Do., 07.12.2017

Der Ev. Posaunenchor probt für das Vorweihnachtskonzert Eins, zwo, tutti!

Der Ev. Posaunenchor der Erlöserkirche probt für das Konzert am Sonntag in der Stadtkirche.

Der Ev. Posaunenchor der Erlöserkirche probt für das Konzert am Sonntag in der Stadtkirche. Foto: Sigrid Winkler-Borck

Gronau - 

Das Vorweihnachtskonzert des Posaunenchors der Erlöserkirche findet schon seit Jahren immer am zweiten Adventssonntag statt. Da werden die Proben in den letzten Wochen vor dem Auftritt besonders ernst genommen.

Von Sigrid Winkler-Borck

Kurz vor Probenbeginn um 19.30 Uhr trudeln am Freitag die Musikerinnen und Musiker nach und nach im Terrassenhaus ein. Es herrscht ein gewisser Geräuschpegel: Einige Mitglieder stimmen ihre Instrumente, andere reden miteinander. Als jedoch der Dirigent und musikalische Leiter André Sander sein etwas erhöhtes Dirigentenpodest betritt, wird es ruhig. Von den 38 Musikern zwischen 15 und 62 Jahren im Hauptorchester konnten nicht alle kommen. Sander nennt diejenigen, die abgesagt haben. Zunächst spielt der „Evangelische Posaunenchor und Spielmannszug der Erlöserkirche Gronau 1957 e.V.“, so der offizielle Name des Orchesters, „Ein feste Burg“. Dann werden nochmals die Instrumente gestimmt.

Die eigentliche Probe für das Konzert in der Stadtkirche, das gemeinsam mit dem Frauenchor Klangvoll gegeben wird, beginnt im Anschluss. „Phantom der Oper“, ein 20-minütiges Stück, wird einmal durchgespielt. Es ist eine anspruchsvolle Komposition. Einige Passagen stellen den Dirigenten noch nicht zufrieden. So werden genau die Takte wiederholt, bei denen es gehakt hat. Mehrfach sagt Sander: „Eins, zwo, tutti“, unterbricht und erklärt, was ihm nicht gefällt. „Ein bisschen mehr Fleisch an der Note“, heißt es dann. Er schnippt mit, spricht sehr betont „jaaabadampam“, damit klar wird, wie er sich den Rhythmus vorstellt. Bei Takt 101 bittet er die Basstuba, die Synkope deutlich zu spielen, mit Crescendo. Bei Takt 143 heißt es: „Die Länge der letzten Note entscheidet.“ Sander achtet sehr darauf, dass die musikalische Spannung erhalten bleibt. Mit den Saxofonen diskutiert er deshalb darüber, wann sie am besten Luft holen können: „Versucht zwischen diese Takten am liebsten gar nicht zu atmen oder so schnell wie möglich.“

Uwe Kronenfeld von der Band Timeless spielt bei diesem Stück das E-Piano. Als er an einer Stelle sagt: „Das probe ich jetzt nicht noch mal“, fallen die anderen Musiker in ein bedauerndes „Ooooch“ und lachen. Bei aller Konzentration geht es bei der Probe nicht bierernst zu. Wer gerade nicht mitspielen muss, schaut kurz aufs Handy, trinkt einen Schluck.

Takt 265 ist der letzte vor der Pause gegen 21 Uhr. Sander springt auf und greift nach vorn, als ob er den richtigen Klang herauskitzeln will. Mit einem „schschsch“ bricht er ab und ruft: „Da ist eine falsche Note bei, hab ich gehört.“ Alle lachen.

Konzentration beim Spiel gepaart mit freundlichem Miteinander prägen das Vereinsleben des Posaunenchors, der in der eigenen Bläserschule seinen Nachwuchs ausbildet. Aber auch Wiedereinsteiger und erwachsene Anfänger finden im Posaunenchor, der in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen feiert, eine musikalische Heimat. In das Üben zu Hause müsse aber jeder von sich aus investieren, so der Dirigent, schließlich habe im Orchester jeder auch Pflichten gegenüber den anderen Mitgliedern. Bei alledem ist natürlich eine gute Atmosphäre wichtig, weiß Sander, der 1998 mit dem Dirigieren begonnen hat: „Alle haben am Freitagabend eine mehr oder weniger stressige Woche hinter sich, da muss hier bei der Probe nicht auch noch Stress gemacht werden.“

Bei André Sander, dem seit gut einem Jahr einzigen Dirigenten des Posaunenchors, läuft alles zusammen. Er sucht die Musik aus, arrangiert sie für das Orchester. „Eigentlich bin ich 24 Stunden am Tag Dirigent“, sagt er mit einem leichten Schmunzeln. Dann setzt er die Probe fort.

Das Vorweihnachtskonzert des Posaunenchors der Erlöserkirche mit dem Frauenchor Klangvoll beginnt am Sonntag (10. Dezember) um 17 Uhr in der Stadtkirche. Schade findet Sander, dass mit der Kulturpreisverleihung eine andere musikalische Kulturveranstaltung auf genau den gleichen Termin fällt. „Die Adventszeit ist diesmal aber auch besonders kurz“, räumt er ein.

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