Fr., 14.04.2017

Ostermarsch-Auftakt 2017 in Gronau „Weitermachen!“

Quer durch die Stadt führte der Demonstrationszug der Atomkraftgegner.

Quer durch die Stadt führte der Demonstrationszug der Atomkraftgegner. Foto: Christiane Nitsche

Gronau - 

250 Teilnehmer zählten Veranstalter und Polizei übereinstimmend beim Auftakt der Ostermärsche in NRW am Karfreitag in Gronau. Vom Bahnhof aus zogen die Demonstranten durch die Innenstadt zur Urananreicherungsanlage von Urenco.

Von Christiane Nitsche

250 Teilnehmer zählten Veranstalter und Polizei übereinstimmend beim Auftakt der Ostermärsche in NRW am Karfreitag in Gronau. Vom Bahnhof aus zogen die Demonstranten durch die Innenstadt zur Urananreicherungsanlage von Urenco. Neben Abordnungen aus Belgien, den Niederlanden und umliegenden Gemeinden gingen auch einige in Gronau lebende Kriegsflüchtlinge aus Irak, Syrien und Iran mit.

„Die Anlage in Gronau ist atomwaffenfähig“, warnte Peter Bastian vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomkraftanlagen bei der Auftaktkundgebung. Er warf Umweltministerin Barbara Hendricks „Doppelzüngigkeit“ vor, weil sie weitere Brennelemente-Transporte an den Pannenreaktor Tihange nicht stoppe.

Fotostrecke: Ostermarsch Gronau 2017

Wie bedrohlich die Nähe von Atomkraftanlagen vor dem Hintergrund von Krieg und Terror sein kann, rechnete Dr. Angelika Claußen vor: „Was wäre, wenn eine Atombombe von 100 Kilotonnen auf Gronau fallen würde?“, überlegte sie. Die Europavorsitzende von „Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs“ rechnete vor, dass es 14 470 „unmittelbare Tote“ gäbe. Der Rest bliebe schwer verletzt und ohne Hilfe. „Die Überlebenden würden die Toten beneiden.“

Claußen forderte die Bundesregierung auf, an den Verhandlungen für ein Verbot von Atomwaffen teilzunehmen, an denen sich bereits rund 130 Staaten beteiligten, „bevor es zu spät ist“. Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel Verständnis für den jüngsten Abwurf einer konventionellen Superbombe in Syrien durch die USA geäußert habe, „ist für mich ein Skandal“.

„Es ist Zeit für einen neuen Strom“, skandierten immer wieder die Demonstranten aus Belgien, die auf die Verbindung zwischen Tihange und den zuliefernden Anlagen in Gronau und Lingen aufmerksam machten. „Es ist selbstverständlich, aber leider keine Realität, dass ein Land mit Atomausstiegsvertrag auch die anderen Teile der atomaren Kette schließt“, klagte ihr Sprecher Marc Alexander.

Die „nicht beherrschbaren Risiken für Mensch und Umwelt“ führte Gertrud Roth von der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland aus Ahaus ins Feld. „Wir wollen die Urananreicherung in Gronau rechtssicher beenden“, zitierte sie aus dem Koalitionsvertrag der NRW-Landesregierung. Und weiter: „Wir wollen, dass die Castoren aus Jülich nur noch einmal transportiert werden, nämlich zu einem Endlager.“ Die Ahauserin mahnte zur Wahrung der Schöpfung und warnte: „Wir hinterlassen unseren Kindern und vielen weiteren Generationen ein furchtbares Erbe.“

An die Verantwortung eines jeden appellierte Dr. Karl-Wilhelm ter Horst. Der frühere Pastor aus Schüttorf rechnete vor, dass die Gesellschaft auch gut ohne Atomenergie auskomme, „wenn wir alle unseren Verbrauch ein wenig reduzieren“. Er gab sich optimistisch. „Wir erleben: Diese Kraftwerke werden abgeschaltet. Das ist auch ein Erfolg unserer Bewegung.“ Sein Appell daher an die Versammelten: „Weitermachen, weitermachen, weitermachen!“

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