Di., 05.01.2016

Der Handel hadert mit der neuen EU-Richtlinie Weniger Tüten beim Einkauf

Der Flut an Plastiktüten soll Einhalt geboten werden. Wie in Berlin haben schon etliche andere Kommunen die Initiative dazu ergriffen.

Der Flut an Plastiktüten soll Einhalt geboten werden. Wie in Berlin haben schon etliche andere Kommunen die Initiative dazu ergriffen. Foto: dpa

Gronau - 

Sie gilt als Klimakiller erster Ordnung, der dringend der Vergangenheit angehören sollte: die Plastiktüte. Doch der Verzicht fällt schwer, wie sich auch im Geschäftsleben vor Ort zeigt.

Von Christiane Nitsche

Eine Richtlinie der Europäischen Union vom April 2015 verpflichtet die Bundesregierung, den Verbrauch von Plastiktüten zu reduzieren. Ab 2020 soll er auf 90, ab 2026 auf 40 Plastiktüten je Einwohner gesenkt werden. Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sind es aktuell in Deutschland pro Kopf und Jahr 76. Zum Vergleich: Luxemburg braucht 20, Dänemark und Finnland vier Tüten pro Kopf und Jahr. Das Bundesumweltministerium arbeitet an einem Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie.

Besonders der Textil-Einzelhandel hat ein Problem mit einem drohenden Tütenverbot. „Wenn ich einen Anzug verkaufe, mit Hemd und Krawatte, kann ich den nicht einfach so mitgeben“, erklärt Gregor Wissing vom Herrenmodehaus Wissing in Epe. „Wir werden weiter Plastiktüten rausgeben“, sagt er. Mit einer Einschränkung: „Wir fragen grundsätzlich“, betont er. Es gebe auch Kunden, die ohne auskommen. Wissing sieht auch einen Mehrwert der von ihm ausgegebenen Tüten gegenüber dünnen Wegwerftüten. „Unsere sehen schon auch vernünftig aus“, sagt er. „Die legt man zu Hause wohl weg und gebraucht sie mehrmals.“

Die neue Richtlinie gilt für Plastiktüten mit einer geringeren Wandstärke als 50 µm, also 0,05 mm. Es steht den Mitgliedsstaaten frei, Ausnahmen für sehr leichte Plastiktüten zur Lebensmittelverpackung mit einer Wandstärke geringer als 15 µm zu ermöglich. Die Mitgliedsstaaten sollen verbindliche Reduktionsziele und /oder preisliche Vorgaben für Einweg-Plastiktüten einführen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen können Abgaben oder Steuern sein. Bei der Einführung eines Preisinstruments dürfen Einwegplastiktüten ab 31. Dezember 2018 nicht mehr kostenlos ausgegeben werden.

Beim Drogisten Rossmann, der in der Neustraße eine Filiale betreibt, wird kurzfristig reagiert. Dort werden die kleinen Abrisstüten, die es bis dato kostenlos an der Kasse gibt, abgeschafft. „Die gehören zu den beliebtesten Artikeln bei uns“, bedauert Pressesprecher Stephan Thomas Klose. Noch vorhandene Bestände würden aufgebraucht, aber dann sei Schluss. „Kundenproteste werden in Kauf genommen“, sagt Klose. Die Entscheidung sei aufgrund des öffentlichen Drucks gefallen. „Der ist mittlerweile doch recht groß.“ Die anderen Tüten, die es zum Preis von zehn oder 20 Cent gibt, bleiben. „Die sind mittlerweile alle aus recyclebarem Material aus Rohrzucker“, beteuert Klose. Auch die langfristig nutzbaren Falttaschen für kleines Geld soll es weiter geben, auch wenn Plastik offenbar bevorzugt werde. Stückzahlen könne er nicht nennen, aber: „Die Stofftasche ist schon erfolgreich, sonst würden wir sie nicht führen.“

Bei der Stadt Gronau sieht man keine Möglichkeit der Steuerung. „Als Stadt sehen wir uns da nicht zuständig“, erklärte Pressesprecher Armin Baumann auf Anfrage.

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