Sa., 18.11.2017

Brücke ist Fall für Euregio-Diplomatie Staats-Streich auf der Grenze geplant?

Der Rost des Anstoßes: Um dieses Gelände der Glane an der Grenze geht es.

Der Rost des Anstoßes: Um dieses Gelände der Glane an der Grenze geht es. Foto: Klaus Wiedau

Gronau - 

Darf ein deutscher Anstreicher ein niederländisches Brückengeländer pinseln – oder ist das dann schon eine besondere Form eines Staats-Streiches? Naja, vielleicht ist die Frage – um im Maler-Jargon zu bleiben – ein bisschen dick aufgetragen. Trotzdem: Sie stellt sich, seitdem Jörg von Borczyskowski (UWG) die Verwaltung jüngst im Verkehrsausschuss quasi um einen Auslandseinsatz gebeten hat: eine Mission Brillux sozusagen.

Dem UWG-Sprecher war aufgefallen, dass das Brückengeländer des Grenzbaches Glane am Grenzübergang Glanerbrug in einem erbarmungswürdigen Zustand ist. Soll heißen: Die heute grün bis rostig in der Gegend stehenden Eisenstreben könnten einen Pott Farbe vertragen. „Das sieht ziemlich traurig aus“, so von Borczyskowski. Und dann wollte der UWG-Mann wissen: „Wer ist eigentlich für den Anstrich zuständig?“

In weniger befreundeten Staaten hätte diese Frage vermutlich selbst gestandenen Diplomaten Schweißperlen auf die Stirn getrieben und eine ganze Maschinerie von Gepflogenheiten in der internationalen Zusammenarbeit in Gang gesetzt: 1. Bildung einer bilateral besetzten Verhandlungskommission zur Abgrenzung der nationalen Staatsgebiete. 2. Vertragliche Vereinbarungen über gegenseitige Ermächtigungen zur Erbringung von handwerklichen Leistungen auf dem Territorium einer fremden Macht. 3. Europaweite Ausschreibung der multinational zu erbringenden Leistung. 4. Erteilung des Auftrages durch eine international besetzte Vergabe-Kommission (inklusive Beobachtern der Vereinten Nationen). 5. Bildung und per Staatsvertrag geregelte Einsetzung eines GAT – grenzüberschreitenden Anstreicher-Teams mit Vollmachten analog zu den GPTs der Polizei. Die Folge: die Fertigstellung des Projektes wäre frühestens 2025 - falls das Geländer bis dahin nicht schon komplett weggerostet ist.

Dass eine Lösung im kleinen Grenzverkehr zwischen Deutschland und Holland – oder wahlweise als Innere Angelegenheit der Euregio – auch ganz anders aussehen kann, bewies im Verkehrsausschuss Stadtbaurat Frank Vetter. Auf Borczykowskis Fragen hatte er eine – fast schon nach Botschafter klingende Antwort parat: „Ich werde mich mit dem niederländischen Kollegen kurzschließen und ihm mitteilen, dass wir für die Niederlande das Geländer streichen.“

Bleibt die Farbe nach der neuen Farbgebung. Grün – wie bisher? Europa-Blau? Oder in den Farben der jeweiligen Landesflaggen. Vielleicht war die Idee mit der bilateral besetzten Verhandlungskommission doch nicht so schlecht. . .

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