Mysteriöser Tod eines Arztes
Frustrierter Patient: Der Schwebezustand muss enden

Gronau -

Helmut Brüffer ist ratlos. Und auch frustriert. Der 56-Jährige zählt zum Patientenstamm des verstorbenen Hausarztes und muss sich nun auf die Suche nach einem neuen Mediziner machen.

Samstag, 13.01.2018, 08:01 Uhr

Die Wartezimmer der Gronauer Hausärzte sind voll. Die Mediziner behandeln momentan nur die Notfälle des verstorbenen Kollegen. Ohne die Krankenakten der Patienten können sie deren Krankengeschichte nicht nachvollziehen.
Die Wartezimmer der Gronauer Hausärzte sind voll. Die Mediziner behandeln momentan nur die Notfälle des verstorbenen Kollegen. Ohne die Krankenakten der Patienten können sie deren Krankengeschichte nicht nachvollziehen. Foto: Benjamin Ulmer/dpa

„Als Patient hängt man jetzt völlig durch. Zu welchem Arzt soll man hier in Gronau gehen? Wer nimmt denn überhaupt noch auf? Geschweige denn, dass doch zunächst erst einmal ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden muss.“ Helmut Brüffer ist ratlos. Und auch frustriert. Der 56-Jährige zählt zum Patientenstamm des verstorbenen Hausarztes und muss sich nun auf die Suche nach einem neuen Mediziner machen.

Helmut Brüffer ist aufgrund seiner Herzrhythmusstörungen und eines Schlaganfalls auf kontinuierliche medizinische Behandlung angewiesen. „Ich nehme Blut verdünnende Mittel. Die Dosierung muss regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls neu eingestellt werden“, schildert er. „Dazu kann ich aber nicht zu jedem beliebigen Arzt gehen. Die zwischenmenschliche Chemie muss ja auch stimmen. Man öffnet sich dem Doktor schließlich auf eine bestimmte Weise, mitunter sehr intime Weise. Das geht nicht mit jedem.“

"Medizinische Versorgung kann doch kein Glücksspiel sein"

Vor allem ältere Menschen hätten damit ein Problem: „Wir Patienten des Verstorbenen kennen uns zum Großteil und stehen untereinander in Kontakt. Erst gestern habe ich mit einer 70-jährigen Frau gesprochen, die mir sagte, sie könne sich nicht mehr umgewöhnen.“

Aber selbst wenn die Patienten ergebnisoffen auf die Suche gehen würden – momentan dürfte es schwierig sein, überhaupt einen Hausarzt in der Stadt oder in den Stadtteilen zu finden. Helmut Brüffer: „Als ich in der letzten Woche zur Vertretungspraxis meines verstorbenen Arztes gegangen bin, hatte sich dort eine Warteschlange vor der Tür gebildet, die bis auf die Straße reichte. Telefonisch war die Praxis von bis in den Mittag hinein nicht zu erreichen. Vermutlich hat die Flut der Anrufe das Helferteam vollkommen überwältigt und überfordert“, vermutet er.

"Situation muss sich schnell ändern"

Da er nur ein Rezept für seine Medikamente benötigt hätte, habe er beim Vertretungsarzt vorstellig werden können. „Aber dort ergibt sich dann das nächste Problem“, sagt Helmut Brüffer: „Es werden nicht mehr – wie sonst – 100 Tabletten, sondern nur noch 20 verschrieben. Dann muss ich wieder hin. Und für jedes Rezept zahle ich in der Apotheke fünf Euro. Das macht dann für 100 Tabletten jetzt 25 statt der bisherigen fünf Euro“, rechnet er vor.

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Ein weiterer Knackpunkt: „Mediziner, die ich aufsuche, können sich im Grunde gar nicht in meine Krankengeschichte einarbeiten oder meinen Krankheitsverlauf nachvollziehen, weil sie die Akte nicht vorliegen haben. Die darf wohl die Praxis meines verstorbenen Hausarztes nicht herausgeben.“

Das, so ärgert sich Helmut Brüffer, sei „ein Schwebezustand, der schnellstens abgestellt werden müsse.“ „Es ist bedauerlich, was da mit dem Hausarzt in Moskau passiert ist. Sein Tod ist ein schrecklicher Verlust, unter dem auch wir Patienten leiden. Und an der Situation muss sich schnellstens etwas ändern. Die medizinische Versorgung kann doch kein Glücksspiel sein. Die Unsicherheit muss endlich aufhören. Zumal ja noch von einer weiteren Praxisschließung aus Altersgründen die Rede ist, was die Lage zusätzlich verschärfen könnte.“ 

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