Fr., 25.03.2016

Demonstration zum Ostermarsch-Auftakt „Uranabbau tötet Menschen“

Gut 150 Atomkraftgegner protestierten am Karfreitag vor der Urananreicherungsanlage in Gronau.

Gut 150 Atomkraftgegner protestierten am Karfreitag vor der Urananreicherungsanlage in Gronau. Foto: Martin Borck

Gronau - 

Golden Misabiko spricht englisch. Nur ein Wort hat der Träger des Nuclear-Free-Future-Awards auf Deutsch parat: „Heute!“ Heute, sofort, muss seiner Auffassung nach der Uranbergbau in seiner afrikanischen Heimat stillgelegt werden. „Der Uranabbau tötet Menschen“, sagte er am Karfreitag während der Auftakt-Kundgebung der Ostermärsche in NRW vor der Urananreicherungsanlage (UAA) Gronau. Misabiko plädierte mit vollem Engagement für das Ende der Atomkraftnutzung: „Grenzen können mich nicht aufhalten“, rief er. Seine Aufgabe sieht er darin, über die Folgen zu informieren. In den Uranabbaugebieten blieben vernichtete Landschaft, vergiftetes Wasser und verpestete Luft zurück, kontaminiert mit Uran und seinen Zerfallsprodukten. „Den Menschen dort wurde das Paradies versprochen; stattdessen leiden die Menschen an Krebs und anderen Krankheiten.“ Kinder kämen mit Fehlbildungen zur Welt. „Das ist die Wahrheit!“, beteuerte Misabiko und fragte: „Warum erlauben wir der Industrie, diese Bergwerke zu betreiben?“ Er wolle sich dafür einsetzen, dass die Uranreicherungsanlage keinen Nachschub mehr bekomme.

Von Martin Borck

Gut 150 Menschen hatten sich am Freitagmittag trotz Dauerregens zu der Kundgebung vor dem Tor der UAA und zum anschließenden Marsch zur Marienkapelle eingefunden. Die Forderungen der Ostermarschierer: friedliche Konfliktlösungen, der Stopp von Waffenexporten und ein konsequenter Atomausstieg – nicht zuletzt, weil Atomkraft auch militärisch genutzt werden kann. Es brauche nur einiger Umbauarbeiten – dann könne die Anlage in Gronau auch atomwaffenfähiges Material erzeugen. Daher sei es unverantwortlich, die Betreiber-Firma Urenco zu verkaufen oder gar an die Börse zu bringen, sagte Stefan Kubel vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Er fasste die aktuelle Situation rund um die Gronauer Anlage zusammen: „Es kann nicht sein, dass in Deutschland vom Atomausstieg gesprochen wird, aber die Gronauer Uranfabrik unbefristet fast jedes zehnte Atomkraftwerk weltweit beliefert. Angesichts der ungelösten Atommüllfrage darf nicht auch noch ein unbefristetes 60 000 Tonnen Zwischenlager in Betrieb gehen.“ Angereichertes Uran aus Gronau versorge die „Schrottreaktoren“ in Belgien. Kubel kritisierte auch die „diffuse Informationspolitik“ durch die Landesregierung und die Betreiberfirma Urenco. So fehlt seinen Aussagen zufolge die Genehmigung für den Betrieb des Uranoxidlagers immer noch – die Gründe dafür würden aber nicht deutlich. „Man hört von Gefahren durch Cyberangriffe“, so Kubel. Er sprach auch die Probleme durch den UF6-Transport per Lkw und Bahn an und dass die Feuerwehr über diese Transporte nicht informiert sei. Bei einem Unfall könnte das fatal werden.

Fotostrecke: Die Atomreaktor-Katastrophe in Tschernobyl

Kirsten Rudek von der BI Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg erinnerte daran, das die von Tschernobyl vor 30 und die in Fukushima vor fünf Jahren ja nur der Anfang der Katastrophen gewesen sei; die Menschen dort litten immer noch.

Udo Buchholz vom mitorganisierenden Arbeitskreis Umwelt Gronau zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung. „Dass trotz des Wetters so viele Menschen gekommen sind, ist erfreulich.“

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