Sa., 19.11.2016

Wanderausstellung über Luthers musikalische Erben in Westfalen eröffnet Der Sound der frohen Botschaft

Dieser Posaunenengel stammt von einer alten Orgel im ostwestfälischen Vlotho.  

Dieser Posaunenengel stammt von einer alten Orgel im ostwestfälischen Vlotho.   Foto: LWL/Schüttemeyer

Gronau - 

Wer kennt ihn nicht, den Weihnachtsklassiker „Ihr Kinderlein kommet“? Die wenigsten wissen jedoch, dass er in der heute bekannten Form aus Gütersloh stammt. Westfalen verfügt über ein vielfältiges kirchenmusikalisches Erbe. Mit der Wanderausstellung „Klang der Frömmigkeit. Luthers musikalische Erben in Westfalen“ widmet sich der Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Kooperation mit dem Rock’n’Popmuseum Gronau und mit Unterstützung der Evangelischen Kirche von Westfalen dem Einfluss der Reformation auf die Musik bis zur Gegenwart. Am Freitagabend wurde die Ausstellung eröffnet. Die Soulful Swingin Singers sangen, Bürgermeisterin Sonja Jürgens, die stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung, Gertrud Welper und LWL-Museumsamt-Direktorin Dr. Ulrike Gilhaus sprachen Grußworte, Kuratorin Dr. Silke Eilers führte in die Ausstellung ein.

Für Martin Luther , auch als „Vater der Kirchenlieder“ bezeichnet, war Musik Mittel der Verkündigung, Geschenk Gottes und Medizin gegen das Böse. Lieder gaben der Gemeinde eine Stimme – und zwar allgemein verständlich auf Deutsch.

Die Ausstellung begibt sich auf die Suche nach dem „Sound der frohen Botschaft “. Sie vermittelt Einblicke in die Geschichte der deutschsprachigen Kirchenmusik und dies auch über die Kirchenmauern hinaus.

Mit seiner heterogenen konfessionellen Struktur und wechselvollen Geschichte verfügt Westfalen im Bereich der Kirchenmusik über eine lange Tradition, aber auch über regionale Varianten und örtliche Besonderheiten.

„Westfalia non cantat“ (Westfalen singt nicht) heißt es gemeinhin. Die Ausstellung verdeutlicht aber die vielfältigen Facetten der in der Reformation entstandenen und gelebten Musiktradition als Teil einer neuen, von aktiver Mitgestaltung geprägten Kultur.

Die Ausstellung behandelt in fünf Kapiteln die Themen: Reformation und Musik in Westfalen, Singebewegung, Instrumente, politische Instrumentalisierung des Liedes und Popmusik. Diese Aspekte werden mit Liedgut und Instrumenten erschlossen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Gesang. Er ist neben Predigt und Liturgie in deutscher Sprache das Herzstück des protes­tantischen Gottesdienstes und des Gemeindelebens. Dieses Element setzte die Beteiligung der Gemeinde voraus und ist bis heute in allen Regionen Westfalens ein zentraler Bestandteil der evangelischen Frömmigkeitspraxis.

Wesentliches Exponat ist die Musik selbst, vermittelt in Ton- sowie Bild-Ton-Dokumenten. Darüber hinaus präsentiert die Ausstellung Instrumente, Gesangbücher und Notenblätter, Skulpturen, reli­giöse Druckgrafik, Gemälde, Materialien kirchenmusikalischer Veranstaltungen sowie Bühnen­kleidung und -requisiten. Das Rock’n’ Popmuseum hat Interviews mit Vertretern wichtiger Vermittlungs­institu­tionen und aktiven Künstlern der religiösen Popmusikszene seit 1960 geführt, die Einblicke in Konzepte und Initiativen geben. Es waren im Wesentlichen die Menschen und einzelne Ini­tia­­tiven, die bewegten und Akzente setzten.

Unter den Ausstellungsstücken sind historische Gesangbuchausgaben aus dem 16. Jahrhun­dert. Zudem hat das Stadtarchiv Soest das kostbare Werk „FrewdenSpiegel deß ewigen Lebens“, anno 1599, als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Das Trost- und Erbauungsbuch enthält im Anhang die Kirchen­lieder „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ und „Wachet auf, ruft uns die Stimme“. Wie­derholt hat man sie als „König und Königin unter den Chorälen“ bezeichnet.

Mit einem Audio-Guide können die Besucher Lieder und Instrumentaleinspielungen hören, darunter Stücke mit westfälischem Bezug und Aufnahmen westfälischer Interpreten.

Die Wanderausstellung ist bis zum 26. Februar im Rock’n’Popmuseum zu sehen.

Leserkommentare

Google-Anzeigen
Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4445087?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F