Di., 25.10.2016

Ausstellung im Rathaus erinnert an die Emslandlager Wider das Vergessen

Bürgermeisterin Sonja Jürgens und Steffen Smit (links vorn) eröffneten die Ausstellung. Der Frauenchor Bella Donna gestaltete die Veranstaltung musikalisch.

Bürgermeisterin Sonja Jürgens und Steffen Smit (links vorn) eröffneten die Ausstellung. Der Frauenchor Bella Donna gestaltete die Veranstaltung musikalisch. Foto: Martin Borck

Gronau - 

Mindestens 2200 Gronauer haben seit Mitte der 90er-Jahre die Gedenkstätte Esterwegen besucht: Schülerinnen und Schüler der Fridtjof-Nansen-Realschule. Die siebten Klassen informieren sich dort alljährlich über die 15 Emslandlager, die der NS-Staat unterhielt. Dort litten Zehntausende KZ-Häftlinge und Strafgefangene, während des Kriegs mehr als 100 000 Kriegsgefangene. Über 20 000 Menschen starben an Erschöpfung, Krankheit und Misshandlungen oder wurden „auf der Flucht erschossen.“

Von Martin Borck

Im Rahmen der Woche der Erinnerung wurde am Montagnachmittag die Ausstellung „Abgeurteilt – Gefangene in der Strafanstalt Lingen und den Emslandlagern 1935 - 1945“ im Foyer des Rathauses eröffnet. 15 Tafeln informieren über die Lager, zwölf davon beschreiben Einzelschicksale von Opfern. Das Kooperationsprojekt der Evangelischen Kirchengemeinde Gronau , der Katholischen Kirchengemeinde St. Agatha Epe und der Fridtjof-Nansen-Realschule will dafür sorgen, dass diese Taten nicht in Vergessenheit geraten.

Steffen Smit , Geschichtslehrer und einer der Leiter der „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an der Realschule, führt die Tradition der Esterwegen-Besuche fort. Er gab eine kurze Einleitung. Und er zog am Montag einen Bogen zur Gegenwart. Er erschrecke, wenn heutzutage Menschen das „Völkische“ wieder gesellschaftsfähig machen wollten oder die Zeit des Nationalsozialismus, der ein bestialisches System hervorgebracht habe, als zwölf ,Unglücksjahre‘ verharmlosten. Darum sei es wichtig, an das zu erinnern, was damals geschah.

In dieselbe Kerbe schlug auch Bürgermeisterin Sonja Jürgens, vor allem vor dem Hintergrund der Zuwanderung und Flüchtlingsfrage. Sie erinnerte an den Artikel 3 des Grundgesetzes, an die Werte Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und die Würde des Menschen – Werte, die es zu verteidigen gelte. Die Ausstellung gebe einen Impuls, sich mit dem Thema ausein­anderzusetzen.

Dass die Schülerbesuche übrigens nachhaltig sind, erfuhr Smit durch einen Anruf aus Esterwegen: Eine Familie aus Gronau hatte sich auffallend intensiv in der Gedenkstätte informiert. Es stellte sich heraus, dass sie auf Initiative der Tochter gekommen waren – einer Gronauer Realschülerin.

Leserkommentare

Google-Anzeigen
Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4390824?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F4848750%2F4848753%2F