Allgemeiner Sozialer Dienst ist gut aufgestellt
Gleiten durch ruhiges Fahrwasser

Gronau -

Überlastete Jugendämter, überforderte Mitarbeiter, die aufgrund hoher Fallzahlen kaum mehr Zeit und Luft für den eigentlichen Kinderschutz oder gar Präventionsarbeit haben. Es ist ein erschreckendes Bild, das die Sozial- und Politikwissenschaftlerin Kathinka Beckmann von der Hochschule Koblenz dieser Tage in einer repräsentativen Studie aufgezeichnet hat. „Ein Szenario, das auf Gronau aber absolut nicht zutrifft“, freuen sich die Erste Beigeordnete Sandra Cichon und die Fachdienstleiterin für Jugend, Schule und Sport, Doris Ströing, eine rühmliche Ausnahme zu bilden.

Freitag, 18.05.2018, 10:05 Uhr

Kinderschutz hat in Gronau eine hohe Priorität. Die gute Ausstattung im Jugendamt macht es möglich, vorbeugend tätig zu sein – bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist . . .
Kinderschutz hat in Gronau eine hohe Priorität. Die gute Ausstattung im Jugendamt macht es möglich, vorbeugend tätig zu sein – bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist . . . Foto: Colourbox

Während bei vielen der bundesweit 560 Jugendämtern die Sozialarbeiter pro Person zwischen 50 und 100 Fällen betreuen – 35 sind die Forderung der Bundesgemeinschaft Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD) – „sind es hier sogar mitunter noch weniger als 35“, rechnet Doris Ströing vor: „Wir haben vor Jahren eine Untersuchung bei der Stellenbemessung zum Anlass genommen, im Jugendamt einzelne Bereiche noch einmal personell aufzustocken.“ Das zahle sich jetzt aus. 9,5 Stellen sind derzeit im Allgemeinen Sozialen Dienst ausgewiesen, drei im Pflegekinderdienst und „on top“ weitere beispielsweise in der Jugendgerichts- oder auch der Jugendberufshilfe. „Die Politik war in Gronau sehr früh bereit, an diesen Stellen Geld zu investieren. Das macht sich heute bezahlt – und spart auch so manchen Euro, da wir in der Lage sind, präventiv tätig zu werden“, so Cichon und Ströing.

Eine sehr geringe Fluktuation im Team, kurze Wege der Kommunikation, aber auch entsprechende Unterstützungs- und Hilfeangebote sind ein Gesamtpaket, das das Jugendamt mit seinem ASD momentan durch ruhiges Fahrwasser gleiten lässt. „Bei uns können sich Menschen, die uns auf einen Missstand hinweisen wollen, auch anonym melden“, erklärt Doris Ströing: „Wir gehen dem nach und schauen, ob wir innerhalb von Stunden, Tagen und Monaten reagieren müssen. Aber auch Familien selbst gehen offener damit um, wenn sie Unterstützungsbedarf haben und sprechen uns an.“

Kitas und Schulen seien inzwischen ebenfalls entsprechend sensibilisiert, im Bedarfsfalle reagieren zu können. Ströing: „Die Kitas werden jetzt ein weiteres Mal durch Fachkräfte geschult, an wen sie sich beispielsweise wenden können, wenn sie hinsichtlich eines Kindes Bauchweh haben. Dann ist es möglich, gemeinsam noch einmal drauf zu schauen und sich mit Hilfe eines neutralen Blickes nächste Schritte zu überlegen.“

In Gronau sei die Struktur hinsichtlich des Jugendamtes „etwas kleingliedriger“ als andernorts. Das setzt sich auch bei den Pflegefamilien fort, die im Extremfall, wenn ein Kind nicht in der Ursprungsfamilie verbleiben kann, kurz- oder langfristig – als Bereitschafts- oder Dauerpflege – den Kindern ein neues Zuhause bieten. „Wir haben tolle Pflegefamilien, die im Vorfeld intensiv geschult und dann, wenn sie ein Kind aufgenommen haben, auch intensiv begleitet werden.“ Dass das Jugendamt momentan wieder auf der Suche nach neuen Pflegefamilien ist, „hat nichts mit akuten Fällen zu tun“, unterstreicht Doris Ströing. „Es ist wichtig, auch einen entsprechenden Pool vorzuhalten. Denn bei einer anstehenden Vermittlung müssen wir stets den passgenauen Zuschnitt von Kind und Pflegefamilie im Auge haben.“

Verschoben haben sich nach Ansicht der Fachfrau in den letzten Jahren die Gründe für die Herausnahme von Kindern oder auch die vorübergehende Unterbringung in Pflegefamilien. Ströing: „Früher beruhten sie häufig auf der Alkohol- und/oder Drogenproblematik. Heute liegt vielfach bei einem Elternteil zudem eine psychische Beeinträchtigung vor. Ein Thema, das wir uns für die Zukunft noch intensiver auf die Fahnen schreiben werden.“

Eine „Gronauer Besonderheit“ sei die ambulante Gruppe für Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 16 Jahren. Sie bietet Freizeit- und Veranstaltungsangebote, keine Therapie. Das einzige, was die Mädchen und Jungen, die hier involviert sind, verbindet, ist die psychische Beeinträchtigung der Eltern oder eines Elternteils, über die sie dort reden können, wenn sie wollen.

Übrigens: Wer sich vorstellen kann, als Pflegeeltern tätig zu werden, sollte sich bei Doris Ströing, E-Mail doris.stroeing@gronau.de, melden. Auch Familien mit Migrationshintergrund sind herzlich willkommen.

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