Fr., 17.03.2017

Kita Astrid Lindgren nimmt an Studie zum kindlichen Spracherwerb teil Der Schlüssel zur Welt

Papagei Seika und Forscherin Lilly Bihler im Gespräch mit dem vierjährigen Jesper. Der Junge ist eines von 15 Kindern aus der Ev. Kita Astrid Lindgren, die an einer Forschungsstudie teilnehmen, die so heißt wie der Papagei.

Papagei Seika und Forscherin Lilly Bihler im Gespräch mit dem vierjährigen Jesper. Der Junge ist eines von 15 Kindern aus der Ev. Kita Astrid Lindgren, die an einer Forschungsstudie teilnehmen, die so heißt wie der Papagei. Foto: Sandra Kolhoff

Epe - 

Sandra Kolhoff steckt in einer Zwickmühle: Einerseits ist die Leiterin der Ev. Kita Astrid Lindgren davon überzeugt, dass in ihrer Einrichtung gute Sprachförderung geleistet wird. Andererseits muss bei einer Forschungsstudie genau das Gegenteil rauskommen, damit die Kita zusätzliche Fördermittel bekommt. Entsprechend erwartungsvoll blickt Kolhoff auf den Ausgang der Studie Sprachbildung und -entwicklung im Kita-Alltag (Seika NRW, siehe Info-Kasten). Die Studie ist vor gut einem Jahr angelaufen und gerade in die zweite Halbzeit gestartet.

Von Frank Zimmermann

Die Astrid-Lindgren-Kita ist eine von 99 Kitas in NRW, die an der Seika-Studie teilnimmt. Die teilnehmenden Kitas wurden zu 33 Drillingen gruppiert. Das sind jeweils drei Kitas, die sich möglichst ähnlich sind, sich in einem Punkt aber auch gravierend unterscheiden: Jeweils eine Einrichtung ist eine Kita mit besonderem Unterstützungsbedarf („Plus-Kita“), eine erhält zusätzliche Mittel zur Sprachförderung und eine muss ohne zusätzliche Gelder auskommen. „Wir bekommen kein Geld für die Sprachförderung“, sagt Sandra Kolhoff und erklärt damit die Rolle der Astrid-Lindgren-Kita in ihrem Drilling.

In jeder teilnehmenden Kita untersuchen Mitarbeiter der Ruhr-Uni Bochum der Sprachstand und die Sprachentwicklung der teilnehmenden Kinder. Das geschieht über Sprachspiele und Beobachtungen des Kita-Alltags. Anfang März waren die Forscher zum zweiten Mal in der Kita in Epe zu Gast. „Sie legen großen Wert darauf, den Ablauf der Kita möglichst wenig zu beeinträchtigen und dass die Kinder Spaß an der Teilnahme haben. Das klappt richtig gut und ist für die Kinder und uns sehr angenehm“, sagt Sandra Kolhoff.

Am Ende der Untersuchung vergleichen die Forscher, in welchen Kitas die Sprachförderung besonders gut geklappt hat und wo es noch Verbesserungsbedarf gibt. Einfach ausgedrückt: Sind die Kinder aus den Kitas, die zusätzliches Geld bekommen haben, sprachlich fitter als die anderen, ist erwiesen, dass das Geld gut angelegt ist.

Sandra Kolhoff kennt die Vorzüge ihrer kleinen, zweigruppigen Einrichtung: die familiäre Atmosphäre zum Beispiel. Jedes Kind kennt jede Erzieherin, sodass es bei Vertretungen keine Berührungsängste gibt. Sie weiß aber auch um die Probleme des kleinen Systems: Für die alltagsintegrierte Sprachbildung der Kinder (siehe Info-Kasten) ist vor allem Zeit ein wichtiger Faktor. In großen Kitas, die zusätzlich gefördert werden, arbeiten oft Fachkräfte für die Sprachförderung, die genau diese Zeit mitbringen. Das würde Kolhoff sich auch für ihre Kita wünschen. Ihr Fazit mit Blick auf die Seika-Studie lautet deshalb: „Ich hoffe, dass die Forscher zu dem Ergebnis kommen, dass wir gute Sprachförderung machen, dass wir aber noch besser werden könnten, wenn die Fördergelder gerechter verteilt würden.“

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