Fr., 02.12.2016

Erfolgsmodell Interreg-Förderung Gute Pionierarbeit geleistet

Dr. Günther Horzetzky

Dr. Günther Horzetzky Foto: Foto: Julia Unkel/MWEIMH

Gronau - 

In kaum einem Teil der Welt gibt es so viele grenzüberschreitende Kontakte wie zwischen Deutschland und den Niederlanden. Dr. Günther Horzetzky, Staatssekretär im NRW-Wirtschaftsministerium, und Dr. Michael Scheffer, Gedeputeerde der niederländischen Provinz Gelderland, informieren heute in Düsseldorf über Inhalte und Ziele der grenzüberschreitenden Kooperation. Zudem werden konkrete Projekte des EU-Förderprogramms Interreg Deutschland-Nederland vorgestellt. Die WN-Redaktion Gronau hat im Vorfeld mit Dr. Horzetzky über das Erfolgsmodell Interreg-Förderung gesprochen.

In kaum einem Teil der Welt gibt es so viele grenzüberschreitende Kontakte wie zwischen Deutschland und den Niederlanden. Seit Jahrzehnten arbeiten die Grenzregionen eng zusammen – ob bei der Wirtschafts- und Innovationsförderung, der Vermittlung von Arbeitskräften, in der Forschung oder bei Natur- und Umweltfragen. Dr. Günther Horzetzky, Staatssekretär im NRW-Wirtschaftsministerium, und Dr. Michael Scheffer, Gedeputeerde der niederländischen Provinz Gelderland, informieren heute in Düsseldorf über Inhalte und Ziele der grenzüberschreitenden Kooperation. Zudem werden konkrete Projekte des EU-Förderprogramms Interreg Deutschland-Nederland vorgestellt. Die WN-Redaktion Gronau hat im Vorfeld mit Dr. Horzetzky über das Erfolgsmodell Interreg gesprochen.

Das Interreg-Programm ist vor 25 Jahren zur Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ins Leben gerufen worden. Die Euregio Gronau leistete damals Pionierarbeit. Was ist das Besondere an Interreg?

Horzetzky: Bevor überhaupt Programme entwickelt wurden, hat sich in der Euregio eine praktisch-pragmatische Zusammenarbeit entwickelt. Insofern wurde hier wirklich gute Pionierarbeit geleistet. 1980 wurde dann das Rahmenabkommen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit unterzeichnet. Das war der Grundstein, dennoch hat es noch zehn Jahre gedauert, bis wir weitere Staatsverträge hatten und die Gemeinschaftsinitiative Interreg mit einer anfangs kleinen Mittelausstattung ins Leben gerufen wurde. In den Anfängen war diese bi- und multinationale Zusammenarbeit eine Art Experiment. Inzwischen hat sich das Programm etabliert und ist ein gutes Beispiel für eine Entwicklung von unten, die im Laufe der Zeit mehr und mehr Strukturen angenommen hat.

Hatte das Land denn seinerzeit solche Erwartungen an dieses Experiment?

Horzetzky: Ohne jetzt in die Archive geschaut zu haben, glaube ich, dass es eine Erwartungshaltung gab. Und zwar die, dass sich durch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit die gemeinsamen Belange, um die es an der Grenze ging, auch realisieren lassen würden.

Lassen sich in der Rückschau die Erfolge dieser deutsch-niederländischen Zusammenarbeit auch ganz praktisch messen – etwa mit Blick auf Stichworte wie geschaffene Arbeitsplätze, zusätzlich generierte Wirtschaftsleistung oder Beiträge zum besseren Verständnis zwischen den Kulturen?

Horzetzky: Interreg hat sehr stark dazu beigetragen, das Verständnis zwischen den Nachbarn zu festigen. Das gegenseitige Kennenlernen, der Austausch über Kultur und Lebensgewohnheiten, ist durch Interreg unterstützt worden. Allerdings: Abseits aller Zahlen, mit denen sich vieles greifen lässt, gibt es bisher keine qualitative Übersicht über das, was wir da im Einzelnen geschaffen haben. Dem nachzugehen, wäre – beispielsweise anhand der Projekte der letzten Förderperiode – sicher spannend.

Zwei Grundvoraussetzungen bei Interreg sind, dass sich Partner aus beiden Ländern zusammenfinden und sie einen Eigenbeitrag in Höhe von etwa zehn Prozent der Projektkosten leisten müssen. Hat sich dieses Konzept bewährt? Wie ist es um die Nachhaltigkeit bestellt? Arbeiten die Kooperationspartner auch nach Ende der Förderung zusammen?

Horzetzky: Festzustellen ist, dass sich in der Folge von Projekten viele Netzwerke – auch ohne Förderung – weiterentwickelt haben und nach wie vor gut zusammenarbeiten. Und der Eigenbeitrag, der gefordert wird, ist im Prinzip schon die Gewähr dafür, dass ein ernsthaftes Interesse der Beteiligten garantiert ist. Wenn man das Geld geschenkt bekommt, kann man auch L’art-pour-l’art-Projekte durchführen. Wer aber eine erhebliche finanzielle Eigenleistung erbringen muss, überlegt sich, ob er das Geld wirklich so einsetzen will. Das ist der Beleg dafür, dass der Nutzen der Projekte von vornherein erkannt wird.

Stichwort Geld: Das laufende Interreg-V-Programm wird von der EU im Zeitraum 2014 bis 2020 mit rund 222 Millionen Euro gefördert. Das tatsächliche Fördervolumen ist aber größer, weil auch NRW, Niedersachsen und die Niederlande sich beteiligen. Wie hoch ist deren Anteil?

Horzetzky: Insgesamt liegt das Investitionsvolumen bei 440 Millionen Euro. Die Hälfte davon wird von der EU bereitgestellt. Daneben gibt es den – in der Regel – 20- bis 30-prozentigen Eigenanteil der Projektteilnehmer, manchmal aber auch darüber hinaus. Und die restlichen 20 Prozent werden – je nach regionalen Schwerpunkten und Art der Projekte – von den anderen beteiligten staatlichen Stellen bereitgestellt. Das sind neben Niedersachsen und NRW die acht niederländischen Provinzen und das niederländische Wirtschaftsministerium. Das Spannende dabei ist, dass die staatliche Finanzierung immer individuell beschlossen wird. Wenn der Vorteil beispielsweise mehr in den Niederlanden liegt, zahlen die vielleicht mehr, liegt der Vorteil bei Niedersachsen, ist der Anteil von dort höher. Diese Form der Finanzierung hat den Vorteil, dass die Beteiligten im Detail über die Projekte reden.

Projekte können in allen vier deutsch-niederländischen Euregios eingereicht werden. Auf welchen Bereichen liegen die Schwerpunkte (sowohl regional als auch inhaltlich)?

Horzetzky: Im Bereich Wirtschaft und Innovation liegt der Fokus sicher auf strategischen Initiativen – insbesondere Agri-Business & Food, Health & Life Sciences, Hightech-Systems & Material, Logistik und CO

Eines der größten Interreg-Projekte dürfte das Eur-Safety-Health-Net gewesen sein, in dem es unter anderem um die Prävention von Infektionskrankheiten ging. In dem Bereich gab es zuvor unterschiedliche Standards, die Niederländer waren zum Beispiel bei der Prävention von MRSA-Bakterien weiter als die Deutschen. Gibt es mehr Beispiele, bei denen der Projektpartner eines Landes von den Erfahrungen des anderen lernen konnte?

Horzetzky: Ja. Zum Beispiel gibt es den deutschen E-Bus von Vossloh-Kiepe, der im Arnheimer Netz getestet wurde. Da gibt es das Thema Biogas, bei dessen Implementierung wir in Deutschland relativ weit sind. Die Niederländer sind im Gegensatz sehr gut im Technologiebereich oder beim Stichwort demografischer Wandel. Und so gibt es in den verschiedenen Bereichen Effekte für die Wirtschaft, über die wir uns austauschen und dabei ein Stück weit auch voneinander lernen.

Ein Blick in die Zukunft: Welche größeren Projekte stehen in den kommenden Jahren an?

Horzetzky: Ein relativ großes Projekt soll noch im Dezember beschlossen werden. Das heißt „Digi Pro“ und sieht Maßnahmen zur Stimulierung kleinerer und mittlerer Unternehmen in Deutschland und den Niederlanden beim Prozess der digitalen Transformation vor. Zielgruppen sind die Fertigungsindustrie, IT-Engineering und der technische Anlagenbau.

Welche Rolle spielen die Kultur- und Mentalitätsunterschiede in der Umsetzung der Projekte?

Horzetzky: Als Nachbar der Niederlande war mir das vorher gar nicht so bewusst. Aber es gibt in der Tat im Geschäftsleben Unterschiede, die dadurch verringert werden, dass man miteinander redet. Zu Beginn der Projekte ist es deshalb wichtig, herauszufinden, wie man miteinander umgeht und dass Unterschiede beziehungsweise Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden. Genau das ist, so glaube ich, durch die Interreg-Projekte sehr gut gelungen.

Abschließend die Bitte, folgenden Satz zu vervollständigen: „Interreg ist ein Erfolg, weil es . . .“

Horzetzky: . . . zwei Nachbarstaaten ganz eng aneinander bindet.

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