Sa., 29.08.2015

Blickpunkt der Woche: Einzelhandel Gronau hat’s doch eigentlich

Einkaufen in Gronau – Vergnügen für die einen, Notwendigkeit für die anderen.

Einkaufen in Gronau – Vergnügen für die einen, Notwendigkeit für die anderen. Foto: Schwarze-Blanke

Für manche ist Einkaufen ein Vergnügen, für andere eine Notwendigkeit, für wenige eine Sucht. Ich gehöre zur zweiten Kategorie. Ich muss nicht sofort jede technische Neuerung haben, die auf den Markt kommt.

Von Martin Borck

Für manche ist Einkaufen ein Vergnügen, für andere eine Notwendigkeit, für wenige eine Sucht. Ich gehöre zur zweiten Kategorie. Ich muss nicht sofort jede technische Neuerung haben, die auf den Markt kommt. Das, was ich benötige, kaufe ich vorwiegend bei Händlern vor Ort, zumindest soweit es hier erhältlich ist. Einkaufen hat für mich in erster Linie also eine Versorgungsfunktion mit dem Notwendigen. Shoppen ist weniger mein Ding – auch nicht online.

Doch ich habe festgestellt, dass ich auch als Einkaufsmuffel durchaus in Kauflaune geraten kann. Und zwar immer dann, wenn das Drumherum stimmt. Damit meine ich zunächst einmal das Warenangebot selbst, mehr aber noch das Ambiente und – ganz wichtig – meine eigene Stimmung. Wenn die gut ist, bin ich eher bereit, Geld auszugeben.

Wahrscheinlich bin ich nicht der Einzige, der so tickt. Für den Einzelhandel überall in Deutschland dürfte es also wichtig sein, die Stimmung der potenziellen Kundschaft in Kaufbereitschaft zu versetzen. Das schafft man am besten, wenn der Kunde Freizeit hat, vielleicht mit der Familie einen Ausflug in die Innenstadt unternimmt, wo hübsche Cafés und Restaurants locken. Die Kinder können sich auf Spielplätzen austoben. Für Kulturbeflissene wartet ein Besuch in einem Museum oder vielleicht ein Konzert.

Beim Bummel durch die Stadt fallen einem die schönen, inhabergeführten Einzelhandelsgeschäfte auf, die neugierig machen. Und plötzlich sagt die Ehefrau: „Guck mal, die Jacke (bzw. das Hemd, die Hose, der Pullover) ist doch schick. Du brauchst doch sowieso mal was Neues zum Anziehen, willst du die nicht mal anprobieren?“

Und zack – nur Minuten später läuft der Ehemann (also ich) mit einer prall gefüllten Einkaufstüte durch die Innenstadt. Denn bei der Jacke ist es natürlich nicht geblieben.

Wenn der Bann gebrochen ist, ertappe ich mich dabei, weitere Einkäufe zu tätigen. Auch Ehefrau und Tochter finden Geschäfte, die sie interessieren. Mich weniger. Aber dafür gibt es dort eine Sitzecke, wo die männliche Begleitung sich bei einem kostenlosen Becher Kaffee und Zeitschriftenlektüre solange beschäftigen kann, bis die Damen ihrerseits ihre Einkäufe erledigt haben.

Der Buchautor und Geschäftsmann Marcus Diekmann hat in dieser Woche auf Einladung der Wirtschaftsförderung und des Stadtmarketings Gronau skizziert, wie der Einzelhandel auf die zunehmende Online-Konkurrenz reagieren sollte. Einige Stichworte (neben vielen anderen) lauteten „Spezialisierung“, „Beratungskompetenz“ und „Service“. Außerdem riet er den Einzelhändlern, sich auf jeden Fall im Netz zu präsentieren, eventuell eine eigene Online-Filiale zu gründen.

Doch auch Diekmann mahnte an, dass das Umfeld in den Innenstädten stimmen müsse. Dabei – finde ich – hat Gronau eigentlich gar nicht mal so schlechte Karten. Mit dem Rockmuseum, Galerien in Epe und den zahlreichen hochklassigen Konzerten und anderen Veranstaltungen kann sich Gronau durchaus sehen lassen. Das Parken ist größtenteils gratis. Innenstadtnah gibt es das Laga-Gelände und den Stadtpark mit seinem Tierpark als grüne Ausflugsziele. Sogar zentrale Spielplätze für Kinder sind vorhanden, wenn ich ans Wasserlabyrinth denke oder den im Stadtpark. Die Cafés in der Innenstadt sind gut besucht. Und es kommen immer noch viele Menschen von außerhalb in die Stadt, die diese positiven Seiten Gronaus offenbar zu schätzen wissen.

Großes Manko ist, dass ein großer Teil des Warenangebots in den vergangenen Jahren weggebrochen ist. Es gibt kein Elektrogeschäft mehr im Zentrum, das Warenhaus hat geschlossen. Und durch die hohe Mobilität wandern einheimische Käuferschichten ab in die Großstädte.

Dabei – so das Ergebnis einer Untersuchung des IFH Köln in Zusammenarbeit mit dem Mittelstandsverbund – kaufen rund drei Viertel der Konsumenten gerne bei inhabergeführten lokalen Händlern ein – vor allem Männer stehen demnach auf den Einkauf vor Ort. Der inhabergeführte lokale Einzelhandel punktet mit persönlichem Service und kompetenter Beratung. Wenn Qualität und Service stimmen, sind die Kunden dabei auch bereit, einen höheren Preis in Kauf zu nehmen.

Gronaus Einzelhandel hat meines Erachtens durchaus das Zeug dazu, die derzeitigen Herausforderungen zu bewältigen. Wenn noch einige Geschäfte hinzukommen und der Service weiter ausgebaut wird, wenn die Händler die Möglichkeiten des Internets auch für sich nutzen, wenn man weniger verzagt die Vorzüge der Stadt propagiert. Wenn man den Menschen vermitteln kann, dass Einkaufen auch in Gronau zu einem Erlebnis werden kann.

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