Projektwoche Verlust und Trauer an der Johannesschule
Kleine und große Abschiede

Gronau -

Still hängen die Fragen im Raum: „Was ist, wenn ein Mensch nicht mehr da ist? Was ist mit seiner Seele? Habt ihr schon mal jemanden verloren?“ Ein Mädchen nickt: „Meine Mama war mal ganz traurig, als meine Oma gestorben ist.“ Und leise, ganz vorsichtig-zart, erklingt eine Jungenstimme: „Mein Vater ist gestorben.“

Mittwoch, 14.03.2018, 09:03 Uhr

Als Erinnerungskisten werden diese Holzbehälter von den Schülern gestaltet. Pädagogin Ursula Born (r.) und Pastoralrefentin Annette Frontzek begutachten die dazu geprickelten Dekoblumen (oben). Die Hospizgruppe überlegt unterdessen mit einer anderen Gruppe, was Seele für jeden Einzelnen bedeutet. (kl. Foto). Madeleine (ovales Foto links) stellt gerade mit ihren Klassenkameraden und unter Anleitung des stellvertretenden Schulleiters Jörg Hunschede eine „Trostsuppe“ zusammen. Die schwerstbehinderten Kinder nähern sich dem Thema Verlust und Tod an diesem Vormittag über die Sinne: Wärme, Licht oder auch Düfte blühender Blumen
Als Erinnerungskisten werden diese Holzbehälter von den Schülern gestaltet. Pädagogin Ursula Born (r.) und Pastoralrefentin Annette Frontzek begutachten die dazu geprickelten Dekoblumen (oben). Die Hospizgruppe überlegt unterdessen mit einer anderen Gruppe, was Seele für jeden Einzelnen bedeutet. (kl. Foto). Madeleine (ovales Foto links) stellt gerade mit ihren Klassenkameraden und unter Anleitung des stellvertretenden Schulleiters Jörg Hunschede eine „Trostsuppe“ zusammen. Die schwerstbehinderten Kinder nähern sich dem Thema Verlust und Tod an diesem Vormittag über die Sinne: Wärme, Licht oder auch Düfte blühender Blumen Foto: Susanne Menzel

Werden und Vergehen – von kleinen und großen Abschieden handelt die Projektwoche, die jetzt an zwei Standorten, in der Johannesschule an der Landgrafenstraße sowie in der Dependance an der Grünstiege, mit allen Jahrgängen durchgeführt wird.

Tod, Trauer, Verlust – ein Thema, das besonders die Erwachsenen gerne an die Seite drängen. Vor dem sie oft auch gerade ihre Kinder beschützen und behüten wollen. „Das war bei unseren Eltern nicht der Fall. Im Gegenteil: Sie haben uns motiviert und unterstützt“, freuen sich Schulleiterin Jutta Thier und ihr Stellvertreter Jörg Hunschede über den erfahrenen Rückhalt. Der Vorschlag, den Tod im

Unterricht zu thematisieren, so erzählt Jörg Hunschede, sei aus der Fachkonferenz Religion gekommen: „Auch für unsere Schüler gehört der Umgang mit Trauer und Verlust natürlich zum Alltag. Damit wollten wir sie nicht alleine lassen. Mitunter haben unsere Kinder und Jugendlichen durch ihre kognitiven Einschränkungen viel größere Probleme, diese Dinge emotional zu verarbeiten.“ Es sei im Lehrerkollegium „ein längerer Prozess gewesen, bis wir für uns klar hatten: Was wollen wir vermitteln – und wie? Wie können wir die Schüler nachhaltig erreichen? Als wir die Antworten darauf gefunden hatten, war auch der Dialog mit den Eltern entsprechend positiv, weil wir auf ihre Fragen Antworten geben konnten.“

Und die Findungsphase hat nicht nur ein sehr kreatives Ergebnis gebracht, sondern ebenso eines, das die vielen Facetten berücksichtigt. „Wir haben in dem Zusammenhang zahlreiche Medien angeschafft, die wir nicht nur während der Projektwoche einsetzen, sondern mit denen wir auch später arbeiten können“, sagt Schulleiterin Jutta Thier: „Wenn wir mal einen Todesfall haben, sei es ein Schüler oder eine Schülerin, sei es ein Elternteil, Oma, Opa, ein guter Freund oder das Haustier, dann sind wir vorbereitet.“

Bisher habe es immer einen Tisch im Eingangsbereich gegeben, auf den die Mädchen und Jungen Erinnerungsstücke legen konnten, die sie mit dem Verstorbenen in Zusammenhang stehen. Nun wurden Erinnerungskisten farbenfroh gestaltet und liebevoll dekoriert, in die diese Andenken hineingelegt werden können. Auch wird gerade darüber nachgedacht, eine Art

Baum zu konzipieren, der im Außenbereich zum Einsatz kommt.

Mit unterschiedlichen Materialen und Vorgehensweisen nähern sich die Pädagogen den verschiedenen Sichtweisen auf Tod, Verlust und Trauer. Dazu zählt der Besuch eines Friedhofs, ebenfalls der bei einem Bestatter. Eine Trauerbegleiterin hat ihren Besuch in der Schule angekündigt, die Hospizgruppe war bereits im Vorfeld da, um gemeinsam mit den Pädagogen ein Konzept zu ihrem Angebot „Hospiz macht Schule“ auszuarbeiten. Die schwerstbehinderten Schülerinnen und Schüler haben sich mit dem Bilderbuch „Wie mag‘s den wohl im Himmel sein?“ dem Thema genähert, andere arbeiten mit den Sinnen: Eine Blume, die durch Sonne und Wärme wächst, blüht und duftet, dann letztlich doch verwelkt.

Briefe an Menschen, die nicht mehr da sind, denen man aber noch eine letzte Botschaft zukommen lassen möchte („Was ich dir noch sagen wollte“), schicken die Berufspraxisstufen über die Dinkel auf die Reise. Veränderungen durch Fotografie sichtbar und deutlich machen, Grabschmuck, theaterpädagogische Projekte oder auch die Vorbereitung des Abschlussgottesdienstes mit dem evangelischen Pfarrer Marcus Tyburski sowie der Pastoralreferentin der katholischen Gemeinde, Annette Frontzek, stehen ebenfalls bei den Älteren auf dem Plan. „Wir holen die Schüler thematisch dort ab, wo sie stehen“, sagt Jutta Thier. „Und da hat sich schon am ersten Tag gezeigt, dass viele Gespräche im Nachgang wichtig und gewünscht sind. Bei manchen Dingen, die ins Persönliche gehen, ist die Gestaltung des Vormittages bewusst klassenintern gehalten. Damit jeder einen geschützten Raum für seine Emotionen findet.“

  Foto: Susanne Menzel

  Foto: Susanne Menzel

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5590094?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
„Satudarah“-Mitgründer bald unter Auflagen frei
Michel B. ist Mitbegründer des niederländischen Chapters von Satudarah. Die Gruppierung gibt es auch in Deutschland.
Nachrichten-Ticker