Ausbildung zur Milchwirtschafts-Laborantin
Die Polizei der Molkerei

Epe -

Der leicht säuerliche Geruch setzt sich in der Nase fest. Angenehm geht anders – aber nach wenigen Minuten ist das unangenehme Gefühl sprichwörtlich verflogen. „Man gewöhnt sich dran“, lacht Mareen Lenfert. Die 20-Jährige muss es wissen: Sie arbeitet im zweiten Ausbildungsjahr als Milchwirtschafts-Laborantin bei der Bio-Molkerei Söbbeke in Epe.

Donnerstag, 17.05.2018, 11:05 Uhr

Für die mikrobiologische Testung im Labor muss Mareen Lenfert die Produkte auch immer wieder stichprobenartig pipettieren.
Für die mikrobiologische Testung im Labor muss Mareen Lenfert die Produkte auch immer wieder stichprobenartig pipettieren. Foto: Susanne Menzel

Milchwirtschafts- was? „Ja, bei der Berufsbezeichnung musste ich zunächst auch erst mal recherchieren, was das ist“, gibt die Ochtruperin offen zu. Nach ihrem Abitur wusste sie lediglich, dass sie „etwas Naturwissenschaftliches machen wollte. Interessen halber habe ich mich bei der Arbeitsagentur gemeldet, um mal zu schauen, welche Möglichkeiten sich mir da bieten.“ Und in dem Gespräch wurde ihr die Milchwirtschafts-Laborantin empfohlen. „Ein super Tipp“, wie Mareen Lenfert heute rückblickend sagt: „Hier vereinen sich all meine Vorlieben aus der Schulzeit: Chemie, Physik und Biologie.“

Drei Tage habe sie damals bei Söbbeke zur Probe gearbeitet, dann sei für beide Seiten klar gewesen: „Sie boten mir eine Lehrstelle an und ich habe gerne angenommen.“ Geruchs- und Geschmacksinn muss sie an ihrem Arbeitsplatz einbringen, aber auch akkurates Händeln der Proben, genaues und ordentliches Arbeiten. Vorschriftsmäßig in weiße Schutzkleidung „eingehüllt“, mit Haarnetz auf dem Kopf, ist ihr Wirkungsbereich das Labor. „Wir sind zuständig für die regelmäßige Kontrolle unseres hohen Qualitätsanspruches“, umreißt die junge Frau ihr Aufgabengebiet. Joghurt und Milchreisprodukte, Kefir und Milch, die zugelieferten Fruchtmischungen und sonstige Rohstoffe überprüft sie stichprobenartig. Nach Geschmack und Aussehen, aber auch auf Keime. In Petrischalen werden dazu Kulturen angesetzt, doch Auge und Zunge sind ebenso wesentliche Helfer bei der Beurteilung. „Man lernt schnell, wie etwas schmecken und ausschauen muss“, sagt sie. „Freunde und Bekannte fragen mich immer, ob ich jetzt den ganzen Tag über nur noch Joghurt essen muss. Nein, muss ich nicht.“ Kleine Testungen sind nötig – das Ausspucken hinterher ist möglich.

Gibt es auch Dinge, die sie gar nicht mag? „Nein, eigentlich nicht“, meint Mareen Lenfert nach kurzem Überlegen. „Früher habe ich an Käse nur Gouda gegegessen. Seit ich hier arbeite, hat sich mein Geschmack verändert, ich mag jetzt fast alle Käsesorten.“

Die Kontrolle des Einsatzes von Laugen, Säuren oder Desinfektionsmitteln zur Reinigung der Maschinen oder die der Verpackungsbecher für die Milchprodukte obliegen gleichfalls dem Labor-Team. „Wir sind die Polizei der Molkerei“, grinst die junge Frau bei der späteren Unterhaltung im Besprechungsraum mit dem Titel „Milchreis“. Geändert hat sich seit Ausbildungsbeginn ihr Ernährungsverhalten: „Ich habe zwar früher schon gerne Joghurt gegessen“, erinnert sich die 20-Jährige, „Aber seit eineinhalb Jahren ist es wesentlich mehr geworden. Ich achte zudem auf die Zutatenliste. Die Bio-Produkte schmecken eindeutig leckerer.“

Dass Rauchen oder Kaffeetrinken den Geschmack empfindlich beeinträchtigen können, macht ihr kein Problem: „Ich rauche nicht. Gelegentlich eine Tasse Kaffee geht trotzdem.“ Wesentlich für eine Entscheidung in diese Berufsrichtung, so gibt sie interessierten Jugendlichen mit auf den Weg, sei „ein Faible für Naturwissenschaften. Das sollte man auf jeden Fall mitbringen.“ Die Ausbildung im Milchwirtschaftslabor „bietet da das Rundum-Paket, mit dem man sich später auch in anderen Laboren gut bewerben kann. Die Chancen auf einen Arbeitsplatz stehen in dieser Branche recht gut." Dass sie zur Ausbildung in der Berufsschule extra nach Oldenburg reisen muss, stört sie nur wenig: „Wir haben Blockunterricht, lernen also immer am Stück.“ Eine Abwechslung zum Schichtdienst im Molkerei-Betrieb. Übrigens treffen die Berufswahl zum Milchwirtschafts-Laboranten noch mehr Frauen als Männer: „Dabei sind die ebenso gerne gesehen“, schmunzelt Mareen Lenfert. Sie müssen ja nicht täglich Joghurt essen.

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