Do., 14.09.2017

Landgericht sieht Schuld als erwiesen an Neun Jahre Haft für tödliche Messerstiche

Landgericht sieht Schuld als erwiesen an: Neun Jahre Haft für tödliche Messerstiche

Der Eingang zum Landgericht Münster Foto: dpa

Gronau/Münster - 

Zu neun Jahren Gefängnis hat das Landgericht in Münster am Donnerstag jenen Mann verurteilt, der am 14. Dezember vergangenen Jahres einen Bekannten in einem Mehrfamilienhaus an der Wiesenstraße mit einem Küchenmesser erstochen hat.

Von Klaus Möllers

Das Gericht zeigte sich in seinem Urteil am Donnerstag überzeugt davon, dass der 46-Jährige der Täter war und nicht eine Freundin des Angeklagten und des Opfers, die an dem Abend auch bei einem Umtrunk zugegen war (WN berichteten). Das Opfer – ein 45-Jähriger aus Gronau – war bei dem Angriff in der Küche des Angeklagten mit einem Schnittmesser mit 20 Zentimeter-Klinge zweimal im Oberbauch getroffen worden. Er schleppte sich ins Treppenhaus, fiel die Stufen hinunter und verblutete.

Alkoholpegel von drei Promille

Vorher hatten die Beteiligten – drei Männer und die Frau – verschieden viel Alkohol getrunken. Dann gab es Streit zwischen dem Angeklagten und dem späteren Opfer. Unter anderem wegen der Frau, mit der sich der Abgeklagte eine Beziehung erhoffte. Von Bier soll er zur Tatzeit um kurz nach 21 Uhr einen geschätzten Alkoholpegel von drei Promille gehabt haben, bei einer Blutentnahme durch die Polizei gut zwei Stunden später waren es 2,37 Promille.

Der Angeklagte hing laut Gutachten einer Psychiaterin seit Jahren am Alkohol. Gleichzeitig habe er „eine große Gewöhnung“ an die Alltagsdroge entwickelt. Ferner sei eine „leichte Intelligenzminderung“ (Intelligenzquotient von 67), so sagte sie, bei dem Mann dokumentiert. Das Gericht bezog die Einschätzungen der Medizinerin in sein Urteil ein. Wegen der Intelligenzminderung neige der Mann zuweilen zu „skurril wirkenden Entscheidungen“, erklärte die Ärztin, und nicht zu „vernünftigen“.

Wütend und hilflos

Der Angeklagte sei anscheinend „wütend und hilflos“ gewesen, sagte die Vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung. Das seien normale „Alltagsemotionen“. Auch habe er zunächst versucht, „mit milderen Mitteln“ den „Rausschmiss“ des nicht mehr erwünschten Besuches zu erreichen.

Der Angeklagte hatte den 45-Jährigen mehrmals aufgefordert, die Wohnung zu verlassen. Der tat dies aber nicht, beziehungsweise kam wieder zurück. Dann rief der Gastgeber die Polizei. Doch noch bevor ein Streifenwagen an der Wiesenstraße eintraf, hatte der Angeklagte mit dem Messer zugestochen. „Er hätte nur noch einige Minuten warten brauchen, bis die Polizei eintraf, um sein Ziel zu erreichen“, so die Richterin.

Mehrfach vorbestraft

Schwer wiege zu Ungunsten des Angeklagten, dass er schon mehrfach wegen Gewaltdelikten verurteilt worden sei und dass er die Bekannte der Tat bezichtigt habe, weil er bemerkt haben will, dass sie doch keine Beziehung mit ihm wolle. Zwischenzeitlich hatte der Mann noch eine dritte Version angegeben: dass seine Tat „Notwehr“ gewesen sei.

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