Mo., 17.10.2016

Als Haren noch Maczków hieß Fahrt des Heimatvereins Epe ins Emsland

 Gruppenaufnahme vor der alten Gallerie-Holländermühle in Georgsdorf. Hier wurde Buchweizenmehl gemahlen. Im daneben stehenden Müllerhaus erwartete die Gäste aus Epe ein köstliches Mahl mit Buchweizenpfannkuchen und traditionellen Beilagen.

 Gruppenaufnahme vor der alten Gallerie-Holländermühle in Georgsdorf. Hier wurde Buchweizenmehl gemahlen. Im daneben stehenden Müllerhaus erwartete die Gäste aus Epe ein köstliches Mahl mit Buchweizenpfannkuchen und traditionellen Beilagen. Foto: hdm

Epe - 

„Alles ist möglich, wenn Menschen sich engagieren“. So erlebten es überzeugend die Teilnehmer einer Begegnungs-Tagesfahrt ins Emsland. Sie hatten bei mehreren Mühlenbesuchen Gelegenheit, die wertvolle ehrenamtliche Arbeit örtlicher Heimatvereine kennen zu lernen, erlebten darüber hinaus aber auch die Eindrücke im ehemaligen Konzentrationslager Esterwegen und im dort befindlichen kleinen Kloster der Mauritzer Franziskanerinnen. Mit dabei waren auch vier Mitglieder des Historischen Krings aus Losser. Dem Heimatverein Epe liegt besonders an einer guten Verbindung zu den niederländischen Nachbarn. Darauf wies der Vorsitzende des Heimatvereins Epe, Wilhelm Kemper bei seiner Begrüßung hin. So soll auch in Zukunft die Zusammenarbeit vertieft und ausgebaut werden.

Von Hans Dieter Meeyer

Erstes Ziel der Heimatfreunde war die „Hüvener Mühle“. Sie ist die letzte als Gesamtensemble erhaltene Wind- und Wassermühle in Europa. Der Heimatverein Aschendorf-Hümmling und ein Förderverein kümmern sich engagiert darum, dieses Denkmal zu bewahren. Er sorgte maßgeblich dafür, dass dieser „Schatz“ der Mühlengeschichte vor dem totalen Verfall gerettet und eine vollständige Restaurierung nach einer großen Sammelaktion möglich wurde. Die Wassermühle, die den Anfang des Mühlenbetriebes an der Radde bildete, stammt aus dem 16. Jahrhundert. In den Jahren 1850/1851 erhielt sie einen Aufsatz in Form einer Windmühle.

Nächstes Ziel war das Kloster Esterwegen. Hier hatten Schwestern der Mauritzer Franziskanerinnen für die Gäste aus Epe ein ökumenisches Friedensgebet vorbereitet. Drei Ordensschwestern begleiten nahe der Gedenkstätte für die Opfer und Unterdrückten der Emslandlager Menschen, die beim Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Rat und Trost suchen. Insgesamt 15 Konzentrations-, Straf- und Kriegsgefangenenlager richteten die Nationalsozialisten und ihre Handlanger im Emsland ein. Zwölf davon liegen auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Emsland, drei im Landkreis Grafschaft Bentheim. Tausende von Menschen wurden in den Lagern gefangen gehalten, darunter zahlreiche „politische Gefangene“, die den Nationalsozialisten bei der Durchsetzung ihrer Herrschaft im Wege waren. Dauer- und Sonderausstellungen dokumentieren das damalige Geschehen in den Lagern der so genannten „Moorsoldaten“ , wie sich die Häftlinge selbst bezeichneten. Aus Ländern, die die deutsche Wehrmacht besetzte, kamen Gefangene in die Emslandlager. So ist Esterwegen mit Begräbnisstätte zu einem europäischen Gedenkort geworden.

Ein nahezu unbekanntes Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte wurde den Mitgliedern des Heimatvereins Epe in Haren präsentiert. Kaum Jemanden ist bekannt, dass nach Beendigung des Krieges im Jahre 1945 Seite an Seite mit den Engländern auch Soldaten der polnischen Exilregierung in Form der Ersten Polnischen Panzerdivision nach Norddeutschland einmarschierten. Der Aufenthalt der Polen in der besetzen Stadt Haren, deren Bevölkerung in die umliegenden Ortschaften vertrieben wurde, dauerte dort ganze drei Jahre: An Pfingsten 1945 mussten die Bewohner unerwartet ihre Häuser räumen. Sie durften nur das Nötigste mitnehmen. Knapp 1000 Familien wurden obdachlos. Fortan wohnten Polen in ihrer Heimatstadt, Soldaten, aber auch befreite Kriegsgefangene und Vertriebene. Haren war quasi über Nacht eine kleine polnische Enklave geworden, verlor sogar seinen Namen und hieß seinerzeit Maczków. Die Besucher aus Epe wurden in einem Film im Heimathaus mit den Geschehnissen damals und mit Aussagen noch lebender Zeitzeugen konfrontiert.

Von Mitgliedern des Heimatvereins Haren wurde ihnen darüber hinaus das Mühlenmuseum im Müllerhaus und die nebenan stehende Mersmühle gezeigt, bevor die Fahrt dann weiter durch das Bourtanger Moor nach Georgsdorf, der alten Piccardie, führte. Ziel war die im Jahr 1875 errichtete Windmühle vom Typ Gallerieholländer. Der Mühlenverein Georgsdorf bewirtete die Gäste mit Buchweizen-Pfannkuchen und typischen Beilagen.

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