Fr., 13.10.2017

„Netzwerktreffen Frühe Hilfe“ beschäftigt sich mit Kindeswohlgefährdung Kindesschutz ist ein Staffellauf

Susanne Wunsch (r.) moderierte die Veranstaltung des Netzwerks „Frühe Hilfen“ und führte in das Thema Kindeswohlgefährdung ein.

Susanne Wunsch (r.) moderierte die Veranstaltung des Netzwerks „Frühe Hilfen“ und führte in das Thema Kindeswohlgefährdung ein. Foto: Martin Borck

Gronau - 

Das Wort „Kindeswohlgefährdung“ klingt eigentlich viel zu harmlos, für das, was unter den Begriff fällt. Schließlich umfasst er auch Fälle von Vernachlässigung, psychischen und körperlichen Misshandlungen bis hin zu sexueller Gewalt, vor denen Kinder geschützt werden müssen. In Gronau gab es im vergangenen Jahr 14 Fälle. „Ein hartes Brot“, wie Rainer Hülskötter vom Jugendamt beim Netzwerktreffen „Frühe Hilfen“ sagte. Der SkF und das Gronauer Jugendamt hatten am Mittwoch dazu ins Walter-Thiemann-Haus eingeladen. Fachkräfte, die im Rahmen ihrer Arbeit mit Kindern zu tun haben, nahmen teil: Mitarbeiter aus dem Jugendamt und aus Beratungseinrichtungen, Ärzte, Hebammen, Erzieherinnen aber auch der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses.

Als Expertin gab Susanne Wunsch („Für mich ist Kinderschutz ein Herzblutthema.“) einen Überblick über die gesetzlichen Grundlagen. Sie wies unter anderem darauf hin, dass sich Kinder sogar gegen den Willen der Erziehungsberechtigten in Obhut nehmen lassen können. „Die Partizipation der Kinder ist ganz wesentlich“, sagte die Fachfrau vom Institut Lüttringhaus. Ziel sei außerdem, familienerhaltend zu arbeiten. „Die Jugendhilfe ist wie ein Bauchladen, der die passende Unterstützung und Begleitung anbieten sollte“, sagte sie. Dasselbe gelte auch für die freien Träger.

Wann liegt eine Gefährdung überhaupt vor? „Es kommt oft aufs Bauchgefühl an“, sagte Wunsch. „Deshalb sollte die Gefährdungseinschätzung stets im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte erfolgen.“ Freie Träger könnten auf qualifizierte Fachleute im Jugendamt zurückgreifen, mit dem eine Kooperationsvereinbarung besteht. Darauf wies Rainer Hülskötter ausdrücklich hin.

Dass Situationen von unterschiedlichen Menschen unterschiedlich bewertet werden, sei der erste Stolperstein in der Praxis, so Susanne Wunsch. Sie stellte einige lebensnahe Fallbeispiele zur Diskussion: Bei einem Hausbesuch stellt sich heraus, dass es in der Wohnung des alleinerziehenden Vaters nach Katzenurin stinkt, der neunjährige Sohn vor dem Fernseher hockt, eine Katze um das dreimonatige Baby herumstreicht, im Badezimmer ein Wäscheberg liegt, in der Küche volle Aschenbecher stehen und in der Ecke Schnapsflaschen liegen. Oder: Eine völlig übermüdete alleinerziehende Mutter dreier Kinder lässt ihr Kleinkind für kurze Zeit allein, um die größeren in die Kita und zur Schule zu bringen.

Wichtig sei, die Beobachtungen zu hinterfragen, Bedenken offen anzusprechen und zu versuchen, im Einvernehmen mit den Sorgeberechtigten zu Lösungen zu kommen. „Kindesschutz ist ein Staffellauf“, so Susanne Wunsch, bei dem der Staffelstab im Zweifelsfall an die nächste Zuständigkeit weitergegeben werde. Gegebenenfalls müsse ein Familiengericht die Situation bewerten und Maßnahmen ergreifen.

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