Mo., 11.07.2016

NRW fordert Stilllegung der Urananlage Gronau Kräftemessen: Ministerin soll Urenco schließen

Blick in die zentrale Leitwarte der Gronauer Urananreicherungsanlage. Die politische Debatte um die Schließung, die von NRW-Umweltminister Johannes Remmel gefordert wird, geht weiter.

Blick in die zentrale Leitwarte der Gronauer Urananreicherungsanlage. Die politische Debatte um die Schließung, die von NRW-Umweltminister Johannes Remmel gefordert wird, geht weiter. Foto: Urenco

Gronau/Düesseldorf/Hamburg - 

Die Zukunft der Urananreicherungsanlage in Gronau (Urenco) sorgt auf höchster Ebene für politischen Streit. Die NRW-Landesregierung hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) aufgefordert, die bundesweit einzige Urananreicherungsanlage in Gronau zu schließen.

Von Klaus Wiedau, Frank Polke

Nachdem Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ( SPD ) eine Stilllegung der Anlage abgelehnt hat, warf ihr Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) in ungewöhnlich scharfer Form einen Verstoß gegen die „Beschlusslage höchster politischer Gremien“ der Bundesrepublik vor.

Hintergrund ist die Antwort aus dem Bundesumweltministerium auf eine Anfrage der Grünen-Politikerin Sylvia Kotting-Uhl. Darin heißt es, eine sofortige Stilllegung der Anlage komme im Moment trotz des Atomausstiegs nicht in Betracht, eine rechtliche Grundlage für die Entziehung der Betriebsgenehmigung gebe es ebenfalls nicht.

Eine politische Meinung, die bei Remmel offenbar große Empörung ausgelöst hat. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum Vorprodukte für den Betrieb von Atomkraftwerken weiter in Gronau hergestellt werden sollten“, schreibt der Grünen-Minister wörtlich an Hendricks. Für die deutschen Reaktoren, die spätestens 2022 vom Netz gehen werden, „gibt es keinen Bedarf mehr“.

Auch ein Export von angereichertem Material ins Ausland stehe im Widerspruch zum 2011 beschlossenen Atomausstieg. Zuletzt hatte die Sorge vor den belgischen Reaktoren Tihange und Doel in der Grenzregion Aachen Remmel dazu motiviert, eine Stilllegung der UAA in Gronau zu fordern.

Dort werden die Vorstöße des Grünen-Politikers nicht ohne Sorge gesehen. Neben dem Verlust von Arbeitsplätzen würde das Aus auch ein Millionenloch in die städtische Kasse reißen. Zudem stünden dem Land wohl Schadensersatzforderungen des Betreibers Urenco ins Haus. In Gronau wurden in die Zentrifugentechnologie zur Anreicherung seit den 80er Jahren rund zwei Milliarden Euro investiert.

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