Sieben Architekten – darunter der Präsident de s Bundes Deutscher Architekten ( BDA ), Heiner Farwick (Ahaus), der gebürtige Gronauer Volker Halbach (Vorsitzender des Hamburger BDA), der Münsterische Architekt und Journalist Stefan Rethfeld, der aus Epe stammende Architekt Thomas Knüvener (Köln), die Dortmunder Architekten Annemarie Lippert und Christian Wolff sowie die Gronauer Innenarchitektin Maria Tönjann-Wülfing kamen damals zu Wort.

Stefan Rethfeld machte zudem in einer Fachveröffentlichung und in einem Vortrag vor Ort deutlich, dass die Gronauer mit dem Abriss des Rathauses „Gold für einen Klumpen Stein gäben“. Thomas Knüvener verwies darauf, dass nachhaltiges Bauen auch Arbeit mit dem vorhandenen Gebäudebestand und Besinnung auf das Erbe bedeute. Er bemängelte, dass das für den Ratsbeschluss zum Rathaus-Neubau herangezogene Gutachten in erster Linie Kosten zugrundelegt, aber „nicht auf den kulturellen Wert des Gebäudes eingeht“.

Auch der heute in Stuttgart und Potsdam tätige Architekt Carl Schagemann, in den 1970er Jahren am Bau des Rathauses maßgeblich beteiligt, warb bei einem Treffen mit dem Bürgerverein für eine Sanierung, mit „der Charakter, der städtebauliche Ansatz und die Details“ erhalten werden könnten. Schagemann: „Ich glaube, dass Substanz und Struktur es zulassen, etwas daraus zu machen und andere Arbeitsplätze zu schaffen.“

Anke Engels zum 40. Geburtstag des Rathauses: „Die Mehrheit des Bürgervereins erhofft sich, dass die Stadt Gronau nun endlich ablässt von ihren Einsprüchen gegen die Unterschutzstellung des Rathauses. Das ist nur Zeitverschwendung. Seit vier Jahren wird behauptet, die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter im Verwaltungsbau seien katastrophal, aber weder eine Sanierung noch ein Neubau des Verwaltungsgebäudes sind angestoßen worden.“

Nach Meinung des Bürgervereins ist die Zeit gekommen, dass sich die Stadt mit dem LWL und kompetenten Architekturbüros zusammensetzt, um zu Ergebnissen zu kommen. Der Bürgerverein verweist speziell auf das Know-how der Büros von Hoff, Farwick, Schagemann und Halbach, Hamburg. Engels: „Vertreter des Denkmalschutzes machen deutlich, dass notwendige Veränderungen an dem Gebäude aus den 1970er-Jahren durchaus zulässig wären. Wir empfehlen allen Beteiligten den Besuch von ein oder zwei Baubeispielen, so wie es unser Vorstand bei der Provinzial in Münster gemacht hat.“

Niemand könne erwarten, dass ein Gebäude, das seit vielen Jahren nicht mehr gepflegt worden ist, noch in altem Glanz dasteht. Die Vorsitzende des Bürgervereins: „Es ist zwar eine Tatsache, dass das Deilmann-Rathaus nicht in den Herzen der Bevölkerung verankert ist, gleichwohl sollte man den 40. Geburtstag zum Anlass nehmen, ihm einen gerechten Platz in der neueren Architekturgeschichte zu geben.“

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