Weltfrauentag
Ein Dank an meine Vorgängerinnen

Weltfrauentag? Den kenne ich, ja. Aber viel mehr als einen Eintrag im Kalender verbinde ich mit dem Datum 8. März nicht. Und von meinen Freundinnen weiß ich, dass es ihnen ähnlich geht. Ich bin in den 90er-Jahren geboren und groß geworden, Kämpfe um das Frauenwahlrecht, um das Recht, auch ohne Erlaubnis des Ehemanns arbeiten zu gehen, haben meine Vorgängerinnen längst geführt – und zu meinem großen Glück gewonnen.

Donnerstag, 08.03.2018, 09:03 Uhr

Weltfrauentag: Ein Dank an meine Vorgängerinnen
Foto: Gunnar A. Pier

So hatte und habe ich das Privileg, vieles als selbstverständlich zu erachten, was für meine Großmütter noch alles andere als selbstverständlich war. Ich durfte auf die Schule gehen, auf die ich gehen wollte, durfte studieren, worauf ich Lust hatte, übe den Beruf aus, für den ich mich entschieden habe – und nicht mein Mann oder meine Eltern. Ganz zu schweigen von der Frage, wie ich mich kleide, oder mir die Haare schneide.

Und doch lese ich täglich Meldungen wie: Saudi-Arabien erlaubt Frauen das Autofahren. Polizei im Iran nimmt Frauen ohne Kopftuch fest. Weltweit leben mindestens 200 Millionen Mädchen und Frauen mit Genitalverstümmelung. Meldungen aus dem Hier und Jetzt, die mich fassungslos machen – und mir zeigen, wie relevant nach wie vor der Weltfrauentag ist.

Dafür genügt übrigens auch ein Blick in die Bundesrepublik: Der Frauenanteil im Bundestag sank nach der Wahl von 36,5 auf 30,7 Prozent; die Vorstandsetagen der größten börsennotierten Unternehmen sind weiterhin Männerdomänen; sexuelle Belästigung kennen viele Frauen noch immer aus eigener Erfahrung, wie die „#Me too“-Debatte verdeutlicht hat.

Da liegen die Probleme, da muss der Finger in die Wunde gelegt werden. Doch nicht etwa darüber wird in diesen Tagen diskutiert, sondern über den Text der Deutschen Nationalhymne. Pulver, das an falscher Stelle verschossen wird.

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