Mi., 03.01.2018

Unfall-Sichtschutz aus Gronau Keine Chance für Gaffer

Als „Gaffer Stop“ könnte die mobile Sichtschutzwand aus Gronau und Ochtrup zukünftig Unfallstellen vor unerwünschten Voyeuren schützen – und dabei gleichzeitig einen Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten.

Als „Gaffer Stop“ könnte die mobile Sichtschutzwand aus Gronau und Ochtrup zukünftig Unfallstellen vor unerwünschten Voyeuren schützen – und dabei gleichzeitig einen Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten. Foto: privat

Gronau - 

Sie sind mehr als nur ein Ärgernis: Gaffer, die bei Unfällen auf Autobahnen und Schnellstraßen einen Blick auf das Geschehen erhaschen wollen. Doch der Einsatz von Sichtschutzwänden ist aufwendig. Zwei Freunde aus Gronau und Ochtrup haben zur Lösung des Problems das System „Gaffer Stop“ entwickelt.

Von Guido Kratzke

Um dem Gaffer-Problem Herr zu werden, setzt das Land NRW seit 2015 mobile Sichtschutzwände ein, die Unfallstellen von Schaulustigen frei halten sollen. Barrikaden, die nicht nur ein Mehr an Verkehrssicherheit bieten sollen, sondern auch den Unfallopfern ein Stück ihrer Würde bewahren. Doch die bislang zum Einsatz kommenden Bauzäune erfordern einen großen Aufwand beim Transport sowie beim Auf- und Abbau. „Das geht mit unserem System viel einfacher“, erklären Jürgen Duesmann und Dieter Dankbar.

Straßenwärter mit mobilen Sichtschutzwänden

Straßenwärter mit herkömmlichen Sichtschutzwänden Foto: dpa

Metallbaumeister Duesmann – seine Firma befindet sich seit fünf Jahren an der Röntgenstraße 8 in Gronau – und sein Freund, der als Heizungs- und Sanitärmeister in Ochtrup selbstständig ist, haben sich seit Mitte 2015 an jedem ersten Dienstagabend im Monat getroffen, intensiv getüftelt, zwischenzeitlich immer wieder getestet – und jetzt einen Prototypen fertiggestellt, mit dem sie eine Alternative zu den bestehenden Systemen bis zu Marktreife gebracht haben.

Sichtschutz aus dem Bohrmaschinenkoffer

20 Meter Sichtschutzwand haben sie in einem großen Bohrmaschinenkoffer untergebracht – und der könnte einfach ein Bord beispielsweise von Feuerwehrfahrzeugen mitgeführt werden.

„Wir waren damit schon bei der Landespolizei in Stuttgart“, erklärt Duesmann. „Und auch bei der Polizeihochschule in Münster durften wir schon präsentieren.“ Das Echo, dass sie auf ihr Modell erhielten, war durch die Bank positiv. Aber es gibt auch einen guten Grund, warum die Koffer bislang nicht den Weg in die Einsatzwagen gefunden haben. „In den 3er BMW-Kombis ist für die Koffer kein Platz vorhanden“, verweist Dankbar auf eine Erkenntnis, die sie aus der Vorstellung mit genommen haben.

Tüfteln an Leitplanken

„Zu Beginn hatten wir auch nicht auf dem Schirm, dass es in Deutschland zwei unterschiedliche Formen von Leitplanken gibt“, erinnert sich Duesmann an verschiedene Entwicklungsschritte. Auf diese Straßenbegrenzer wird ihr mobiler Sichtschutz montiert. „Zu deren 75 Zentimetern Höhe kommt dann unser Gaffer Stop mit einer Höhe von 1,50 Metern“, erklärt Dankbar.

Die zusammensteckbaren Eisenstangen werden in mit Spanngurten zu befestigende Hülsen arretiert, der Sichtschutz dazwischen gespannt. „Alternativ haben wir auch Ständer, die unter Fahrzeugreifen befestigt werden können“, verweisen die Tüftler auf eine etwas niedrigere Lösung für den Fall, dass keine Leitplanke zur Verfügung steht. „Wir haben natürlich auch Tests gemacht wie windbeständig der Gaffer Stop ist“, blickt Duesmann auf die Entwicklungsphase zurück. Danach wurde die bisherige Textilfaser gegen ein Material ausgetauscht, das auch bei Fahnen zum Einsatz zukommt. „In der windstarken Woche vor Weihnachten hatte ich ein Element bei mir dauerhaft aufgebaut – und es gab keine Probleme“, freut sich Dankbar, dass auch für dieses Problem die richtige Lösung gefunden wurde.

Test-Einsatz bei der  Feuerwehr in Dortmund

Im neuen Jahr soll durch die Fachhochschule in Steinfurt die Festigkeit sowie das Strömungsverhalten genau unter die Lupe genommen werden. Und am 9. Januar wird es ernst. Dann sind sie zu Gast bei der Feuerwehr in Dortmund und hoffen, dass ein Pilotprojekt mit 20 bis 30 Koffern in Angriff genommen werden kann. Diese bieten dann vier Mal fünf Meter Sichtschutz, der nicht nur einfach auf- und abgebaut werden kann. Es lässt sich auch beliebig verlängern. „Das wäre dann vielleicht auch eine Lösung für größer Baustellen, die auch eine Ablenkungsquelle für Verkehrsteilnehmer darstellen können“, hat Dankbar schon eine weitere Einsatzmöglichkeit im Hinterkopf. Aber das ist für die beiden Handwerksmeister zunächst einmal nur Zukunftsmusik.

Die beiden Handwerksmeister Dieter Dankbar (l.) und Jürgen Duesmann (r.) haben eine mobile Sichtschutzwand entwickelt. 20 Meter Sichtschutz, bestehend aus vier Elementen, passen jeweils in einen Einsatzkoffer hinein.

Die beiden Handwerksmeister Dieter Dankbar (l.) und Jürgen Duesmann (r.) haben eine mobile Sichtschutzwand entwickelt. 20 Meter Sichtschutz, bestehend aus vier Elementen, passen jeweils in einen Einsatzkoffer hinein. Foto: Guido Kratzke

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