Mi., 19.10.2016

NRW-Arbeitsminister Schmeltzer wirbt für Duale Ausbildung „Weg vom Akademisierungswahn“

Konzentriert schaut NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer auf das Display der konventionellen Fräsmaschine. Anschließend stellte er sich mit den jungen Mitarbeitern noch zum Gruppenfoto auf.

Konzentriert schaut NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer auf das Display der konventionellen Fräsmaschine. Anschließend stellte er sich mit den jungen Mitarbeitern noch zum Gruppenfoto auf. Foto: Rupert Joemann

Epe - 

Auf Werbetour befindet sich derzeit NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer. Auf Werbetour für die Duale Ausbildung in weniger bekannten Berufen – und das besonders im ländlich geprägten Raum.

Von Rupert Joemann

Auf Werbetour befindet sich derzeit NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer. Auf Werbetour für die Duale Ausbildung in weniger bekannten Berufen – und das besonders im ländlich geprägten Raum. Am Mittwochvormittag zog Schmeltzer für zwei Stunden die Arbeitskleidung der Alfred Reimer GmbH für CNC-Metallzerspanung in Epe über. Der Minister verschaffte sich einen Überblick über die Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker.

„Die Region möchte ausbilden, findet aber keine Menschen“, sagte Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer NRW. Im Kreis Borken sei die Zahl der Ausbildungsbewerber in diesem Jahr um 9,2 Prozent zurückgegangen, so Mittelstädt.

„Hier in der Region gibt es fast doppelt so viele Stellen wie Bewerber“, sagte Arbeitsminister Schmeltzer. Das sei untypisch fürs Land, so der Sozialdemokrat. Landesweit gab es Ende August noch 23 627 unversorgte Bewerber und gleichzeitig 21 749 unbesetzte Lehrstellen. In einigen Regionen würden Auszubildende händeringend gesucht, während auf der anderen Seite immer noch viele junge Menschen eine Ausbildungsstelle suchten, so Rainer Schmeltzer.

„Es gibt keine Fachkräfte in der Region“, sagte Rainer Reimer, Geschäftsführer der Alfred Reimer GmbH. Das Unternehmen lässt sich einiges einfallen, um an passende Bewerber zu kommen. Die Firma hat zum Beispiel einen eigenen Auftritt in einem sozialen Netzwerk, einen Videofilm gedreht, und Reimer nimmt am Tag der Ausbildung teil. Die Bemühungen sind von Erfolg gekrönt. Alle drei Lehrstellen in diesem Jahr konnten besetzt werden.

Das Problem sei, so Schmeltzer, dass viele Berufe nicht so bekannt seien. Insgesamt gebe es in NRW 328 Berufe in der Dualen Ausbildung, so der Minister. Andere Berufe hätten zu Unrecht einen schlechten Ruf. Häufig entsprächen die Vorstellungen der Jugendlichen und deren Eltern nicht der Wirklichkeit. „Beim Zerspanungsmechaniker bleibt man nicht beim Feilen hängen“, hat er festgestellt. Das moderne Anforderungsprofil reiche hin bis zur Programmierung der voll automatisierten Drehmaschinen.

So warb der NRW-Arbeitsminister, der selbst nach der Mittleren Reife eine Ausbildung zum Wohnungswirt absolvierte, für die Duale Ausbildung. Dabei sprach er sich aber nicht gegen das Abitur aus, im Gegenteil. „Man kann dann noch nach Abitur und Ausbildung aufsatteln“, sagte Schmeltzer. Aber ein Abiturient müsse nicht unbedingt studieren, so der Minister.

Eine Studienabbrecher-Quote von 20 bis 30 Prozent zeige, dass nicht alle Abiturienten studienfähig seien, so Rainer Schmeltzer. Hier müsse es auch bei Lehrern und Schülern ein Umdenken geben.

Die hohe Zahl an Abbrechern käme das Land teuer zu stehen. So müsste für diese Gruppe in den Hochschulen der finanzielle Rahmen (zum Beispiel für Hörsäle und Dozenten) geschaffen werden. Zudem hätte sich gezeigt, dass viele Abbrecher erst nach zwei bis drei Jahren beruflich Fuß fassten.

Aus seiner Sicht dürfe es keine Differenzierung zwischen Meister und Master geben. Vielmehr müsse die Duale Ausbildung als gleichwertig angesehen werden. Schmeltzer: „Wir müssen weg vom Akademisierungswahn.“

Ein wichtiges Anliegen war dem Minister auch, bei Jugendlichen für die Bereitschaft zu werben, für eine Ausbildung von zu Hause wegzuziehen. So könne man möglicherweise als flexible Finanzierungshilfe über ein Ausbildungsticket ähnlich dem Semesterticket für Studenten nachdenken. Der Gronauer Rainer Reimer fand die Idee gut, gab aber zu bedenken, dass vorher der Öffentliche Personennahverkehr verbessert werden müsse.

Im Rahmen seiner „Azubi-Tage“ ist NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer am heutigen Donnerstag noch als Verfahrensmechaniker zu Gast in einem Hagener Kaltwalzwerk. Am Dienstag lernte er in einem Mindener Betrieb die Berufe des Kochs und des Hotelfachmanns kennen.

  Foto: Rupert Joemann

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