Mi., 13.09.2017

Treffen der Bürgerinitiative Kavernenfeld „Wir sind nicht in Timbuktu. . .“

Mehr als 60 Anlieger des Kavernenfeldes kamen am Montagabend auf die Alte Tenne Brefeld zur Versammlung. Dort stellte sich unter anderem der Landesverband Bergbaubetroffener NRW vor.

Mehr als 60 Anlieger des Kavernenfeldes kamen am Montagabend auf die Alte Tenne Brefeld zur Versammlung. Dort stellte sich unter anderem der Landesverband Bergbaubetroffener NRW vor. Foto: Klaus Wiedau

Epe - 

Offene Fragen, Befürchtungen, Zukunftsängste: Die Anwohner des Kavernenfeldes im Eper Amtsvenn treiben viele Dinge um. Das wurde am Montagabend während einer Mitgliederversammlung der Bürgerinitiative Kavernenfeld (BIK) auf der Alten Tenne Brefeld deutlich.

Von Klaus Wiedau

Um die eigene Position zu stärken, soll aus der BI deshalb in allernächster Zeit ein eingetragener Verein werden, wie BI-Sprecher Holger Perrevort der Versammlung mitteilte. Und: Bereits seit dem Frühjahr gehört die Initiative dem Landesverband Bergbaubetroffener NRW (LVBB) an. Deren Vorstandssprecher Ulrich Behrens und Klaus Wagner stellten den Verband und seine Arbeit vor.

Was die „Nachbarn“ der Kavernen der Salzgewinnungsgesellschaft (SGW) im Amtsvenn aktuell bewegt, wurde aus Fragen und Stichworten deutlich, die sie im zweiten Teil der Versammlung auf der Alten Tenne diskutierten: Da ging es um eine möglicherweise anstehende Vergrößerung der unterirdischen Hohlräume, aber auch um Befürchtungen, die Kavernen könnten eines Tages zum Endlager für Giftabfälle oder Müll werden. Weitere Stichworte: Gebäudeschäden infolge des Salzabbaus, heutige und künftige Erdabsenkungen, Wassermanagement und neues Hochwasserkonzept, Gebäudezustandserfassung, Mindestabstände zwischen Bebauung und Bohrköpfen.

Enttäuscht und frustriert zeigten sich Anwohner darüber, dass Gebäudeschäden bisher von der SGW nicht als Folge des Bergbaus anerkannt würden und auch die Einschaltung einer Schlichtungsstelle daran scheitere, dass die SGW nicht Mitglied der Schlichtungsstelle Bergschaden NRW sei. Vorhandene Schäden würden vielmehr lapidar als Folge normaler Setzungsprozesse oder gar als Maurerfehler abgetan, beklagten Anlieger in der Versammlung. „Oder man kriegt zu hören: Sie wollen wohl ausgesiedelt werden.“ Überhaupt sehen die Anlieger ihre Auseinandersetzung mit den im Venn vertretenen Unternehmen als eine Art Kampf „David gegen Goliath“ an, bei dem der Bürger kaum Chancen habe, seine Interessen durchzusetzen. Zuletzt sei das bei der Ansiedlung des Heliumspeichers deutlich geworden. Im Verfahren hätten die Anlieger „trotz unserer Eingaben kein Gehör gefunden“, so ein Anwohner. „Aber wir sind hier nicht in Timbuktu, sondern in einem Rechtsstaat“, in dem eine ordentliche Kommunikation mit dem Bürger erwartet werden dürfe.

Perrevort und andere riefen dazu auf, sich an der von der SGW angebotenen Verbolzung von Gebäuden (Markierung mit Nivellierungspunkten) zu beteiligen. Damit könnten künftig auftretende Veränderungen am Gebäude nachgewiesen werden. Zur Verbolzung werde ein Protokoll mitgeliefert, künftig auch eine Fotodokumentation von Schäden.

Unterstützung bei der Dokumentation gravierender vorhandener Schäden und bei der Einbindung von Schlichtungsstelle und Politik auf Landesebene bot Bürgermeisterin Sonja Jürgens der BIK an. Erster Schritt müsse es sein, mehrere vorhandene Schadensfälle zu dokumentieren. Auch mit Blick auf eine mögliche andere Nutzung der Kavernen in der Zukunft sah Jürgens den Gronauer Stadtrat an der Seite der Amtsvenn-Anlieger: „Ich bin mir sicher, dass der Rat dann ein klares Votum aussprechen wird“, so die Bürgermeisterin, die daran erinnerte, dass die kommunale Politik auch 2014 beim Ölaustritt auf Seiten der Bürger gestanden habe.

Während der Versammlung am Montag wurde indes auch eine Aussage der SGW zitiert, die – Stand April 2017 – klargemacht habe, dass es keine Planungen gebe, andere Materialien als Öl, Gas und Sole in den Eper Kavernen zu lagern. Trotzdem treibt viele Anlieger in dieser Frage offenbar die diffuse Angst um, „möglicherweise demnächst auf einem Müllhafen zu sitzen, der dann für immer da drin bleibt“, so Holger Perrevort.

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