Mi., 19.10.2016

Opfer sagt vorm Landgericht aus Stalking begann schon 2011

Opfer sagt vorm Landgericht aus : Stalking begann schon 2011

  Foto: dpa

Gronau/Münster - 

Die Frau liebt ihn, sie weiß das aber noch nicht. Andere Variante: Die Frau liebt ihn, andere verbieten ihr aber, das in der Öffentlichkeit zu zeigen. Von beiden Vorstellungen war ein 44-Jähriger aus Ahaus, der am Landgericht wegen des exzessiven Nachstellens einer Verkäuferin aus Gronau angeklagt ist ( wir berichteten), überzeugt. Je nachdem, wie es in seine Vorstellung passte.

Von Klaus Möllers

Am Dienstag sagte die Frau selbst aus. Sie schilderte, wie sie das ständige Verfolgen und Belästigen durch den gelernten Berufsschullehrer erlebt hatte. Demnach zog sich das Stalking nicht, wie von der Staatsanwaltschaft angeklagt, von April 2015 bis Februar 2016 hin, als der Ahauser in die Forensik eingewiesen wurde; die Vorfälle begannen laut der 29-Jährigen bereits 2011, als sie noch Auszubildende in einer Ahauser Supermarkt-Filiale war.

„Er hat immer wieder gefragt, ob wir Kaffee trinken gehen und ob wir uns sehen“, sagte sie. Wegen der Verfolgung sei sie zu einer Filiale nach Gronau gewechselt und sei zu der Zeit auch innerhalb Gronaus umgezogen. Beide neuen Adressen habe der Ahauser herausbekommen. Er kam mit einer Rose ins Geschäft. „Du verdienst noch mehr. Wenn du mit mir zusammen bist, bekommst du mehr“, soll der Mann gesagt haben. Sie habe ihm erklärt, dass er Hausverbot auch in dieser Filiale habe und sie nichts von ihm wolle. „Jedes Mal, wenn ich nach Hause kam, musste ich mich tausend Mal umdrehen, um sicher zu sein, dass ich ihn nicht sehe“. Ein Arzt habe Medikamente gegen ihre Angst verschrieben und weil sie teils nächtelang nicht habe schlafen können.

Seitdem sich der Mann in vorübergehender Unterbringung befinde, gehe es ihr besser, doch durch die Erinnerung komme „alles wieder hoch“. Einmal sei der Ahauser von „vier oder fünf Polizisten“ aus drei Streifenwagen vor ihrem Haus überwältigt worden – „Er hat über die ganze Straße geschrien“, erinnerte sich die Verkäuferin. Dann wiederum habe er in ihrem Garten gestanden und gerufen „Komm jetzt raus!“. Der Mann sei im Geschäft „aggressiver geworden“ und habe ihr gegenüber seine Hände zu Fäusten geballt.

Der Ahauser sagte zum Opfer im Zeugenstand im Hinblick auf ihre Ängste damals: „Ich habe das nicht so wahrgenommen. Sie werden mich so nicht mehr erleben.“ Die Verkäuferin erwiderte: „Das haben Sie schon öfter gesagt.“ Die Verhandlung wird fortgesetzt.

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